Bankenaufsicht
Bundesbank mahnt EZB zu mehr Transparenz

Die Bankenaufsicht der EZB muss sich laut Bundesbank besser in die Karten schauen lassen. So seien Methoden wie Mindestkapitalquoten errechnet werden, nicht nachzuvollziehen. Auch andere Punkte seien kritisch.

FrankfurtDie Bundesbank fordert von der EZB-Bankenaufsicht (SSM) mehr Rücksicht auf kleinere Institute und mehr Transparenz. „Die SSM-Bankenaufseher könnten den Banken neue aufsichtliche Konzepte und die dahinter stehenden Methoden ausführlicher offenlegen“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Freitag in Frankfurt. Er spielt damit auf den sogenannten SREP-Prozess an, in dessen Rahmen die größten Banken der Euro-Zone 2015 monatelang durchleuchtet wurden. Basierend auf dieser Untersuchung bekommen die Geldhäuser bald neue individuelle Mindestkernkapitalquoten (SREP-Quoten) vorgegeben, die für sie von großer Bedeutung sind.

Wie genau die Mindestkapitalquoten berechnet werden, können die Geldhäuser aber nicht nachvollziehen. Die Aufsichtsbehörde EBA in London hat dazu 2014 Leitlinien veröffentlicht. Ein detailliertes Handbuch der EZB zur Berechnung der Quote gibt die Notenbank Finanzkreisen zufolge aber nicht heraus. Dombret plädiert an dieser Stelle für mehr Offenheit. Die EZB könne den Geldhäusern einen Überblick zur Berechnungsweise und den einfließenden Faktoren geben, sagte er.

Darüber hinter forderte er, dass Proportionalität bei der Bankenaufsicht in Europa künftig eine größere Rolle spielen soll. „Der Versuch, die Aufsichtspraxis zu harmonisieren, darf nicht dazu führen, dass nach gleichen Standards beaufsichtigt wird, was im Wesen ungleich ist.“ Ein kleines risikoarmes Institut müsse nicht so intensiv beaufsichtigt werden wie eine Großbank. Für kleine Institute, die nicht direkt von der EZB beaufsichtigt werden, müsse es im Rahmen des SREP-Prozesses beispielsweise geringere Anforderungen geben.

Die EZB ist seit knapp einem Jahr für die Aufsicht über die größten Banken der Euro-Zone zuständig. Die Institute werden von gemischten Aufsichtsteams kontrolliert, in denen auch Mitarbeiter der Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin sitzen. Die Zusammenarbeit laufe gut. Für die Länder sei es schwieriger geworden, ungerechtfertigte nationale Interessen durchzusetzen, erklärte Dombret. Dass nach so kurzer Zeit noch nicht alles perfekt laufe, sei normal.

Für verbesserungswürdig hält Dombret etwa die Praxis, dass die Ernennung von neuen Bank-Vorständen und Aufsichtsräten stets auf höchster Ebene abgesegnet werden muss. „Allein in diesem Jahr haben das Supervisory Board und im Nachgang der EZB-Rat 1247 solcher 'Fit-and-Proper'-Entscheidungen getroffen - und das ist nur ein kleiner Teil aller Entscheidungen, die getroffen werden müssen“, sagte Dombret. „Die EZB sieht diese Probleme, und sie arbeitet derzeit daran, sie zu lösen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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