Bankenaufsicht
Deutsche Bank könnte schärfere Kapitalregeln verkraften

Mit zwei bis drei Milliarden Euro müsste die Deutsche Bank ihr Kapital aufbessern, um den neuen Anforderungen der Bankenaufsicht zu genügen. Sie kann dies jedoch offenbar aus eigenen Mitteln bestreiten.
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FrankfurtDie Deutsche Bank braucht Finanzkreisen zufolge voraussichtlich zwei bis drei Milliarden Euro, um die nochmals verschärften Anforderungen der europäischen Bankenaufseher zu erfüllen. Das größte deutsche Geldhaus werde diesen Bedarf bis Mitte 2012 ausschließlich mit einbehaltenen Gewinnen und dem Abbau von Bilanzrisiken decken können, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. „Eine Kapitalerhöhung ist nicht nötig“, betonte der Insider. Es werde auch keine Einschränkungen in der Kreditvergabe geben. Die Bank habe ihre Kapitalplanungen bereits bei der nationalen Aufsichtsbehörde BaFin eingereicht. Das Institut äußerte sich nicht dazu.

Die europäische Bankenaufsicht Eba ermittelt derzeit den Kapitalbedarf der Institute in Europa - auf Basis einer Marktbewertung aller Euro-Staatsanleihen. Sie will das verlorengegangene Vertrauen in die Banken wiederherstellen, indem sie die 70 größten Institute Europas dazu zwingt, ihr hartes Kernkapital bis Juni 2012 einheitlich auf neun Prozent der risikogewichteten Aktiva aufzustocken.

Bisher schienen die 13 größten deutschen Banken glimpflich davongekommen zu sein. Im Oktober hatte die Eba noch positive Nachrichten verkündet, wonach nur vier der deutschen Banken ihr Kernkapital auf zusammen 5,2 Milliarden Euro aufstocken müssten. Für die Deutsche Bank hatten die Aufseher Reuters-Berechnungen zufolge einen Bedarf von 1,2 Milliarden Euro ermittelt.

Nun droht eine Verschärfung der Kriterien, nach denen die Kernkapitalquote berechnet wird. Die könnte zu einer starken Erhöhung des Kapitalbedarfs führen - vor allem bei deutschen Instituten.

So plant die Eba etwa, dass stille Reserven nicht mehr vollständig als Eigenkapital gewertet werden können. Zudem gilt laut einem Bericht der "Börsenzeitung" bereits als sicher, dass von den Instituten gehaltene Staatsanleihen nicht mehr wie bisher zu Preisen von Ende September, sondern zu Marktpreisen von Ende Juni angerechnet werden sollen. Allein das erhöhe schon den Kapitalbedarf.

Das heftigste für die deutschen Banken ist jedoch, dass sie ihre Buchgewinne aus Positionen von Staatsanleihen nur noch eingeschränkt verrechnen können sollen. Das dürfte sie sehr ärgern, erzielten sie doch dank steigender Kurse für deutsche Staatsanleihen derzeit besonders gute Buchgewinne. Vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Geldinstituten haben sie einen hohen Anteil von deutschen Staatsanleihen.

Vielen Geldinstituten, etwa der Commerzbank dürfte auch die neue Regel zu schaffen machen, nach der die schlechten Ergebnisse der Banken aus dem dritten Quartal in die Berechnungen mit einfließen sollen. Das Geldinstitut kommt auf Grundlage der restriktiveren Annahmen Finanzkreisen zufolge auf eine Kapitallücke von rund fünf Milliarden Euro.

Der genossenschaftlichen DZ Bank würde laut Finanzkreisen Kapital fehlen: Sie habe eine Lücke von rund 350 Millionen Euro ermittelt, sagte eine mit den Berechnungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Nach den vorläufigen Zahlen war die DZ Bank noch unter dem Radar der Aufseher durchgerutscht. In Finanzkreisen hieß es nun, das Institut gehe aber davon aus, den Bedarf durch Einbehaltung von Gewinnen in den nächsten sieben Monaten und den Abbau von Risikoaktiva in der Bilanz decken zu können. Die Bank äußerte sich dazu nicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Bankenaufsicht: Deutsche Bank könnte schärfere Kapitalregeln verkraften"

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  • Hübsche Meldung!
    Wie die wohl zustande gekommen ist?
    Das stinkt nach getürkter Pressemitteilung weil Mr. Ackermännchen sein Felle schwimmen sieht, so macht man Meinungen. Die Deutsche Bank existiert in spätestens 2 Jahren nicht mehr eher früher sogar. Da gehe ich jede Wette drauf ein und spekuliere deshalb darauf auch mit meinem ganzen Vermögen und das ist ja wohl mehr als sich mancher vorstellen kann.
    Mir macht es ein diebisches Vergnügen hier so etwas reinzuschreiben, denn es liest tatsächlich keiner WIRKLICH. Heimliche Übernahme mit Ansage! Hätte nicht gedacht, daß das möglich sei.

  • Die Deutsche Bank weist im Q3 Quartalsbericht Verbindlichkeiten von 2229 Milliarden Euro aus. Das Eigenkapital der Bank liegt bei etwa 2,5% dieser Summe. Die 2.3 fehlenden Milliarden wird man schon irgendwie zusammenflunkern.

  • Deutschland koennte sich nie leisten die Deutsche Bank pleite gehen zu lassen. Kapitalregeln spielen da wirklich keine Rolle.

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