Bankenaufspaltung
Trennung ist keine Lösung

Der Vorstoß des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, Banken aufzuspalten, trifft zwar den Nerv der Bevölkerung. Er ist aber nicht geeignet, das Finanzsystem auf eine solidere Basis zu stellen.
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Frankfurt/DüsseldorfDie Empörung bei den Straßenprotesten gegen den "Kasino-Kapitalismus" ist im Zentrum des politischen Establishments angekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt ausrichten, die Demonstrationen gegen die "Gier der Banker" artikulierten "ein berechtigtes Gerechtigkeitsverlangen der Menschen".

FDP-Generalsekretär Christian Lindner versichert, die Liberalen nähmen die Proteste sehr ernst. An die Spitze der Anti-Banken-Bewegung allerdings setzte sich SPD-Chef Sigmar Gabriel. Gegen den geballten Widerstand der europäischen Finanzlobby, so der deutsche Oppositionsführer, müssten die Institute aufgespalten werden - in Geschäftsbanken und Investmentbanken. Nur so könne durchgesetzt werden, dass die Banken, statt zu zocken, wieder zu "Dienern der Realwirtschaft" würden.

Mit diesem Vorstoß versucht Gabriel, frühzeitig ein wahlkampftaugliches Thema für die Sozialdemokraten zu besetzen. Und er trifft damit einen Nerv der Bürger. Wohl kaum ein Berufsstand ist im Jahr vier der Finanz- und im Jahr zwei der Euro-Krise derart umstritten wie der des Bankers. Waren nicht die Banken mit ihren Zockerpapieren namens Subprime Auslöser der großen Finanzkrise? Und sind es jetzt nicht wieder die Banken, die erneut die Stabilität des Finanzsystems gefährden, weil sie eine Abwertung der Anleihen hochverschuldeter Staaten nicht verkraften?

Gabriel, so viel steht fest, hat ein wichtiges Thema angesprochen. Das Problem: Sein Lösungsvorschlag trägt nicht. Nicht nur ökonomische Argumente sprechen gegen die strikte Trennung des Kreditgeschäfts vom Investment-Banking. Auch ein Blick in die Historie zeigt, dass eine simple Aufspaltung von Großbanken kaum Probleme löst, aber viele neue schafft.

In den USA beispielsweise kam es in den 80er-Jahren trotz des geltenden Trennbankensystems zu aufsehenerregenden Massenpleiten von Spar- und Darlehenskassen. US-Präsident Bill Clinton hob die strikte Trennung des Kreditgeschäfts und des Investment-Bankings deshalb 1999 wieder auf. Im Zuge der 2007 ausgebrochenen Finanzkrise führte die US-Regierung sie in abgemilderter Form wieder ein.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Bankenaufspaltung : Trennung ist keine Lösung"

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  • Wissen die Leserbriefschreiber, was Investmentbanking ist? Wollen sie, daß alle börsennotierten Unternehmen in D Ausländern gehören? Wir sind Ex-Exportweltmeister und nur 46% gehen in die EU. Die wenigsten Exporte dürften in € laufen; die Absicherung dieser Geschäfte geschieht mit Derivaten. Wenn sich ein Mittelständler an einer Aus-schreibung zB in den USA beteiligt, braucht er ein Derivat, das ihn dagegen schützt, den Auftrag zu einem USD-Wechselkurs zu bekommen, der vom kalkulierten abweicht. Und die beliebten 10 - 20 Jahren Festzinsen für den deutschen Häuslebauer sind auch nur über Derivate dar-stellbar. Etc.

  • Eine Vermischung hat uns nur Probleme bereinigt. Und die Zocker haben erst sich und dann unsere Wirtschaft abgezockt.

    ### Schmeißt die Zockerbaken vom Parket ####

  • Das ist grundsaetzlich richtig, aber das Steuergeld was eingesetzt wird zur Rettung der kommerziellen Banken ist das einzige Geld, was begruendet hergegeben werden kann. Die Hergabe von Steuergeld zur Rettung von Investmentbanken wuerde ein falsches Zeichen setzen. Es wuerde den Investmentbankern das Signal geben, wir sind auf dem richtigen Weg. Die Politik unterstuetzt uns!

    War es nicht so, als es in der Finanzkrise 2008 um die Boni ging?

    Es ist an der Zeit den Reset-Knopf zu betaetigen und zwar solange bis ein neuer Typus an Bankern nachgewachsen ist. Erinnern wir uns an das Gesicht mit dem Viktory-Zeichen. Wir haetten es bereits frueher erkennen koennen.

    Hat nicht gleicher Mann 25 % Rendite von seinen Mitarbeitern verlangt? Oeffentlich - wir haetten es erkennen muessen.

    Wird das Investmentbanking nicht als die Zockerbude in der Bank erkannt? Basiert deren Ergebnis nicht aus den Handelsgewinnen - der Differenz zwischen Kauf und Verkauf. Das bedeutet, dass dieser Teil der "Bank" nicht funktioniert, wenn es keine Preisschwankungen gibt. Anders ausgedrueckt, je volatiler, bewegter die Maerkte sind, um so besser funktioniert Investmentbanking. Und das soll gestuetzt werden.

    Gibt es da nicht eine Bank, deren Ergebnis zu 80% aus dem Investmentbanking kommen soll?

    Kein Cent aus Steuergeld!

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