Bankenmärkte
„Eine Phase der Renationalisierung“

Mehr und mehr sinkt die Verflechtung der Finanzkonzerne: Als Reaktion auf die Finanzkrise werden die Bankenmärkte in Europa wieder nationaler. Die Aufseher schauen bei Geldströmen genauer hin.
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Zu Hause ist es doch am schönsten. Ganz ähnlich sehen das offenbar viele Bankchefs derzeit. "Wir erleben eine Phase der Renationalisierung", sagte Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), am Mittwochabend in Frankfurt. Ganz freiwillig kommt diese Entwicklung allerdings nicht. Denn teilweise drängen die Finanzaufseher dazu. Teilweise haben Verluste in den Euro-Schuldenländern und die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone die Bankchefs umdenken lassen.

Die Finanzaufsicht schaue derzeit sehr genau hin, wenn es um die Liquiditätsströme von Bankkonzernen gehe, sagte Schmitz, der zugleich Chef des Düsseldorfer Bankhauses HSBC Trinkaus ist. Deutsche Töchter einer ausländischen Bank dürfen ihre Liquidität nur noch begrenzt an die ausländischen Mütter übertragen. Das gilt etwa für die Hypo-Vereinsbank und ihre Mailänder Mutter Unicredit, für die ING Diba und ihre niederländische Mutter und eben auch für HSBC Trinkaus.

Im Management der Unicredit ist man verärgert, dass man die fünf Milliarden Liquidität der Hypo-Vereinsbank in Deutschland lassen muss und nicht als Gruppe darüber verfügen kann. Damit sei man klar im Nachteil gegenüber US-Banken, die ihr Kapital von einem Land ins andere transferieren können, heißt es.

Auch in Griechenland, dem schlimmsten Krisengebiet Europas, lässt sich die Renationalisierung des Bankenmarktes sehr gut beobachten. Der mit internationalen Hilfsmitteln ausgestattete griechische Bankenrettungsfonds hat seine 18 Milliarden Euro an Kapitalhilfen auf die Banken im inländischen Besitz begrenzt. Betroffen davon ist unter anderem die französische Großbank Crédit Agricole mit ihrer griechischen Tochter Emporiki. Die soll nämlich vom Rettungsfonds ausgeschlossen bleiben. Derzeit wird darüber gestritten.

Auf der Hauptversammlung in dieser Woche erklärten Jean-Marie Sander und Jean-Paul Chifflet, Präsident und Generaldirektor von Crédit Agricole: "Wir haben unsere Forderung wiederholt, an der Refinanzierung durch die griechische Zentralbank über den Rettungsfonds beteiligt zu werden." Bisher vergebens. In französischen Medien heißt es jetzt, Crédit Agricole könnte nun dazu gezwungen sein, sich langsam aus Griechenland zurückzuziehen.

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  • wie jetzt...
    "Die Aufseher schauen bei Geldströmen genauer hin."

    heisst das, dass DIE die ganze Zeit nicht "genau" hingesehen haben? Und was bedeutet "genau" eigentlich genau in diesem Fall?

    Wie kann es in dieser Branche ein "weniger genau" geben?

    DIE lockern zuerst alle Regeln oder schaffen sie gar ab und dann wird nicht "umso genauer" hingesehen? Die <Entflechtung der Deutschland AG> hieß das doch damals. Mit schönen Bildern von freundlichen und lächelnden Schlipsträgern mit viel zu jungen Ehefrauen.

    wurden denn die Prüfer mal geprüft?

    Fakt ist - es wurden Billionen zugunsten einer sehr kleinen Gruppe verzockt und bis jetzt zieht die noch keine Institution zur Verantwortung.

    Versagen hier die Mainstream-Medien kläglich oder ist das vielleicht so gewollt?

    Ist das denn korrekt, dem Wullf über Monate die Hölle heiß zu machen wenn er sich ein paar Vorteile verschafft aber die Hochfinanz mit all ihrer Korruption als Leistungsträger darstellen?

    Ihr sitzt doch auch auf dem Ast der gerade abgesägt wird......man man man

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