Bankenpartnerschaft
Bayrisch-britisches Zweckbündnis

Banker aus München und London gehen eine ungewöhnliche Partnerschaft ein. Beide Institute gehen von einer Win-Win-Situation aus. Was es konkret zu gewinnen gibt, wollen die Beteiligten aber nicht verraten.

FrankfurtMünchen und London trennt mehr als nur der Weißwurst-Äquator: Der ehemalige bayrische Landesfürst Edmund Stoiber schwärmte zwar einst davon, dass man per Transrapid vom Münchener Hauptbahnhof in zehn Minuten den Flughafen erreichen könne – verglichen mit „Heathrow in London oder sonst wo“ sei das ja Rekordzeit. Aber der Transrapid wurde nie gebaut. So bleibt der Weg von München nach London weit und wird in erster Linie von britischen Oktoberfestbesuchern und wechselwilligen Fußballprofis des FC Bayern München frequentiert. Und dennoch gehen nun Banker aus London und München eine ungewöhnliche Partnerschaft ein: Am Donnerstag unterzeichneten die Bayerische Landesbank und die britische Großbank Standard Chartered einen Kooperationsvertrag. Beide Institute wollen deutsche Mittelständler bei der Handelsfinanzierung in Asien begleiten.

Die Idee dahinter: Standard Chartered unterhält in der Wachstumsregion Asien rund 800 Filialen. Die BayernLB, die zu 75 Prozent dem Land Bayern und zu 25 Prozent den bayrischen Sparkassen gehört, sieht sich dagegen bei deutschen Firmenkunden in einer guten Ausgangsstellung. So bringe die Kooperation für beide Seiten große Vorteile, erklärte Michael Bücker, Firmenkundenvorstand der BayernLB. „Gemeinsam mit Standard Chartered werden wir Mitbewerbern im Asien-Geschäft überlegen sein“. Unternehmen und Sparkassen könnten über die Bank künftig ihre Import- und Exportgeschäfte in Asien abwickeln. Die Briten hoffen dagegen auf Geschäfte mit deutschen Mittelständlern, die sonst wohl kaum mit ihnen Geschäfte machen würden. „Wir sind absolut komplementär", sagte Standard-Chartered-Deutschlandchef Heinz Hilger.

Beide Banken hoffen, gemeinsam neue Kunden zu gewinnen. Sie bieten Firmen etwa so genannte Akkreditive an – das sind Zahlungsversprechen, mit denen Ex- oder Importe abgesichert werden können. Nur wer die Ware liefert, bekommt das Geld. Auch bei der Übernahme von Risiken oder der Besicherung durch Garantien wollen beide Banken zusammenarbeiten. Das dürfte sich auch für die beiden Institute lohnen, deren Vertreter von einer „klassischen Win-Win-Situation“ schwärmen. Was es dabei konkret zu gewinnen gibt, wollten die Beteiligten aber nicht verraten. „Wir haben uns keine konkreten Zahlen zum Ziel gesetzt“, sagt Bayern-LB-Vorstand Bücker.

Die BayernLB war in der Finanzkrise vom Staat gerettet worden. Wegen des laufenden EU-Beihilfeverfahrens darf sie selbst keine Niederlassungen in Asien eröffnen. Aber das rechne sich ohnehin nicht, sagt Firmenkunden-Vorstand Bücker: „Eine Filiale in China hilft uns nicht weiter“. Wichtig sei vielmehr das Netzwerk zu den Kunden vor Ort – und genau damit könne Standard Chartered punkten.

Doch die Briten haben auch eigene Sorgen: Das Institut steckt mitten im Umbau, die Geschäfte laufen mehr schlecht als recht. „Wir haben eine stärkere Bilanz“, sagte Vorstandschef Bill Winters bei der Vorstellung der jüngsten Quartalsergebnisse, doch Erlöse und Ergebnis seien „noch nicht akzeptabel“. Im dritten Quartal hatte die Großbank vor Steuern umgerechnet nur rund 420 Millionen Euro verdient.

Die Bayern sind nicht die einzigen Landesbanker, die auf internationale Kooperationen setzen: Schon 2014 unterzeichneten die Helaba und die Gruppe der 25 größten Sparkassen in Deutschland eine Kooperation mit der amerikanischen Bank BNY Mellon. Auch bei der deutsch-amerikanischen Partnerschaft geht es darum, das Geschäft mit Mittelständlern in Asien auszubauen.

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