Bankenregulierung

Aufseher kommen Banken entgegen

Seit Monaten streiten europäische und US-Bankenregulierer darüber, wie viel Eigenkapital die weltweiten Institute zur Seite legen müssen, um ihre Kredit- und übrigen Geschäfte abzusichern. Eine Lösung rückt immer näher.
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Europäische Bankenaufseher haben die Befürchtung, dass die neuen Regeln die Institute in der EU benachteiligen würden. Quelle: dpa
Blick auf das Frankfurter Bankenviertel

Europäische Bankenaufseher haben die Befürchtung, dass die neuen Regeln die Institute in der EU benachteiligen würden.

(Foto: dpa)

Frankfurt/LondonDie Kritik aus Europa an geplanten Kapitalregeln für Geldhäuser weltweit zeigt offenbar Wirkung. Der Einsatz interner Modelle, mit denen Großbanken berechnen, wie viel Eigenkapital sie für Kredite und andere Geschäfte zur Seite legen müssen, soll auf Druck der USA zwar eingeschränkt werden. Entsprechende Untergrenzen sollen jedoch erst in den Jahren 2021 bis 2025 schrittweise eingeführt werden, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Auch für Immobilienkredite und Spezialfinanzierungen soll es – wie von Deutschland gefordert – deutliche Erleichterungen geben. Zuerst hatte darüber die „Börsen-Zeitung“ berichtet.

Der Streit zwischen Amerika und Europa über das neue Regelwerk, das in der Branche „Basel IV“ genannt wird, zieht sich schon lange hin. Europäische Bankenaufseher hatten die Befürchtung, dass Institute in der EU dadurch benachteiligt werden – Kapitalanforderungen für Großbanken wie die Deutsche Bank könnten deutlich steigen. Bei einem Treffen Ende November in Santiago de Chile konnte sich der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht nicht wie ursprünglich geplant einigen, er hofft jedoch auf eine Verständigung bis Januar.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
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Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
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Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
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James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
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Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
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Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

Das Papier, aus dem die „Börsen-Zeitung“ zitiert, gebe den Stand der Verhandlungen nach dem Treffen in Chile wider, sagten mehrere Insider. Demnach dürfen die Eigenkapitalanforderungen an Banken durch den Einsatz interner Modelle maximal auf 75 Prozent dessen sinken, was Geldhäuser bei Geschäften standardmäßig zur Seite legen müssen. Mehrere deutsche Banken haben betont, dass es für sie ab einem sogenannten Output-Floor von 70 Prozent schmerzhaft würde. Bei großzügigen Übergangsfristen könne man jedoch auch mit einem etwas höheren Floor leben.

Wichtige Fragen weiterhin offen

Verhandlungsteilnehmer und die deutsche Finanzaufsicht Bafin machten deutlich, dass es nach wie vor keine Einigung gibt. Die Bafin verwies auf Äußerungen von Stefan Ingves, dem Vorsitzende des Baseler Ausschusses. „Wie der Vorsitzende des Baseler Ausschusses bereits nach den Verhandlungen in Santiago mitgeteilt hat, gab es in wichtigen Punkten substanzielle Fortschritte, aber noch keine vollständige Einigung.“ Wichtige Fragen seien nach wie vor offen.

Bei der maximalen Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von Geldhäusern zeichnet sich Insidern zufolge eine Lösung ab. Global systemrelevante Banken sollen hier einen Zuschlag erhalten, der 50 Prozent des Aufschlags bei der Kernkapitalquote entspricht. Die Deutsche Bank müsste damit ab 2020 eine Leverage Ratio von vier Prozent erfüllen. Für andere Geldhäuser liegt die Untergrenze bei drei Prozent.

  • rtr
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