Bankenregulierung
Die übertriebene Angst der Banker

Mit strengeren Regeln will die Politik künftige Krisen verhindern. Die Banker fühlen sich von den neuen Vorgaben drangsaliert. Dabei haben sie persönlich nur selten etwas zu befürchten.
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DüsseldorfAm Ende stand wieder einmal ein Freispruch. Obwohl sie dem Steuerzahler einen Milliardenschaden eingebrockt hatten, wurde Mitte Juli der komplette ehemalige Vorstand der HSH Nordbank um den früheren Finanzchef Dirk Jens Nonnenmacher vor dem Landgericht Hamburg vom Vorwurf der Untreue freigesprochen. Es war der erste Prozess gegen einen kompletten deutschen Bankvorstand, der wegen der Finanzkrise geführt wurde, doch er endete wie die meisten anderen Prozesse wegen Untreue gegen Topbanker: ohne Verurteilung. Dabei hatte die Staatsanwaltschaft den Bankern attestiert, sie hätten den Angaben der Fachabteilungen „im Blindflug“ vertraut und nach „Frühstücksdirektoren-Art“ unterschrieben.

Am Ende des Prozesses stellten sich viele Beobachter die Frage, warum Banker so selten persönlich für Schäden haftbar gemacht werden, die sie verursachen. Ein Frage, die in der Finanzkrise und vor dem Hintergrund von Milliardenrettungen neue Brisanz gewonnen hat. Um Fehlverhalten und damit künftige Krisen im Vorfeld zu verhindern, drängen viele Politiker auf eine schärfere Regulierung der Finanzbranche – und wollen auch die Banker persönlich stärker in die Pflicht nehmen. Das ist die eine Seite der Diskussion.

Auf der anderen stehen die Banker, die sich heute zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlen. Die Vorstände sehen die hohen Kosten, die ihnen immer neue Regulierungen bescheren. Aber auch die mittlere Führungsebene fühlt sich drangsaliert. Ein Anlageberater, der seinen Namen lieber nicht in diesem Artikel lesen möchte, spricht es offen aus: „Statt zu beraten, verbringe ich ein Drittel meiner Zeit mit der Rechtsabteilung, um mich juristisch abzusichern.“ Die Wut über die Regulierung wächst.

Zuletzt wetterte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, im Handelsblatt: „Ich behaupte, dass angesichts der Vielzahl von Maßnahmen die Übersicht verloren gegangen ist. Bei den Gesetzgebern, den Betroffenen und wohl auch bei den Aufsehern.“

Die Sparkassen sind nicht allein, auch bei den Großbanken wächst die Kritik. HSBC-Chef Stuart Gulliver sieht sich durch die zunehmende Regulierung im Bankensektor drangsaliert. Seine Mitarbeiter würden kein Risiko mehr eingehen – aus Angst vor Bußgeldern. Ein Spitzenbanker seines Instituts hatte zuletzt aus Protest gegen die Regulierung sogar ganz hingeschmissen.

Denn die britischen Banker sollen ab dem neuen Jahr auch persönlich stärker in die Pflicht genommen werden. Ab Januar 2015 will die britische Bankenaufsicht neue Vorschriften auf den Weg bringen. Wer grob fahrlässig handelt, muss dann sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Die Beweislast soll mit den neuen Regeln umgekehrt werden. Die Topmanager müssen dann beweisen, dass sie Verstöße aktiv verhindern wollten.

Kommentare zu " Bankenregulierung: Die übertriebene Angst der Banker"

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  • "Dabei haben sie persönlich nur selten etwas zu befürchten."
    Und genau das ist das Problem. Die Seilschaften aus Politik und Bankern stehlen jaehrlich vom Volk Milliarden ohne das jemals jemand dafuer persoenlich zur Rechenschaft gezogen wird.

  • Banken haben schwere Fehler gemacht, zweifelsohne. Die Frage ist nur wie es dazu kommen konnte? Ja ich weiß, Deregulierung usw.. Stimmt. Aber nur auf den ersten Blick.
    Sind es nicht auch die Staaten selbst, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, indem sie bestrebt waren, ihre Anleihen an den Mann zu bringen, oder besser gesagt, an die Bank, damit Gelder für Investitionen vorhanden waren/sind? Grds. nichts verwerfliches, nur wenn Staaten weniger einnehmen als sie ausgeben, der Verschuldungsgrad im Verhältnis zum BIP immer weiter steigt und genau diese Staaten eine Erwartungshaltung an die Banken/Versicherungen entwickelt haben, bitte schön ihre Anleihen, die sich teilweise zu Schrott entwickelt haben trotzdem zu kaufen, darf man sich nicht wundern wenn Banken sich wiederum absichern und diesen Schrott mit gesunden Papieren mischen und als verbriefte Verbriefungen auf den Markt werfen und noch fette Zinsen als Risikoausgleich kassieren.
    Warum haben Politiker eine Erwartungshaltung an Banken entwickelt, bitte schön Anleihen, auch Junkbonds, zu kaufen? Wollen diese Politiker nicht wiederum die Erwartungshaltung der eigenen Bevölkerung befriedigt sehen, in sozialen Wohltaten und "panem et circenses", gebadet zu werden, was aber eine Menge Geld kostet? Politiker wollen wiedergewählt werden, also geben sie dem Volk "panem et circenses", wohlwissend, dass es nur über höhere Schulden funktioniert.
    Jeder Bürger sollte sich mal an die eigene Nase fassen und sich fragen was er zu leisten imstande ist, bevor er nach "mehr Staat" schreit.
    Angefangen bei Krediten zur Konsumfinanzierung, dem "Känguru-Urlaub (große Sprünge, nix im Beutel)", ganz allgemein dem Leben auf Pump.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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