Bankenregulierung
Regionalbanken fürchten Kreditklemme

Ein gemeinsamer Feind eint auch Konkurrenten: Die Sparkassen und Volksbanken wollen nicht für die Fehler der großen Institute büßen und fürchten bei schärferen Regulierungen eine Kreditklemme.
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MünchenDie eigentlich konkurrierenden Sparkassen und Volksbanken verbrüdern sich gegen die privaten Groß- und Investmentbanken. Die schärfere Regulierung der Branche dürfe nicht auf alle Institute gleich angewendet werden, sonst würden Privatkunden und Mittelstand unnötig belastet und die Kreditversorgung in Gefahr geraten, warnten die bayerischen Verbandschefs der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken.

„Es trifft die Falschen“, sagte Stephan Götzl von den genossenschaftlichen Volksbanken. Verursacht hätten die Finanzkrise schließlich die großen, kapitalmarktnahen Banken. Seiner Schätzung zufolge müssten, sobald schärfere Regeln für alle Banken eingeführt werden, Sparkassen 30 Prozent und Volksbanken 50 Prozent mehr Eigenkapital für gängige Kredite zurücklegen. Das führe zwangsläufig zu einer Verteuerung. „Und wir sagen: Wenn ihr das macht, gibt es eine Kreditklemme.“

Theo Zellner, Sparkassen-Präsident im Freistaat, ergänzte, es könnten nicht alle Geldhäuser über einen Kamm geschoren werden. Es wäre ein Fehler, wenn spekulative Griechenland-Anleihen mit gleich viel Eigenkapital wie Mittelstandskredite abgesichert werden müssten. „Da läuft etwas schief.“ Differenziert werden müsse, wer die Krise verursacht habe und wer in der Krise durch flächendeckende Darlehen eine Notlage bei der Geldversorgung verhindert hätte. „Wir müssen aufpassen, dass am Ende nicht der Mittelstand die Zeche zahlt.“

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EU will alle Banken einschließen

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  • Vielleicht lesen Sie den Artikel noch einmal genauer. :-)

    Es geht nicht darum, was Sparkassen und Volksbanken dürfen. Sie warnen lediglich davor, wer am Ende der Dumme ist bei Einführung des zurzeit von der EU-Kommission vorgestellten Entwurfs: Der "Normalkunde" und die mittelständischen Unternehmen.

    Basel III schränkt nämlich genau das originäre Bankgeschäft extrem ein, während die Geschäfte, die ursächlich für die letzte Krise waren, weiterhin wenig bis gar nicht reguliert werden.

    Sprich erst durfte der Bürger als Steuerzahler zahlen, um Verluste großer Zockerbuden auszugleichen. Dann kommt Basel III und der Bürger muss als Kunde wieder bezahlen, in dem sich durch die Basel III-Vorgaben der verfügbare Kreditvergabespielraum verknappt und Kredite sich dadurch verteuern. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Deutsche Bank und Co. ihr Geld aus dem Spielcasino herausholt, um es dann für mickrige 0,5 bis 1% einem Häuslebauer als Hypothek zu leihen.

    Die Amerikaner haben dieses Problem erkannt und setzen für die regionalen Banken Basel III auch gar nicht erst um, aber wir Europäer wissen es ja besser. Wir machen lieber 2 Säulen der Kreditwirtschaft kaputt um dann in ein paar Jahren englische Verhältnisse zu haben.

  • Einverstanden.
    Dann wird den Sparkassen und Volksbanken (oder anderen kleinen lokalen Banken) aber auch jedes, auch das kleinste, "kapitalmarktnahe" Geschäft verboten. Das schließt dann den Handel von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren - auch im Kundenauftrag - mit ein.
    Oder die Refinanzierung über eine Anleihe, die Verbriefung von Krediten, die Teilnahme an Kreditsyndizierungen, etc.
    Ach ja, und wenn Staatsanleihen als Geldanlage grundsätzlich verboten sind, dann gilt das natürlich auch für die deutschen von Bund, Ländern oder Gemeinden.

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