Bankenunion
Immer auf die Kleinen

Nicht nur die großen, auch die kleinen trifft es: Sparkasse, Apotheker-Bank, Rentenbank – sie alle werden von der Europäischen Zentralbank durchleuchtet. Doch manchmal scheitert der Bilanz-TÜV an Verständigungsproblemen.
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DüsseldorfDie Aufgabe ist gewaltig: 1400 Datenpunkte fragt die Europäische Zentralbank (EZB) von 128 europäischen Banken ab. Die Geldhäuser müssen Berge an Informationen über Kredite oder Wertpapiergeschäfte zusammentragen. So manchem Mitarbeiter der Rechnungslegung drohen lange Arbeitstage. Denn die EZB prüft aufwendig die Finanzkraft der Kreditinstitute. Die Notenbanker wollen die Krisenfestigkeit von Europas Finanzsektor testen, bevor sie im Rahmen der Bankenunion 2014 die Aufsicht über die Banken übernehmen.

Doch die groß angelegte Prüfung birgt Tücken. Zum Teil sind die genauen Standards noch gar nicht gesetzt, auf die der Bilanz-TÜV aufbauen soll. Und neben den global agierenden Akteuren wie Deutsche Bank, Société Générale oder Unicredit nehmen die Notenbanker auch Spezialinstitute und regionale Geldhäuser unter die Lupe. In manchen dieser Fälle prallen europäische Ansprüche und nationale Gepflogenheiten aufeinander.

So bekommen neben den hiesigen Branchenführern Deutsche und Commerzbank und den Landesbanken auch kleinere Häuser wie die Hamburger Sparkasse (Haspa), die Ärzte- und Apothekerbank (Apobank), die Landwirtschaftliche Rentenbank oder die IKB Post von der EZB. Insgesamt sind es 24 deutsche Banken.

Das Interesse der EZB überraschte einige dieser Institute – und so mancher Banker stöhnt über die Last der immensen Datenabfragen. „Die Teilnahme kam für die IKB unerwartet und löst komplexe Steuerungsprobleme sowie einen erheblichen Aufwand und damit Kosten aus“, erklärte das krisengebeutelte Institut jüngst bei der Bilanzvorlage. Die Aufwendungen fielen überproportional ins Gewicht – die IKB die kleinste deutsche Bank, die teilnimmt. Zuvor hatte bereits die Hamburger Sparkasse über die Last geklagt. Die Sparkasse habe nun erhebliche „und für uns völlig neue Anforderungen“ zu erfüllen. Dies binde „ganz erhebliche Ressourcen“.

Im kommenden Jahr fallen Banken ab einer Bilanzsumme von 30 Milliarden Euro unter die Aufsicht der Europäischen Zentralbank. Die Haspa mit zuletzt 36 Milliarden Euro fällt da klar hinein. Doch bei Ihrer Vorabprüfung schaut sich die EZB auch Grenzfälle an – und somit etwa auch die IKB mit einer Bilanzsumme von rund 26 Milliarden Euro. Die Sparkasse Köln Bonn entkam trotz ihrer Größe der Aufsicht.

Neben der hohen Arbeitslast liegt die Tücke auch im Detail der Regeln. So geht die EZB grundsätzlich davon aus, dass die Geldhäuser die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS bei ihrer Bilanzierung anwenden. Doch das praktizieren längst nicht alle Häuser so. Denn wie ein deutsches Unternehmen seine Bilanz aufstellt, ist ihm selbst überlassen. Einige erstellen ihre Jahresabschlüsse immer noch nach den nationalen Regeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) und bedienen sich natürlich der deutschen Sprache, was für die internationalen Kontrolleure eher ein Hindernis ist.

Kommentare zu " Bankenunion: Immer auf die Kleinen"

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  • Die EZB kann durch ihre Geldflutung warten, bis man in Brüssel den neuzeitlichen Positivismus verstanden hat. so lange kein 18. Mitglied im EZB-Direktorium sitzt, wird auf Brüsseler Ebene ausschließlich um Vorteile gerungen werden, ohne Sachebene zu beachten: Das betrifft die Wirtschaftsminister genauso wie die Außenminister. Das betrifft die Finanzminister genauso wie die 150 europäischen Banken. Das betrifft Black Rock in der Globalisierung genauso wie französische oder deutsche Banken. Statt den Staatsanleihen-Kauf zu stoppen, und Alternativen für gute Aktiva zu entwickeln, regiert Goldman Sachs

  • Wie es um diese desolaten Prüfmethoden, im Rahmen
    einer 'Bankenunion', aussieht kann man in dem Artikel
    des EU-Observers: Troika consultancies - a multi -
    million euro business beyond srutiny - nachlesen,
    wo jetzt schon feststehen dürfte, daß bei einer Ver-
    schuldung des europäischen Bankensystems von 30 Bil-
    lionen Euros dieses ganze Procedere ein Farce mit einer
    Verlängerung des betrügerischen Bankrotts des europ.
    Bankensystems, mit dem finanziellen Ruin der BRD, sein
    dürfte.

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