Bankenverband
Amtsantritt in Alarmstimmung

Der neue Präsident des Internationalen Bankenverbandes schlägt Alarm. Immense Herausforderungen warten auf die Branche. Bei einem Abwicklungsplan für marode Institute geht der Verband auf die Politik zu.
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Bleibt Griechenland im Euro oder kommt der "Grexit", der Austritt aus der Gemeinschaftswährung? Kann Spanien seine maroden Banken aus eigener Kraft retten oder braucht es doch die Hilfe der europäischen Partner? Die Euro-Schuldenkrise kommt mit voller Wucht zurück und dominiert die diesjährige Frühjahrstagung des Internationalen Bankenverbandes IIF.

Die internationalen Großbanken dringen auf eine stärkere Zusammenarbeit der Staaten bei der Abwicklung von Krisenbanken, die das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringen könnten. Die Geldhäuser seien bereit, ihr "Testament" zu machen, wünschten sich aber weniger nationale Alleingänge, sagte der neue Präsident des Weltbankenverbandes (IIF), Douglas Flint, am Donnerstag auf der Frühjahrstagung der Lobby-Gruppe in Kopenhagen. Andererseits bremst der IIF bei der von der EU-Kommission angeregten Bankenunion als ein Baustein zur Lösung der Euro-Schuldenkrise.

So lange jeder darunter etwas anderes verstehe, sei das Projekt nicht realistisch, sagte Flint. Und auch bei den Kapitalauflagen mahnen die Banken zu einer "Pause", wie Flint betonte. Viele Institute seien zur Schrumpfung ihrer Bilanzen gezwungen, das führe zum Rückzug auf den Heimatmarkt und einer Fragmentierung des globalen Finanzsystems.

Flint, im Hauptberuf Chairman bei der britischen Großbank HSBC, nutzte das Frühjahrstreffen, um sich vor den Beratungen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Mexiko am 18. und 19. Juni in Mexiko in Stellung zu bringen. Die globalen Finanzmärkte warteten gespannt darauf, ob es den G20 gelinge, gemeinsame Antworten auf die drängenden Probleme der Staaten und Banken zu finden. "Wir möchten uns an diesem Dialog beteiligen."

"Die Herausforderungen, die vor uns liegen, sind immens", sagte Flint weiter. Die Finanzbranche sei bereit, gemeinsam mit der europäischen Politik an einer Lösung zu arbeiten. Die Überlegungen, auf dem Kontinent über eine Fiskal- und Bankenunion enger zusammenzurücken, seien im Grundsatz richtig. Europa brauche ein stärkeres gemeinsames Regelwerk. Flint hatte am Vorabend die Führung der mächtigen Lobby-Gruppe vom Ex-Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, übernommen.

Der Weltbankenverband (IIF) unterstützt die Bemühungen der Regulierer um einen "Abwicklungsplan" für Großbanken im Krisenfall. Eine der wichtigsten Lektionen aus der Finanzkrise und dem Kollaps von Lehman Brothers sei, dass systemrelevante Geldhäuser zusammenbrechen könnten und es für diesen Fall einen international abgestimmten und schnell greifenden Fahrplan geben müsse, der den Steuerzahler schone. "Wir glauben, dass mit der Entschlossenheit der nationalen Aufseher und der Kooperation der Finanzinstitute ein effektives System geschaffen werden kann", betonte Flint. Entsprechende Vorschläge des Finanzstabilitätsrats (FSB) sollten schnellstmöglich umgesetzt werden. Der IIF vertritt mehr als 450 Finanzinstitute weltweit.

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Amtsantritt in Alarmstimmung

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Signal an G20

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  • Dieses reflexartige Angstgeheul um "unser deutsches Geld", hilft nicht wirklich. Dazu muß man sich die eigenen Politiker wenden, die den Ausverkauf mit ihren hohen Staatsschulden, mehr als andere Länder übrigens, vorantreiben. Diese "gewähren" den Banken mit einer Schuldenaufnahme für die Zinsen, nicht für die Tilgung, immer wieder neue Argumente, um "gerettet" zu werden.
    Man muß nur mal diese Gewinne hochrechnen, dann kommt man vielleicht drauf, wo das Geld bleibt. Und dann dadurch an den "Märkten" verbrannt werden kann.
    Bankengeld ist nicht deutsch, sondern International, egal ob mit oder ohne Euro.

  • "Die Geldhäuser seien bereit, ihr "Testament" zu machen, wünschten sich aber weniger nationale Alleingänge, sagte der neue Präsident des Weltbankenverbandes (IIF), Douglas Flint, am Donnerstag auf der Frühjahrstagung der Lobby-Gruppe in Kopenhagen."

    Ein Testament macht bekanntlich der, der seinen Nachlass regelt.

    Ob es schon soweit ist?

    Erstaunlich wie leicht der Mann dies ausspricht, hatte doch Ackermann noch immer behauptet, dass die Probleme im öffentlichen Sektor seien und er sich schämen würde, öffentliches Geld anzunehmen. Ackermann hat wohl nicht mehr gemerkt, was um ihn herum los war.

    Da hat doch offensichtlich Herr Ackermann uns viel "vorgemacht".

  • Bisher wollten nur unsere "befreundeten" EU-Staaten uns "ausnehmen wie eine Weihnachtsgans".
    Jetzt treten die Banken mit ihren Lobbyisten quasi als eigener Staat auf der frech deutsches Geld fordert - siehe Spanien.
    Und eine Mitspracherecht für das Geld scheidet natürlich aus, das verbietet schon der Stolz.


    ALLE wissen doch dass die FPIIGS-Staaten und die FPIIGS-Banken NIEMALS ihre Schulden zurückzahlen werden / können / wollen.

    Wenn man daher von "Garantien geben" oder "Haftung übernehmen" redet heißt das in Realität "verschenken" - und das nicht nur für Altschulden, sondern auch für alle künftigen Schulden.

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