Bankenverband
Bankengeschäftsführer hält EZB-Vorgabe für „ein bisserl fadenscheinig“

Eigentlich kämpft die Europäische Zentralbank für Transparenz bei Banken. Doch die von ihr festgesetzten individuellen Kapitalvorgaben für Banken sollen geheim bleiben. Dabei würden die Banken sie gerne veröffentlichen.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) neigt in manchen Dingen zu Geheimniskrämerei. In der Bankenaufsicht zum Beispiel schreibt sie allen 129 von ihr direkt kontrollierten Banken vor, wie dick ihre Eigenkapitalpolster sein müssen. Die Vorgabe ist für jede Bank unterschiedlich und oft ist sie deutlich höher als das gesetzliche Minimum. Darüber reden, wie hoch diese individuelle Vorgabe ist, sollen die Banken aber nicht.

Diese Regeln für den Kapitalaufschlag, im Fachjargon SREP genannt, hält der Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbands BdB, Michael Kemmer, für falsch. „Wir würden es begrüßen, wenn die SREP-Quoten veröffentlicht werden“, sagte Kemmer am Montag vor Journalisten. „Meine persönliche Meinung ist, dass mehr Transparenz zu begrüßen wäre.“

Bislang hält die EZB dagegen. „SREP-Entscheidungen sollen nicht veröffentlicht werden, es sei denn es gibt andere, gesetzliche Veröffentlichungspflichten für die Institute“, sagte eine EZB-Sprecherin. Die Notenbank befürchtet, dass manche Bank unter Rechtfertigungsdruck geraten würde, wenn sie eine besonders hohe Quote aufgebrummt bekäme. Das könnte dann Investoren nervös machen.

Doch von solchen Argumenten hält Kemmer aber nicht viel. „Das Argument der Transparenz wiegt stärker“, sagt er. Ohnehin würden Banken ja längst einer „wahnwitzigen Internetpublizität“ unterliegen und ohnehin enorm viele Details veröffentlichen müssen. „Da erscheinen mir die Argumente der EZB ein bisserl fadenscheinig“, so Kemmer.

Mit seiner Kritik steht der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken nicht alleine da. Auch die Londoner Bankenaufsichtsbehörde EBA, die für Aufsichtsstandards in der Europäischen Union zuständig ist, spricht sich für mehr Offenheit aus. Die zuständigen Bankenaufseher „sollten verlangen oder zumindest nicht verhindern, dass ein Institut diese Information veröffentlicht“, heißt es in einer Stellungnahme der EBA von Ende Dezember.

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