Bankenverband
Commerzbank-Chef Blessing erzürnt seine Kollegen

Der Commerzbank-Chef verlässt das Führungsgremium des Bankenverbands BdB, um sich stärker international zu engagieren. Seine Kollegen reagieren pikiert. Für eine Großbank ist der Schritt äußerst ungewöhnlich.
  • 8

FrankfurtDer Vorstand des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) möchte ein mächtiges Gremium sein. Und deshalb entsenden alle Banken, die Mitglied dieses Führungszirkels sind, auch immer ihre Vorstandssprecher dorthin. Alle Banken? Nicht ganz. Ausgerechnet Martin Blessing, der Chef der Commerzbank, der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank, bricht mit dieser Regel und schickt künftig seinen Mittelstandsvorstand Markus Beumer in die BdB-Spitze.

Die Nachricht, die der Verband am Mittwoch versandte, traf die meisten Mitglieder ziemlich unvorbereitet. „Nichts hat darauf hingedeutet“, sagt einer. Und auch am Tag danach ist das Rätselraten über die Motive der Bank, die am Frankfurter Kaiserplatz residiert, groß. Der Schritt ist ungewöhnlich. Es kommt fast nie vor, dass eine Bank einen einfachen Vorstand in das Spitzengremium des BdB entsendet, erst recht keine Großbank. Detlef Bierbaum, persönlich haftender Gesellschafter von Sal. Oppenheim, gehörte zu den raren Ausnahmen.

Offiziell reagiert der Verband staatstragend. „Martin Blessing hat uns in den vergangenen Jahren aktiv unterstützt, wir haben sehr gern mit ihm im Vorstand gearbeitet“, sagt Andreas Schmitz, der Präsident des BdB und Chef von HSBC Trinkaus & Burkhardt. „Ich freue mich, dass Markus Beumer, den wir als Vorsitzenden des Ausschusses für Unternehmensfinanzierung schon gut kennen, künftig im Vorstand mitarbeiten wird.“

Doch unter dem Deckel brodelt es. Namentlich zitieren lassen, will sich keiner. Doch bei einigen BdB-Kollegen kam die Nachricht ähnlich schlecht an wie die Kapitalerhöhung der Commerzbank bei ihren Aktionären. Im Vorstand des BdB hieß es, der Schritt habe durchaus für „Irritationen“ gesorgt.

Das gilt auch für die Begründung, Blessing wolle sich stärker auf seine Arbeit im Vorstand des internationalen Weltbankenverbandes IIF konzentrieren. Blessing schreibe sich auf die Fahne, eine große deutsche Bank mit klarem Fokus in Deutschland aufbauen zu wollen, und reduziere die internationale Präsenz seiner Bank, sagt einer. „Und gleichzeitig zieht er sich von seinem nationalen Verbandsmandat zurück, um sich auf ein internationales Mandat zu konzentrieren. Das ist wenig glaubwürdig“, so ein Mitglied.

Seite 1:

Commerzbank-Chef Blessing erzürnt seine Kollegen

Seite 2:

„So groß ist die Arbeitsbelastung nun auch wieder nicht“

Kommentare zu " Bankenverband: Commerzbank-Chef Blessing erzürnt seine Kollegen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es sei einmal dahin gestellt, ob eine Commerzbank mit soviel öffentlichem Geld bei dem BdB oder sachlich korrekter beim Verband der öffentlichen Banken aufgestellt ist.

    Von der Seite ist der Schritt von Blessing überfällig, wenn auch noch eher halbherzig.

  • Vermute, er hat erkannt, dass dieses nationale Verbandsgemauschele außer Spesen und unnötig Ärger nichts einbringt.
    Glaube, das war ein logischer und folgerichtiger Schritt.
    International spielt letztlich die Musik, dort werden die Milliardenpakete verjuxt.

  • Vielleicht wird sein Gehalt beim neuen Job nicht mehr gedeckelt sein. Ein wichtiger Anreiz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%