Banker-Karriere
„Ich habe aus den Augen verloren, was richtig ist“

Rohit Bansal wechselte von der US-Notenbank Fed zu Goldman Sachs. Dort verlor er – wie er selbst zugibt – seine Maßstäbe. Was ihm schließlich zum Verhängnis wurde. Den Beruf als Banker wird er nicht mehr ausüben können.

New YorkRohit Bansal muss eine Geldstrafe von 5000 Dollar zahlen. Das sollte für einen ehemaligen Mitarbeiter von Goldman Sachs zu schaffen sein. Dem Gefängnis ist er entronnen. Aber er hat eine zweijährige Bewährungszeit und muss 300 Sozialstunden leisten. Außerdem hat er schon bei seinem Schuldeingeständnis im vergangenen Herbst zugestimmt, dass er für immer von seinem Beruf als Banker Abschied nehmen muss.

Bansals Fall ist ein Lehrstück. Der 30-Jährige war ein typisches Beispiel für die sogenannte Drehtür, den Karriere-Wechsel vom öffentlichen Dienst in die private Welt der Banken oder umgekehrt. Es gibt zahlreiche prominente Beispiele dafür, wie etwa Hank Paulson, der erst Goldman-Chef und dann US-Finanzminister wurde.

Aber die Drehtür findet auch auf niedrigen Karrierestufen statt. Die Gefahr dabei ist immer, dass die Karriere-Wechsler ihre Rollen durcheinander bringen. Ob nun bewusst oder unbewusst. Bansal bekannte im Gerichtsverfahren, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt: „Während meiner kurzen Zeit bei Goldman Sachs habe ich wirklich aus den Augen verloren, was richtig ist.“

Bansal hielt Kontakt zu einem früheren Kollegen bei der Fed New York, wo er früher gearbeitet hatte. Diese Niederlassung der US-Notenbank ist für die Aufsicht über die großen Geldhäuser in New York zuständig, also auch für Goldman Sachs. Bansal bekam interne Dokumente zugespielt und gab sie weiter. Auch wenn nicht bekannt ist, ob dadurch ein großer Schaden entstand, ist der Vorgang an sich ein Skandal. Es handelt sich genau um die Art von Drehtür-Effekt, die es nicht geben darf.

Hinzu kommt, dass die Fed New York sich ohnehin bereits mit dem Vorwurf auseinandersetzen musste, Goldman zu weich anzufassen. Eine ehemalige Mitarbeiterin hatte behauptet, sie sei dort gefeuert worden, weil sie mit dieser Art von Umgang nicht einverstanden war. Die Fed hat das bestritten. Aber deren Chef Bill Dudley musste sich von der Senatorin Elizabeth Warren harte Kritik anhören. Sie drohte ihm indirekt sogar an, auf seine Ablösung hin zu arbeiten, wenn er nicht strenger mit den Banken umginge. Vor kurzem ist Dudley aber in seinem Amt bestätigt worden.

Der Fall Bansal flog auf. Goldman feuerte ihn und einen Vorgesetzten, der nicht durchgegriffen hatte. Außerdem musste die Bank, die sich zu dem Fall nicht äußern will, im Herbst 50 Millionen Dollar Strafe zahlen. Die Fed feuerte den Kumpel, der Bansal die Papiere ausgehändigt hatte.

Der Richter fand den Fall Bansal „ausgesprochen verstörend“, aber ließ ihn milder davonkommen, als der Staatsanwalt gefordert hatte. Vermutlich half es, dass er sich schuldig bekannte und beteuerte: „Ich bereue das zutiefst.“

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