Banker wechseln in die Realwirtschaft „Kinder spüren Ablehnung, wenn Papa Banker ist“

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Nicht mehr fremdgesteuert
Das Logo der Deutschen Bank als Spiegelbild in einer gegenüberliegenden Hochausfassade: Immer mehr Unternehmen bauen eigene M&A-Abteilungen auf und graben den Bankern so das Geschäft ab. Quelle: dpa

Das Logo der Deutschen Bank als Spiegelbild in einer gegenüberliegenden Hochausfassade: Immer mehr Unternehmen bauen eigene M&A-Abteilungen auf und graben den Bankern so das Geschäft ab.

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Für große Investmentbanken wie Goldman Sachs, JP Morgan oder die Deutsche Bank ist das keine erfreuliche Entwicklung. „Es gibt leider den allgemeinen Trend, dass Konzerne immer größere M&A-Abteilungen aufbauen“, klagt ein Investmentbanker. „Sie sind häufig so gut aufgestellt, dass sie uns Banken eigentlich nicht mehr brauchen.“ Anfangs hätten Konzerne nur kleinere Deals in Eigenregie eingetütet, heute zögen sie auch größere Übernahmen ohne Geldhäuser durch.

„Für Banken ist das M&A-Geschäft insgesamt schwieriger geworden“, konstatiert Sturm. Mit guten Einfällen könnten Investmentbanker jedoch nach wie vor punkten. „Wenn jemand mit einer wirklich cleveren Idee zu uns kommt, bekommt er auch das Mandat“, versichert der Fresenius-Manager.

Sturm vermisst das Leben in der Finanzbrache nicht. „Als Banker konnte ich die nächste Woche planen, die übernächste Woche vielleicht noch zu 50 Prozent“, erzählt der Manager. „Heute habe ich ein sehr viel besser planbares Leben. Meine Sekretärin könnte Ihnen wahrscheinlich heute schon sagen, was ich beispielsweise am 17. Oktober machen werde.“

Die bessere „Work-Life-Blance“ zählt zu den häufigsten Antworten, wenn man Ex-Banker nach den Vorzügen ihres neuen Jobs fragt. Als Investmentbanker sei er stark von außen gesteuert worden, erzählt Ex-Credit-Suisse-Mann Grosse. „Sie müssen Situationen im Auge behalten, die Geschäftspotenzial bergen, Kundenwünschen nachkommen und bei Transaktionen zahlreiche Deadlines einhalten.“ Bei Deutsche Wohnen und der kürzlich übernommenen Tochter GSW sei er nun meist Herr über seinen Terminkalender.

Auch sonst hat Grosse den Wechsel nicht bereut, obwohl er als ehemaliger Banker bei Deutsche Wohnen anfangs von manchen Mitarbeitern kritisch beäugt wird. Eine Reihe von Ex-Kollegen habe schon bei ihm angeklopft. „Ich werde relativ häufig von Bankern angesprochen, die sich erkundigen, ob ich von interessanten Stellen weiß oder einen Wechsel in die Realwirtschaft empfehlen kann.“

Personalberater Kasten bekommt ebenfalls regelmäßig Anrufe von Bankern, die von der Finanzwelt die Nase voll haben. „Das schlechte Image der Banken spielt dabei natürlich auch eine Rolle“, sagt er. Banker müssten sich heute auf Cocktail-Partys schon mal für ihre Berufswahl rechtfertigen. „Selbst Kinder bekommen diese ablehnende Haltung zu spüren, wenn sie in der Schule erzählen, dass Papa Investmentbanker ist.“

Konzerne durchleuchten Banken
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