Bankerboni
Sparkasse Mülheim kürzt Gehälter

Wegen strengen Kostenvorgaben trifft die Sparkasse Mülheim eine drastische Entscheidung. Sie senkt die Sach- und Personalkosten. Das trifft auch die Bonuszahlungen für Vorstände.

Mülheim an der RuhrSchon lange ist klar, dass die kleinen Geldhäuser besonders mit Minizinsen und Regulierung ringen. Die niedrigen Zinsen belasten das Kerngeschäft von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken: Das Sammeln von Einlagen zur Refinanzierung von Krediten lohnt sich immer weniger. Die Margen schrumpfen.
Welche Folgen das haben kann, wird gerade bei der Sparkasse Mülheim an der Ruhr deutlich. Sie reagiert jetzt mit einer ungewöhnlichen Entscheidung und streicht die ergebnisorientierte Vergütung für ihre Mitarbeiter. Genauer: Das Ziel wird so heraufgesetzt, dass es nicht mehr erreichbar ist. Pro Mitarbeiter gehe es um 3,57 Prozent des Gesamtjahresgehalts, wie „DerWesten.de“ berichtete. Das dürfte für viele Mitarbeiter eine vierstellige Summe weniger Gehalt bedeuten.

Die Sparkasse begründet den Schritt mit einer strengen Kostenvorgabe. Das Kostenziel von 53 Millionen Euro darf laut Vorstandschef Martin Weck nicht überschritten werden. Schlimmstenfalls drohten dem Institut sonst rote Zahlen. Weck findet bei Personal- und Verwaltungsrat Unterstützung. So würden die eigenen Berechnungen ergeben, „dass wir bei gleichbleibenden Kosten im Kreditgeschäft nicht mehr wachsen können“, erklärt die Sparkasse.

„Um dem entgegenzuwirken müssen wir sowohl die Sach- als auch die Personalkosten senken.“ Teilzeitmodelle und Altersteilzeit würden aber erst mittelfristig wirken. „Daher hat der Vorstand die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebeten, ihrer Sparkasse kurzfristig zu helfen und auf die am Unternehmenserfolg gemessene ergebnisorientierte Vergütung zu verzichten.“

Im vergangenen Jahr verdiente das Geldhaus alles andere als gut. Der Jahresüberschuss nach Steuern lag 2014 nur noch bei einer einer Millionen Euro. Ein Jahr zuvor lag der Jahresüberschuss nach Steuern noch bei 1,2 Millionen Euro. Vor Steuern kam die Sparkasse damals auf einen Gewinn von 6,8 Millionen Euro. 2014 waren es nur 4,5 Millionen Euro.

Das lag vor allem daran, dass die Sparkasse eine große Wertberichtigung vornehmen musste. Anders als viele andere Sparkassen verzeichnete das Mülheimer Institut daher ein deutlich negatives Bewertungsergebnis.

Der Großteil der Mitarbeiter in Mülheim hat die Gehaltskürzung gebilligt. In einer internen Abstimmung am Bildschirm willigten fast 99 Prozent ein. Die Alternative wäre gewesen, junge Leute vor die Tür zu setzen, zitiert „Der Westen.de“ Weck. „Das wäre langfristig unklug“, so der Vorstandschef.

Ein solcher Schritt hätte wohl auch für Aufsehen gesorgt – wie im Fall der Sparkasse Essen. Dort werden Anfang kommenden Jahres 20 Auszubildende keinen Arbeitsvertrag erhalten. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Sprecher Volker Schleede gegenüber „DerWesten.de“. Die Sparkasse habe wegen des doppelten Abiturjahrganges im Jahr 2013 deutlich mehr Auszubildende neu eingestellt. Normalerweise bildet die Sparkasse pro Jahrgang zwischen 40 und 50 Lehrlinge aus. 2013 waren es jedoch rund 70 Azubis und somit etwa 25 über Bedarf, heißt es.

In Mühlheim jedenfalls wird auch der Vorstand die Bonusstreichung spüren. Weck und seine zwei Vorstandskollegen verzichten auf ihre ergebnisorientierte Vergütung. Das sind immerhin 15 Prozent des Gesamtgehalts.

Ausführliche Daten zu den Vorstandsgehältern aller 105 NRW-Sparkassen lesen Sie hier: handelsblatt.com/sparkassengehaelter

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