Bankgebühren
Wo das Geldabheben in der Mittagspause mehr kostet

Gebühren für Barabhebungen gibt es bei vielen Sparkassen und Volksbanken – zumindest in einem Kontomodell. Doch bei einigen Genossenschaftsbanken kostet das Geldabheben nach Feierabend oder in der Mittagspause extra.
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FrankfurtBankdienstleistungen werden teuer. Viele private und genossenschaftliche Geldhäuser sowie Sparkassen haben in den vergangenen Monaten Gebühren für Girokonten angehoben. Mitunter verlangen sie auch Preise für einzelne Dienstleistungen, teils gibt es solche Kontomodelle schon seit 15 oder 20 Jahren.

Oft dabei: Gebühren für Barabhebungen am Automaten des eigenen Kreditinstituts. Wie häufig das vorkommt, hat das Verbraucherportal Biallo.de ermittelt: Gut 40 der bundesweit knapp 400 Sparkassen verlangen bei zumindest einem ihrer Kontomodelle eine Gebühr für Barabhebungen. Ähnliches gilt für mehr als 150 der knapp 1000 Volks- und Raiffeisenbanken mit einem Kontomodell, bei dem Barabhebungen unter Umständen kostet.

Häufig sind die ersten drei oder fünf Transaktionen im Monat gratis, danach müssen die Kunden je Barabhebung zahlen. Wie viel, das unterscheidet sich von Kreditinstitut zu Kreditinstitut. Mal sind es 20 Cent, mal 30 Cent oder 45 Cent. Die Gebühren für Barabhebungen sind pikant, bezahlen doch deutsche Verbraucher am liebsten mit Scheinen und Münzen.

Das Besondere bei einigen der Genossenschaftsbanken: Sie kassieren für Abhebungen am Automaten zu ganz bestimmten Zeiten, beispielsweise in ihrer Mittagspause – wenn also der Schalter geschlossen ist – oder ab Feierabend bis zum nächsten Morgen.

Die „Frankfurter Neue Presse“ hat drei solcher Beispiele in und in der Nähe Frankfurts entdeckt: Die Frankfurter Volksbank verlangt im Kontomodell „Einzelabrechnung“ 0,35 Euro je Abhebung zwischen 18 und 8 Uhr. Die Bank begründet das Vorgehen damit, dass sie außerhalb der Öffnungszeiten der Filialen einen höheren Sicherheitsaufwand habe, unter anderem für Alarmeinstellungen und Sicherheitsdienste. Die Gebühr gibt es bereits seit den 90er Jahren. Sie wird Kunden, die nach 18 Uhr Bares aus dem Automaten ziehen, auch nicht extra angezeigt. Vielmehr sei die Kondition Teil des Vertrags, den ein Kunde bei Kontoeröffnung mit der Bank abgeschlossen habe, so ein Sprecher der Frankfurter Volksbank.

Das Konto kostet drei Euro pro Monat, zudem müssen Kunden für einzelne Leistungen – im Branchenjargon „Buchungsposten“ – zahlen, etwa für eine Online-Überweisung acht Cent, für Dauerüberweisungen und Gutschriften je 35 Cent. Die meisten Kunden haben sich für eine andere Kontovariante der Frankfurter Volksbank entschieden, für das Pauschal- oder das Onlinekonto. Es ist in der Regel so, dass die Konten mit einzelnen Buchungsposten eine geringere Monatsgebühr haben als die Pauschalvarianten, die Sparkassen und Volksbanken anbieten.

Die Volksbank Oberursel kassiert im VR-Privatkonto außerhalb der Filialgeschäftszeiten 0,35 Euro, die Raiffeisenbank Offenbach/Bieber im VR-Privatkonto außerhalb der Öffnungszeiten – also auch in der Mittagspause zwischen 13 und 14 Uhr oder am Freitagnachmittag – sogar 0,40 Euro.

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Mangelnde Transparenz der Geldhäuser

Kommentare zu " Bankgebühren: Wo das Geldabheben in der Mittagspause mehr kostet"

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  • „In der Regel haben unsere Mitgliedsbanken wenigstens ein Kontomodell im Angebot, bei dem die Verfügung am eigenen Geldautomaten kostenfrei ist.“


    Was verschwiegen wird: Das Konto ist im Gegenzug teurer als die Variante mit gebührenpflichtigen Abhebungen.

    Da fällt mir immer nur das Zitat von Bertold Brecht ein:

    "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"

    Es ist müßig, sich über die vielen neuen Gebühren aufzuregen. Aber für mich sieht es so aus, als ob die Politik der EZB an die Substanz der Banken geht. Der Versuch, mittels Gebühren die wirtschaftliche Lage zu verbessern/retten ist ein Zeichen, daß es mit dem uns bekannten Geldsystem zuende geht.

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