Bankia
Ex-IWF-Chef Rato muss erneut vor Gericht

Rodrigo Rato soll als Chef der spanischen Bankia deren finanzielle Lage vor dem Börsengang geschönt haben. Das Institut musste kurz darauf mit 22 Milliarden Euro vom Staat gerettet werden. Nun kommt es zum Prozess.
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MadridEin Richter des Nationalen Gerichtshofs hat den ehemaligen Chef der spanischen Bankia, Rodrigo Rato, sowie 31 weitere Bank-Manager, Politiker und Gewerkschafter wegen Betrugs beim Börsengang der Bank angeklagt.

Nach fünf Jahren Ermittlungen kommt Richter Fernando Andreu zu dem Schluss, dass die nun Beschuldigten die finanzielle Lage der Bank geschönt und die wahre Situation vor dem geplanten Börsengang verschleiert hätten. Das, so heißt es in der Begründung des Richters, habe sowohl bei den Käufern der Aktien als auch beim Staat Schaden angerichtet.

Bankia ging im Sommer 2011 an die Börse, musste aber kein Jahr später, im Mai 2012, bereits vom spanischen Staat – mit Hilfe von EU-Geldern – vor der Pleite gerettet werden. 22 Milliarden Euro kostete die Rettung, in deren Folge Hundertausende Kleinanleger ihr Geld verloren.

Bankia hatte viele faule Kredite aus Zeiten der geplatzten Immobilienblase in den Büchern. Spanische Hauskäufer hatten sich von billigen Kreditzinsen locken lassen, hoch verschuldet und konnten, als die Blase platzte, ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen.

Für den damaligen Bankia-Chef Rodrigo Rato, der zuvor den Internationalen Währungsfonds in Washington leitete, ist es nicht der erste Betrugsfall, in dem er vor Gericht steht. Im Februar verurteilte ihn ein Gericht zu vier Jahren und sechs Monaten Haft – ebenfalls für seine Rolle als Bankia-Chef.

Rato hat nach Auffassung des Gerichts ein System von „schwarzen Kreditkarten“ unterhalten, mit denen er selbst sowie Mitglieder des Verwaltungsrats und leitende Bankangestellte nach Belieben Reisen, Restaurant-Besuche oder Schmuck bezahlt haben.

Der Richter geht auch gegen den externen Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft Deloitte vor, der die beschönigenden Angaben zu Bankias Finanzlage abgesegnet hat. Das Verfahren gegen das Unternehmen Deloitte selbst sowie gegen die spanische Zentralbank und die Kapitalmarkaufsicht CNMV stellt der Richter dagegen ein.

Seit Februar wurde gegen Zentralbank und CNMV ermittelt, weil interne E-Mails zeigten, dass sie den Börsengang von Bankia genehmigten, obwohl sie um die finanzielle Schieflage des Instituts wussten. Der Richter erklärte jedoch, es sei nicht die Entscheidung der Zentralbank gewesen, Bankia an die Börse zu bringen und sie habe sich auch nicht an der Bilanz-Kosmetik des Instituts beteiligt.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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