Banküberfälle
Immer mehr Geldautomaten werden gesprengt

Die Serie gesprengter Geldautomaten reißt auch 2016 nicht ab. In Nordrhein-Westfalen steigt die Zahl der Fälle sogar. Die Polizei sucht verzweifelt nach den Tätern. Die Banken versuchen, sich vor den Attacken zu schützen.

FrankfurtZuletzt traf es den Kölner Stadtteil Gremberghoven. An einem Mittwoch Mitte Juli um 4 Uhr nachts sprengten Unbekannte einen Geldautomaten und konnten mit der Beute entkommen. Es war nicht der erste Überfall in dem Stadtteil. Während Deutschland im EM-Halbfinale gegen Frankreich spielte, schlugen die Täter gegen 22 Uhr bei einer Sparda-Bank zu.

Erste Zahlen deuteten darauf hin, dass es in diesem Jahr noch mehr Fälle von Bankautomatensprengungen gibt als 2015. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen registrierte seit Jahresbeginn bereits 80 Fälle, in denen die Täter einen Geldautomaten gesprengt oder dies versucht haben, sagte ein Sprecher auf Anfrage. 2015 waren es im gesamten Jahr nur 67 Sprengungen. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, ist besonders stark von den Überfällen betroffen.

Etwa 200 normale Raubüberfälle auf Banken gibt es jedes Jahr in Deutschland. Die Gefahr, dabei geschnappt zu werden, ist groß – und die Beute mitunter gering. Anders sieht es bei den Sprengungen von Geldautomaten aus. Im Jahr 2015 jagten Banden in Deutschland mehr als 140 Geldautomaten in die Luft. Immer nachts waren vor allem entlegene, einzelnstehende Automaten oder Vorräume ländlicher Filialen das Ziel, deshalb sind vor allem Sparkassen und Volksbanken betroffen. Die Beute kann bis zu 100.000 Euro betragen. Und meisten können die Täter entkommen. In NRW kommen sie zum Beispiel oftmals aus den Niederlanden und machen sich über die Autobahn aus dem Staub.

Dabei ist es ein Wunder, dass bisher noch niemand verletzt wurde – Bankkunden, Nachtschwärmer oder jemand im Haus, in dem der Geldautomat untergebracht ist. Denn die Täter gehen mit großer Gewalt vor. Sie kleben die Geldautomaten luftdicht ab, leiten ein Gasgemisch hinein und lösen eine Explosion aus.

Die frei gesprengten Geldkassetten laden die Gangster ins Auto und rasen davon – oft mit 200 Stundenkilometern und deutlich darüber. Selbst Polizeihubschreiber halten da nicht mit.

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