Barclays, Credit Suisse, Deutsche Bank
Das große Streichkonzert hat begonnen

Der heute verkündete Stellenabbau bei der britischen Bank Standard Chartered ist nur die Spitze des Eisbergs. Immer mehr Institute greifen zu drastischen Maßnahmen, um die Erträge auf Kurs zu bringen. Ein Überblick.
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LondonDie positiven Worte haben ihre Wirkung komplett verfehlt. „Ich bin sehr stolz, Ihnen einen sehr gut durchdachten, äußerst umfassenden und entschiedenen Umbauplan präsentieren zu können“, sagte Bill Winters, neuer Chef der britischen Bank Standard Chartered, als er am Dienstagmorgen in einer Telefonkonferenz mit Journalisten Details seines Vorhabens vorstellte. Doch Investoren ließen sich damit nicht umgarnen. Der Aktienkurs reagierte zwischenzeitlich mit einem Minus von mehr als sechs Prozent auf die Ankündigungen von Winters und den überraschenden Quartalsverlust, den die Bank einfuhr.

Winters will rund 15.000 der etwa 90.000 Stellen bei der vor allem auf Asien ausgerichteten Bank streichen und damit die Kosten bis 2018 um 2,9 Milliarden Dollar drücken. Zudem plant er eine Kapitalerhöhung, um Luft für Investitionen zu bekommen und die Kapitalausstattung zu verbessern. Die Aktionäre müssen Abstriche bei der Dividende hinnehmen.

Standard Chartered ist damit die nächste europäische Großbank, die radikale Einschnitte plant, um ihr Geschäft wieder auf Kurs zu bringen. Vergangene Woche haben bereits John Cryan, neuer Co-Chef der Deutschen Bank, und Tidjane Thiam, seit dem Sommer an der Spitze der Credit Suisse, ihre Umbaupläne verkündet. Diese sehen vor, dass insgesamt 32.000 Arbeitsplätze wegfallen. 12.000 Jobs sind nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bei Unicredit bedroht.

Die britische HSBC hat im Sommer ihren Sparkurs verschärft. Barclays wird voraussichtlich beim Antritt des neuen Chef James Staley zum 1. Dezember den Umbau der Investmentbanksparte forcieren. Der Schweizer Konkurrent UBS hat ebenfalls am Mittwoch seine Zielvorgaben geändert, um den verschlechterten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

Das Streichkonzert bei europäischen Banken – es hat also begonnen. Die Institute kämpfen mit strengeren Vorgaben der Aufsichtsbehörden, sinkenden Erträgen, unter anderem wegen der Turbulenzen in Schwellenländern, steigenden Kosten fürs Risikomanagement und für die Einhaltung der Regeln guter Unternehmensführung sowie dem zunehmenden Druck der Investoren, ihre Probleme endlich in den Griff zu bekommen und aus der Defensive zu kommen. Die Geldhäuser müssen jetzt daher sparen und gleichzeitig in künftiges Wachstum investieren, die Eigenkapitalpuffer stärken und Erträge steigern.

Ihre Ziele und Strategien sind dabei recht ähnlich: „Wir wollen Geschäfte, die weniger kapitalintensiv sind und mehr Rendite bringen, stärken und die Geschäfte, die sehr viel Kapital verschlingen und dabei weniger Rendite abwerfen, zurückfahren“, sagte Standard-Chartered-Chef Winters. James Staley, der in vier Wochen den Spitzenposten bei Barclays übernimmt, wählte in einer internen E-Mail an die Mitarbeiter diese Worte: „Wir werden die Investmentbank weniger kapitalintensiv machen.“

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