Barclays
Ein teurer letzter Blick

Barclays hat im Devisenhandel die umstrittene Praxis des „Last Look“ zum Nachteil des Kunden eingesetzt - und versuchte alles zu verschleiern. Nun erhielt die englische Großbank eine erneute Geldstrafe.

Die Handlungsanweisung, die Barclays-Händler und ihre Kollegen von der Technik im Sommer 2011 erhielten, war recht eindeutig: Sie sollten die wahren Gründe verschleiern oder Fragen der Kunden schlicht abblocken, wenn diese wissen wollten, warum viele ihre Devisengeschäfte nicht ausgeführt würden.

Dieser Auftrag gehörte zu den fragwürdigen Machenschaften der britischen Großbank im Währungshandel, der Barclays jetzt eine Strafe von 150 Millionen Dollar (140 Millionen Euro) eingebracht hat – verhängt von der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Aus Unterlagen, die die Behörde dazu veröffentlichte, gehen die Details hervor.

Demnach hat die Bank eine Praxis beim Devisenhandel auf ihrer elektronischen Plattform benutzt, die im Branchenjargon „Last Look“ genannt wird. Sie ist bereits seit längerer Zeit umstritten. Sie führt dazu, dass Handelsaufträge um eine Millisekunde verzögert werden. In dieser Zeit kann die Bank sehen, in welche Richtung sich die Devisenkurse bewegen, ob sie oder der Kunde von der anstehenden Order profitiert.

Laut DFS hat Barclays die Möglichkeit des „Last Look“ genutzt, um Aufträge, bei denen sich für die Bank Verluste jenseits einer bestimmten Grenze abzeichneten, abzulehnen. Der Kunde bekam dann die Nachricht „NACK“. Das stand für „not acknowledged“ (nicht anerkannt). Fragte er nach Details, blieben die Mitarbeiter nach Angaben der DFS-Ermittler vage – so wie von ihnen gefordert. Zum Teil haben sie das System offenbar zumindest zeitweise etwas angepasst, um die Ablehnungsrate zu senken, damit Kunden nicht zu misstrauisch wurden. Das fragwürdige Vorgehen soll sich von 2009 bis 2014 abgespielt haben.

Der „Last Look“ steht schon länger in der Kritik. Geht es nach einem Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dem Zentralinstitut der Notenbanken, soll es für Praktiken wie den „Last Look“ daher künftig ganz klare Regeln und Normen geben, um Missbrauch zu vermeiden. Der Ausschuss will bis Mai 2017 einen Verhaltenskodex für alle vorlegen, die im täglich fünf Billionen schweren Währungshandel agieren.

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