Barclays
Gewinnsprung macht Anlegern keine Freude

Dank umfassender Sparmaßnahmen hat Barclays im vergangenen Jahr den Gewinn noch stärker gesteigert als von Experten erwartet. Doch die Unsicherheit bleibt groß: Die Rückstellungen im Devisenskandal steigen.
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LondonDer Skandal um manipulierte Devisenkurse wird für die britische Großbank Barclays immer teurer. Zwar ziehen sich die Verhandlungen über einen Vergleich mit den Aufsehern in Großbritannien und den USA weiter hin. Die Bankführung hat inzwischen aber offenbar mehr Klarheit darüber, wie hoch die Strafe ausfallen wird. Jedenfalls legte Barclays Ende 2014 weitere 750 Millionen Pfund (gut eine Milliarde Euro) für die branchenweite Affäre zur Seite. „Wir wollen so schnell wie möglich eine Einigung, und zwar mit so vielen Aufsichtsbehörden wie möglich“, sagte Finanzchef Tushar Morzaria am Dienstag. Details, woran es noch hängt, ließ er offen.

Die Anleger zeigten sich nervös. Die Barclays-Aktie verlor zeitweise drei Prozent und war damit schwächster Wert im europäischen Bankenindex. Auch ein überraschend starkes Gewinnplus, das die Bank ihrem Sparkurs verdankt, konnte die Investoren nicht beruhigen. Das um Sondereffekte bereinigte Vorsteuerergebnis legte 2014 um zwölf Prozent auf 5,5 Milliarden Pfund zu.

Vorstandschef Antony Jenkins ist seit drei Jahren dabei aufzuräumen. Er fährt das einstige Kerngeschäft Investmentbanking zurück und hat der Bank einen „Kulturwandel“ verordnet. Ähnlich wie die Deutsche Bank wird aber auch Barclays immer wieder von Altlasten eingeholt, die beim Neuanfang bremsen und viel Geld kosten. Für Rechtsstreitigkeiten insgesamt hat das Institut inzwischen 1,7 Milliarden Pfund reserviert. Auch die Entschädigung von Kunden, denen in der Vergangenheit unlautere Restschuldversicherungen aufgeschwatzt wurden, gehört dazu.

Im Devisenskandal gehen die Regulierer rund um den Globus dem Verdacht nach, dass Händler Kunden über den Tisch gezogen haben - ähnlich wie bei den Manipulationen der Interbanken-Zinssätze Libor und Euribor. Im November hatte es einen ersten milliardenschweren Vergleich von sechs Großbanken mit Aufsehern in Großbritannien und den USA gegeben. Barclays und die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt waren damals jedoch nicht dabei.

Barclays scherte auf der Zielgeraden aus, weil die Bank noch keine Einigung mit der gefürchteten New Yorker Finanzaufsicht DFS unter Benjamin Lawsky erreichen konnte und alles bündeln wollte. Die Deutsche Bank wiederum argumentiert, bei den Devisen-Manipulationen nach bisherigem Kenntnisstand nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Beide Institute haben in ihrer US-Niederlassung jetzt aber einen Aufpasser sitzen, den die DFS zur Überprüfung der Geschäftspraktiken im Devisenhandel installiert hat.

In Sachen Boni demonstrierte Barclays wie erwartet Bescheidenheit. Der gesamte Prämientopf schrumpfte im Vergleich zum vorangegangenen Jahr um 22 Prozent auf 1,9 Milliarden Pfund. Das war bereits im Februar durchgesickert. Die Investmentbanking-Sparte musste 2014 aber auch einen ordentlichen Gewinneinbruch verschmerzen, weil der Handel unter den Erwartungen blieb. Jenkins, der in den vergangenen Jahren einen Bonus noch ausgeschlagen hatte, griff dieses Mal zu: Er erhält eine Prämie in Höhe von 1,1 Millionen Pfund. 2014 stieg seine Gesamtvergütung auf fast 5,5 Millionen nach 1,6 Millionen im Vorjahr.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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