Bargeldlos bezahlen: Was beim Online-Shopping gefährlich ist

Bargeldlos bezahlen
Kampf dem Kartenbetrug

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Was beim Online-Shopping gefährlich ist

Mehr als die Hälfte aller Verbraucher weltweit verhält sich fahrlässig, obwohl sie schon einmal Opfer von Kartenbetrug wurden. Das macht es für Betrüger einfacher, Kontodaten zu klauen. Oft erscheinen Verhaltensmuster nicht bedeutsam, doch allein das Handy ohne Sperre liegen zu lassen, kann Betrüger auf einfachem Weg zu persönlichen Daten verhelfen. Zwölf Prozent aller Befragten in Deutschland gaben an, Dokumente mit Kontodaten oder anderen persönlichen Informationen auf regulärem Wege zu entsorgen. Dabei sollen Kontoauszüge, Briefe der Bank und Rechnungen im Idealfall geschreddert oder wenigstens zerrissen werden.

Auch Onlinebanking oder -shopping über einen Computer, der keine Sicherheitssoftware installiert hat oder öffentlich zur Verfügung steht, ist für Betrüger ein gefundenes Fressen. Verbraucherschützerin Raabe rät ebenfalls davon ab, über Internetseiten einzukaufen, die keine sicheren Bezahlarten anbieten. Auch die Funktion „Sofortüberweisung“, die viele Onlinehändler verwenden, hält Raabe für bedenklich in Bezug auf die Haftung: „Die AGBs vieler Banken verbieten die Weitergabe der Pin und Tan an Dritte und haften in diesem Fall nicht. Bei der Sofortüberweisung tut man genau das.“ 

Nicht immer geschieht die Entwicklung neuer Bezahlkanäle zugunsten des Verbrauchers. Oftmals mangle es an Expertise und Kontrolle, kritisiert Betrugsexperten Floyd. Ein aktueller Trend ist die Verwendung von Near Field Communication (NFC). Verbraucherschützerin Raabe sieht bei dieser Technologie ein potentielles Sicherheitsproblem. Die neuen NFC- Chips ermöglichen etwa das „kontaktlose Bezahlen“: Die Karte wird lediglich vor ein Lesegerät gehalten und Beträge bis 25 Euro können ohne Unterschrift und ohne Pin-Eingabe beglichen werden. Viele Verbraucher nutzen bereits Karten mit integriertem NFC-Chip, ohne sich zuvor darüber zu informieren. Denn bei erstmaliger Nutzung aktiviert sich der Chips von alleine, sagt Raabe. Ebenfalls kritisiert sie: „Banken müssten in Bezug auf die NFC-Technik mehr informieren.“

Ebenfalls warnt Betrugsexperte Floyd davor zu unterschätzen, wie einfach Kartenbetrug funktioniert. Im Darknet, ein Bereich des Internets, der über reguläre Suchmaschinen nicht gefunden werden kann und nahezu komplett verschlüsselt ist, gibt es beispielsweise für 2,99 Dollar eine „Betrugs-Bibel“. Diese Anleitung führt in präziser Darstellung langsam an die verschiedenen Methoden des Kartenbetrugs heran: Ein lohnendes Kosten-Nutzen-Verhältnis für Betrüger.

Auch Kriminelle ändern also ihre Methoden und passen sich laufend an Neuerungen an. So registriert das Bundeskriminalamt seit einigen Jahren einen Rückgang der Fälle von manipulierten Geldautomaten. Im Jahr 2011 wurden noch 1296 Vorfälle registriert, 2015 dagegen nur noch knapp 190. Experten führen diesen Rückgang auf die Einführung der EMV-Technologie zurück. „Das Geschäft ist für Täter nicht mehr lukrativ. Aufwand und Ertrag stehen in keinem guten Verhältnis für Betrüger“, sagt Margit Schneider, Leiterin des Sicherheitsmanagements bei Euro Kartensysteme. Dafür stellte das Bundeskriminalamt einen deutlichen Anstieg „ von besonders schweren Fällen des Diebstahls durch Sprengung von Geldautomaten“ fest: 2016 verdoppelte sich die Zahl an versuchten und ausgeführten Sprengungen an Geldautomaten nahezu auf 286 Fälle in Deutschland.

Allerdings: Die besten Sicherheitsvorkehrungen schützen nicht vor Betrug, wenn Verbraucher fahrlässig mit ihren Daten umgehen. Karteninhaber sollten stets ihre Kontoauszüge im Auge behalten, um unberechtigte Abbuchungen frühzeitig zu entdecken. Auch sollten sie in jedem Fall auf Auffälligkeiten am Geldautomaten achten, sagt Görner. Auch bei Banken und Sicherheitsfirmen besteht noch Optimierungsbedarf. Immerhin lässt eine sinkende Betrugsrate darauf schließen, dass Vorkehrungen langsam ihre Wirkung entfalten.

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Annika Reinert
Sarah  Doll
Handelsblatt Online / Praktikantin

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  • Sehr geehrte Frau Doll,

    "Betrugsfälle bei Giro- oder Kreditkarten". Ein schönes Thema, das Sie sehr gut abgehandelt haben. Aber sicher kennen Sie auch die vielen Artikel Ihres Blattes, die der unbändigen Sparwut der Leser Rechnung tragen. Was wird nicht alles getestet? Zu welcher Tages- oder Nachtzeit man bein Tanken einen Cent spart, bei welcher Bank man für sein Tagesgeld 0,01 % mehr Zinsen erhält oder welche Rechtsschutzversicherung minimal bessere Konditionen bietet.

    Doch zurück zu Ihrem Artikel. Mich würde interessieren, was das bargeldlose bezahlen eigentlich kostet. Mit Blick auf die Glaspaläste und die goldgeränderten Bilanzen der Kreditkartenfirmen drängt sich eine Vermutung auf: Wahrscheinlich sind die Gebühren des bargeldlosen bezahlens zig Mal teurer als alle Betrugsfälle zusammengerechnet.

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