Barmer-Chef Straub
„Kein Anlass für Prämienausschüttungen“

Die Milliardenreserven der Krankenkassen lassen Versicherte aufhorchen. Dennoch sträubt sich Christoph Straub von der Barmer GEK gegen Bonuszahlungen, sieht aber Reformbedarf bei der Kassen-Finanzierung.
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Handelsblatt: Herr Straub, warum kann die Barmer GEK keine Prämie ausschütten? Fehlt Ihnen schlicht der finanzielle Spielraum dazu?

Christoph Straub: Die wirtschaftliche Situation der Barmer GEK entwickelt sich positiv. Angesichts der neuerlich wieder steigenden Leistungsausgaben und dem Wiederaufflammen der Diskussion über eine Reduzierung des Steuerzuschusses zum Gesundheitsfonds haben wir keinen Anlass, über eine Prämienausschüttung zu spekulieren. Stattdessen setzen wir auf Planungssicherheit und Stabilität für unsere Versicherten.

Kritiker sagen, Kassen wie die DAK und die Barmer GEK leisten sich einen zu teuren Verwaltungsapparat mit zu vielen Außenstellen. Sie arbeiten unwirtschaftlich und können daher keine ausreichend hohen Überschüsse erwirtschaften, um einen Teil an ihre Versicherten auszuschütten.

Falsch. Mit der Fusion von Barmer und Gmünder Ersatzkasse vor zwei Jahren haben wir einen Optimierungsprozess gestartet, der schrittweise zu einer Verschlankung der Organisation führt. Mittlerweile liegen wir bei den Verwaltungskosten unter dem Durchschnitt aller gesetzlichen Krankenkassen. Die Anzahl der Geschäftsstellen entspricht den Bedürfnissen und Wünschen unserer Versicherten.

Viele Kassen kritisieren, dass der krankheitsorientierte Finanzausgleich Krankenkassen mit vielen gesunden Versicherten begünstigt. Wie sehen Sie das für die Barmer?

Jedes Ausgleichssystem wie der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich muss kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dabei sind die Zielgenauigkeit und die Anpassung an ein verändertes Krankheitsspektrum der Bevölkerung wichtig. In diesem Punkt weist der aktuelle Finanzausgleich noch Mängel auf. Wir plädieren daher für die Wiedereinführung eines Risikopools, der für mehr Gerechtigkeit sorgen und besonders hohe Ausgaben für schwerkranke und multimorbide Patientinnen und Patienten ausgleichen würde.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, plädiert dafür, den Krankenkassen ihre Beitragsautonomie zurückzugeben. Was halten Sie von dieser Forderung, zum altem System der Beitragsautonomie zurückzukehren?

Der Gesundheitsfonds ist das unglückliche Ergebnis eines Kompromisses aus Kopfpauschale und Bürgerversicherung, der in der letzten Legislaturperiode geschmiedet wurde. Dieses Erbe der Großen Koalition fördert den Preis- und verhindert den Qualitätswettbewerb. Deswegen haben wir Sympathie für den Gedanken, den Kassen mehr Autonomie bei der Gestaltung der Beitragssätze zu ermöglichen.

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  • Diese ganze Umverteilerei könnte man sich sparen wenn es nur eine Kasse gäbe. Nebenbei hätte dies auch optimales Verschlankunspotential.

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