Basel III und die Folgen: Mehr Sicherheit wagen!

Basel III und die Folgen
Mehr Sicherheit wagen!

Das Zeitalter der Deregulierung ist am Montag zu Ende gegangen: Mit neuen Vorschriftenfür das Bankgewerbe reagiert die Politik erstmals wirkungsvoll auf die Ursachen der weltweiten Finanzkrise. Der Nachteil: Kredite werden voraussichtlich teurer.
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BASEL/FRANKFURT. Der Urknall des modernen Kasinokapitalismus fand in der Londoner City am 27. Oktober 1986 statt. Mit einem Befreiungsschlag ("Big Bang") ließ die damalige Thatcher-Regierung die Finanzindustrie von der staatlichen Leine. "Das ist die Gesellschaft, die ich mir wünsche", rief die Eiserne Lady euphorisch.

Fesseln wurden gelockert, der Risikoappetit der Finanzprofis war geweckt. London fand in kürzester Zeit Anschluss an die Weltfinanzhauptstadt New York. US-Präsident Ronald Reagan startete eine Offensive zur Deregulierung der Finanzbranche. Das Zeitalter des modernen Bankwesens hatte begonnen.

Heute, fast 24 Jahre und mehrere Finanzkrisen später, fordert der Staat seinen Freibrief von den Bankern zurück. Mit den jetzt beschlossenen Kapitalstandards (Basel III) setzen die internationalen Finanzwächter den Banken wieder enge Grenzen. Ihre Freiheit wird wohl nie wieder grenzenlos sein.

Es ist die größte Finanzreform seit der Zerschlagung der Großbanken nach der Weltwirtschaftskrise vor mehr als 80 Jahren. "Mit diesen Maßnahmen werden die richtigen Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise gezogen", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Montag in Berlin. Die Finanzaufsicht werde in den nächsten Tagen einzelne Banken abfragen, wie sie sich für Basel III rüsten wollten, beschrieb Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler den nächsten Schritt. Selbst Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sprach von einem "guten, runden Paket". Dagegen sagte der italienische Notenbankchef Mario Draghi, die Übereinkunft sei für international vernetzte Großbanken nicht weitreichend genug.

Lange zauderten Politiker und Aufseher, die Finanzindustrie mit Vorschriften zu behelligen. Doch nun sind die Regulierer zum Kern der Finanzreform vorgedrungen: Das Kapital, das die Banken für den Fall der Fälle vorhalten müssen, muss kräftig aufgestockt werden.

Nicht mehr der Steuerzahler, sondern die Geldhäuser selbst sollen sich retten können. Ihr Erste-Hilfe-Koffer heißt Eigenkapital. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, ein Gremium aus 27 Notenbankern und Finanzaufsehern, hat die Messlatte auf sieben Prozent gelegt. Das ist mehr als dreimal so viel wie bisher. Der niederländische Notenbankchef Nout Wellink sieht den Kapitalbedarf der Banken bei "mehreren Hundert Milliarden" Euro.

Für einige Banken heißt das: die Dividenden kürzen oder frisches Kapital einsammeln. Und: Die Kreditkosten werden steigen. "Die Banken brauchen definitiv mehr Eigenkapital, so dass es künftig erst einmal teurer für sie wird, Kredite auszugeben", sagte Ullrich Hartmann, Partner der Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers.

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