Basel III
US-Regulierer drängt Europa zur Aufgabe von Bankenkapitalregeln

Der Vize-Chef der US-Bankenaufsicht FDIC will die neuen, internationalen Eigenkapitalregeln für Banken kippen. Die Regeln seien zu komplex, meint Thomas Hoenig. Er schließt einen Alleingang der USA nicht aus.
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New YorkDer Vize-Chef der US-Bankenaufsicht FDIC, Thomas Hoenig, will die internationalen Bankenkapitalregeln Basel III in der letzten Minute kippen. „Wir sollten Basel III in seiner aktuellen Form aufgeben“, sagte er in einem Interview mit dem Handelsblatt. Die Regeln seien zu komplex und dies würde die Banken einladen, die Vorgaben auszuhebeln, sagte er vor einer Rede am Montag in Brüssel. „Ich möchte Europa ermutigen, die Einführung von Basel III zu modifizieren“, sagte er.

Hoenig schlägt vor, die Kapitalanforderungen für Banken, die eine neuerliche Finanzkrise in Zukunft verhindern helfen sollen, zu vereinfachen. Er sagt voraus, dass den US-Großbanken in diesem Fall milliardenschwere Kapitalerhöhungen drohten.

Auch einen Alleingang der USA schließt er nicht aus. „Man muss das Richtige tun. Das ist letztlich wichtiger als alle an Bord zu haben und mit einem Rahmenwerk zu leben, das nicht funktioniert“, sagte er. Er wies die Vermutung zurück, die USA wollten ihren Banken einen Vorteil verschaffen. Seine Vorschläge liefen auf höhere Kapitalanforderungen hinaus als sie nach Basel III gelten würden.

Eigentlich sollte Basel III bereits zum Jahreswechsel eingeführt werden. Vor gut einer Woche entschieden sich die US-Regulierer aber die Einführung zu verschieben, weil sie die Umsetzungsbestimmungen nicht mehr rechtzeitig fertig bekommen würden. Seither melden sich immer mehr Kritiker zu Wort, die Basel III gar nicht einführen wollen. Der Chef der größten US-Bank JP Morgan, Jamie Dimon, nannte das Regelwerk gar „unamerikanisch“.

Die in Basel tagenden Abgesandten der Regulierer der großen Industrienationen hatten sich jahrelanger Arbeit auf höhere Kapitalanforderungen geeinigt. Das sich bereits um das dritte Rahmenwerk dieser Art handelte, wird es als „Basel III“ bezeichnet.

 

Kommentare zu " Basel III: US-Regulierer drängt Europa zur Aufgabe von Bankenkapitalregeln"

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  • Ich schmeiss mich wech. Die Amerikaner haben doch am lautesten nach neuen EK Regeln geschrien nachdem ihr Flaggschiff Lehman Brothers zusammengebrochen ist. Mal ganz davon angesehn, dass die Amis seinerzeit nicht erkannt haben, was Lehman eigentlich für eine "Systemrelevanz" hat(te) und sie dieses Institut mit der Geschwindigkeit eines Düsenjets an die Wand haben knallen lassen.

    Und heute stellt sich einer wie Hoenig hin und meint, dass wäre doch alles Unsinn den Banken höhere Kapitalanforderungen an den Hals zu hängen? Der Mann hat einfach den Knall nicht gehört und zwar den der diesen Mist verursacht hat.

    Die Bankenaufseher habe auch nichts aus der Krise gelernt. Was die EBA gerade treibt ist jenseits von Gut und Böse. Schnell schnell muss es gehen und es wird wieder mal nicht nachgedacht.Ich gebe dem ganzen Schlamassel max 3 Jahre, dann stehen wir wieder am Anfang, dann ist die Kohle aber ganz weg. Und kein Steuerzahler springt ein. Man muss kein Volkswirt sein um zu wissen, was und dann blüht.

  • Basel-III beseitigt nicht die Möglichkeit, dass die Banken ihr regulatorisches Eigenkapital selbst berechnen können. Die damit einhergehende aufsichtsrechtliche Komplexität bei gleichzeitiger Manipulierbarkeit insbesondere in Zeiten eines starken Wettbewerbs waren ursächlich für die "Krise" verantwortlich. Dies stößt den US-amerikanischen Regulierern zu Recht auf. Wenn Hoenig also anmerkt, dass seine Regulierungsvorschläge die US-amerikanischen Banken in die Pflicht nähmen, mehr Eigenkapital nachzuweisen, dann kann dies nur mit dem Willen zur Abschaffung der von den Europäern protegierten Selbstberechnung des regulatorischen Eigenkapitals duch die Banken zusammenhängen. Dass Herr Dimon Basel-III als unamerikanisch bezeichnet hat ist übrigens schon über ein Jahr her.

  • Herr Hoening ist Kansas City Fed President, Er ist Regionalbankendirektor. Das das Federal Reserve System keine! staatliche Institution ist muss auch nochmal bemerkt werden!.
    Wenn also Bankenbeschränkungen kommen, ist klar, das diese Banken sparen. Und als letzte Lösung ist dies nunmal bei ihren Vorständen, den Direktoren.

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