Baufinanzierer besonders unter Druck Den Banken brechen die Margen weg

Die zunehmende Konkurrenz zwischen den Banken in Deutschland hat in den letzten Quartalen zu einem starken Druck auf die Margen im Kreditgeschäft geführt. Insbesondere im Baufinanzierungsgeschäft, das von vielen Instituten als viel versprechender Wachstumsbereich gepriesen wird, halbierte sich die Marge in den vergangenen drei Quartalen auf nur noch einen halben Prozentpunkt. Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Auswertung der einschlägigen Zinsstatistik der Bundesbank durch die internationale Großbank HSBC. Auch im Neugeschäft mit Unternehmenskunden sanken die Kreditmargen deutlich auf unter einen Prozentpunkt.
Grafik: Nettozinsmargen deutscher Banken. Für die vollständige Grafik bitte klicken! Grafik: Handelsblatt

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FRANKFURT. „Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass mit diesen Margen noch die Eigenkapitalkosten verdient werden“, kommentiert Peter Barkow, der für die Studie verantwortlich zeichnet. Barkow ist Leiter des Aktienresearchs zu deutschen Finanzinstituten von HSBC. Die deutschen Banken erholen sich gerade von der Bankenkrise der Jahre 2002 und 2003, die für einige existenzbedrohend war. Erst in der vergangenen Woche hatte Bundesbank-Präsident Axel Weber darauf hingewiesen, dass bei kleineren Instituten, die stark von Zinserträgen abhingen, bis 2005 noch keine dauerhafte Ertragsverbesserung eingetreten sei.

In den letzten Quartalen wurde der Margenverfall im Kreditgeschäft dadurch ausgeglichen, dass die Banken bei den Einlagenzinsen die steigenden Geldmarktsätze nur sehr langsam und bisher unvollständig weitergaben. Im Gegensatz zu den schrumpfenden Kreditmargen dürfte dieser Effekt nach Ansicht der HSBC-Experten allerdings nur temporär wirken. Ein Konjunkturabschwung mit sinkender Kreditnachfrage, steigenden Ausfällen und sinkenden Geldmarktzinsen könne somit für einige Banken eine Belastung bedeuten.

Seit dem zweiten Quartal 2005 ist die bereinigte Zinsmarge der deutschen Banken im gesamten Kreditneugeschäft nach den Berechnungen der HSBC von rund 1,8 Prozentpunkten auf 1,2 Prozentpunkte gefallen. Im Kreditbestand sank dabei die Durchschnittsmarge im gleichen Zeitraum von 1,7 auf 1,5 Prozentpunkte. Da die Zinsspanne im Neugeschäft deutlich und zunehmend unter der Bestandsmarge liegt, gehen die Experten von HSBC davon aus, dass die für den Gewinnausweis der Banken wichtigere Bestandsmarge in den nächsten Quartalen weiter sinken wird.

Die Marge berechneten die HSBC-Experten, indem sie den durchschnittlichen Kreditzinsen die Refinanzierungskosten der Banken am Geldmarkt gegenübergestellten. Der Geldmarktzins liegt in der Regel nahe am Leitzins der Notenbank. Dabei machten sie die Margen im Neugeschäft mit denen der Kreditbestände vergleichbar, indem sie für die Durchschnittsberechnung die Fristenstruktur im Kreditbestand zugrunde legten.

Besonders groß ist der Margendruck bei der privaten Baufinanzierung, wo die Spanne auf nur noch einen halben Prozentpunkt zusammenschrumpfte. Dies erklärt HSBC-Analyst Peter Barkow mit zunehmender Markttransparenz sowie mit der starken Konkurrenz durch Direktbanken wie ING Diba, die ihren Marktanteil innerhalb von drei Jahren von null auf sechs Prozent erhöht habe.

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