Bayern und Nordrhein-Westfalen
LBBW will außerhalb von Baden-Württemberg wachsen

Der Zusammenbruch der WestLB hat in Nordrhein-Westfalen eine Lücke hinterlassen. Diesen Platz am Markt will unter anderem die LBBW füllen und baut sein Filialnetz auch außerhalb des Heimat-Bundeslandes weiter aus.
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StuttgartDie Landesbank Baden-Württemberg ist auf der Suche nach Neugeschäft mit Firmenkunden zunehmend außerhalb ihrer Landesgrenzen unterwegs. Nach Bayern werde in diesem Jahr auch das Netz an LBBW-Standorten in Nordrhein-Westfalen ausgebaut, sagte LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter am Donnerstag in Stuttgart.

In Bayern kam im vergangenen Jahr mit München der fünfte Standort hinzu. In Nordrhein-Westfalen, wo der Zusammenbruch der WestLB der Konkurrenz mehr Platz am Markt verschaffte, hat die LBBW bereits vier Niederlassungen. In diesem Jahr sollen die Standorte Münster und Köln hinzukommen. Ziel der LBBW ist es Vetter zufolge, in einer Liga mit den marktführenden Unternehmensfinanzierern HypoVereinsbank, Deutsche Bank und Commerzbank zu spielen.

Das Wachstumspotenzial außerhalb Baden-Württembergs ist im Firmenkundengeschäft für die größte deutsche Landesbank, die im Ländle über die BW-Bank Marktführer ist, größer als zu Hause. In Nordrhein-Westfalen habe die LBBW den Bestand an Firmenkrediten in den vergangenen drei Jahren auf vier Milliarden Euro verdoppelt. Während die LBBW in Bayern mit den örtlichen Sparkassen zusammenarbeitet, macht sie der BayernLB Geschäft abspenstig. Die nehme das aber sportlich, sagte Vetter.

Allerdings wolle die Landesbank, die wie andere in der Finanzkrise mit spekulativen Geschäften ins Straucheln gekommen war, mit Augenmaß und risikobewusst wachsen. Als eine Lehre aus der Krise strebe die LBBW langfristige Geschäftsbeziehungen ohne Schnäppchenmentalität an. „Was es mit Sicherheit mit uns weiterhin nicht geben wird, sind unüberlegte Abenteuer“, sagte Vetter. An Selbstüberschätzung und Größenwahn seien in den vergangenen Jahren genug Banken fast oder tatsächlich gescheitert. Einige Banken, darunter auch einige aus dem Ausland, suchten ihr Heil in einem ruinösen Wettkampf mit nicht mehr vertretbaren Konditionen.

Auch von Anlagen in kriselnden Euro-Staaten, die höhere Zinsen abwerfen, will die Landesbank die Finger lassen. Von einem Spitzenwert von 33 Milliarden Euro sei der Bestand an Wertpapieren, vornehmlich Staatsanleihen, in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland auf zuletzt fünf Milliarden Euro gesunken und soll weiter reduziert werden. „Es geht nach dem Motto 'no risk, no fun' - wir haben lieber weniger fun, aber auch weniger risk“, sagte Vetter.

Ihre Restrukturierung hat die LBBW, die 2009 mit einer milliardenschweren Kapitalspritze und einer Bürgschaft ihrer staatlichen Eigner vor dem Aus bewahrt werden musste, inzwischen abgeschlossen. Das Vertrauen in die Bonität der Bank sei wieder zurückgekehrt, sodass die LBBW dank günstiger Einstandskonditionen die Marge im Firmenkundengeschäft um fünf, sechs Basispunkte verbessern konnte. Die Höhe wollte Vetter nicht nennen.

Da die Kreditnachfrage der Unternehmen aber auch zu Jahresbeginn verhalten gewesen sei, bleibt die Bank beim Ausblick auf das laufende Jahr vorsichtig. Die Konjunktur erhole sich zwar, doch das weiterhin niedrige Zinsniveau, der harte Wettbewerb und hohe Anforderungen der Bankenaufsicht belasteten die Geldhäuser. „In Summe erwarten wir erneut ein ausgesprochen schwieriges Bankenjahr“, sagte Vetter. Dennoch soll das Ergebnis „deutlich positiv“ sein. Denkbar sei ein Vorsteuerergebnis auf Vorjahresniveau von 471 Millionen Euro – aber nur, wenn es nicht zu unvorhergesehenen Marktturbulenzen und einem Konjunktureinbruch komme.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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