BayernLB
Bruderzwist im deutschen Bankgewerbe

Die BayernLB bereitet eine Klage gegen den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer, vor: Der soll als Finanzvorstand der Landesbank für Milliardenverluste mitverantwortlich sein. Sein Ex-Arbeitgeber drängt auf Schadensersatz.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Vergangenheit holt den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer, ein. Als Finanzchef der BayernLB war er mit allen anderen sieben Vorstandsmitgliedern für den - wie sich später herausstellte - überteuerten Kauf der österreichischen Hypo Alpe Adria verantwortlich. Die BayernLB bereitet deswegen gegen die acht Ex-Vorstände Schadensersatzklagen vor. Der Verwaltungsrat fordert nach Angaben aus Finanzkreisen 200 Millionen Euro von den Managern um den früheren Bankchef Werner Schmidt. Auch Kemmer soll zahlen.

Die BayernLB hatte kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 für 1,6 Milliarden Euro 50 Prozent plus einer Aktie an der Hypo Alpe Adria übernommen. Doch in der Krise rutschte die Bank fast in die Pleite. Die Landesbank musste weitere zwei Milliarden Euro nachschießen. Ende 2009 wollte die inzwischen selbst schwer angeschlagene BayernLB kein weiteres Geld mehr in die Hypo Alpe Adria investieren. Die Münchener gaben die Bank für den symbolischen Preis von einem Euro an den österreichischen Staat ab. Seither ermitteln Staatsanwälte, ob der ursprüngliche Kaufpreis überteuert war. Einem internen Prüfbericht der BayernLB zufolge ignorierten die damaligen Vorstände eine um mehr als 500 Millionen Euro niedrigere Bewertung der Hypo Alpe Adria durch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young.

Die Forderung der BayernLB gegen die Manager ist höher als alle bislang im Zusammenhang mit der Finanzkrise bekannten Schadensersatzforderungen in Deutschland. Durch die hohe Schadenssumme ist möglicherweise auch das gesamte Vermögen aller betroffenen früheren Vorstände bedroht. Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen liegen die 200 Millionen Euro auch über der Summe, die die Manager-Haftpflichtversicherung der BayernLB für die ehemaligen Vorstände abdeckt.

Für Kemmer hat eine Schadensersatzklage eine besondere Brisanz: Er ist der einzige der früheren Vorstände, der nach seinem Ausscheiden bei der öffentlich-rechtlichen BayernLB noch ein wichtiges Amt innehat. Heute vertritt er als Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands BdB die Interessen des privaten Bankensektors. Kemmer selbst wollte die Konsequenzen einer Klage gestern nicht kommentieren.

Die geplante Klage und die Ermittlungen gegen Kemmer sind ein herber Schlag für die wichtigste deutsche Interessenvertretung im Kreditgewerbe. Mit Kemmer hatten sie bei seiner Berufung im vergangenen Jahr große Hoffnungen auf einen Neuanfang verbunden. Denn die Finanzkrise hatte den Bankenverband selbst in eine Krise gestürzt. Kemmer soll ihn wieder in die Offensive bringen, vor allem gegenüber einer bankenkritischen Bundesregierung. Entsprechend stellte sich Bankenverbandspräsident Andreas Schmitz gestern auch hinter Kemmer: "Uns liegen keine neuen Erkenntnisse vor, die zu einer anderen Einschätzung führen könnten. Der Vorstand des Bankenverbands steht voll und ganz zu Herrn Kemmer", sagte er.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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