BayernLB klagt
Millionen-Schadenersatzforderung gegen Gribkowsky

Die BayernLB hat ihren früheren Vorstand Gerhard Gribkowsky, der im Zusammenhang mit dem Verkauf von Formel-1-Anteilen in die Schlagzeilen geraten war, auf 200 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Es ist die bisher höchste Schadenersatz-Forderung gegen einen Bankmanager in Deutschland.
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München

Die Landesbank habe gehandelt, "um den Zugriff auf die Vermögenswerte der Privatstiftung von Gribkowsky zu sichern", sagte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon am Montag in München. Gribkowsky sitzt seit drei Wochen in Untersuchungshaft, weil er beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Landesbank 50 Millionen Dollar Schmiergeld kassiert und in einer Stiftung in Österreich versteckt haben soll. Bislang schweigt er.

Es handelt sich um die bislang höchste Schadenersatz-Forderung gegen einen Bankmanager in Deutschland. In der jetzt beim Landgericht München eingereichten Schadenersatzklage wirft die BayernLB ihrem 52-jährigen Ex-Vorstand vor, beim Kauf der Kärntner Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Jahr 2007 seine Pflichten als oberster Risikokontrolleur verletzt und dadurch Bankvermögen veruntreut zu haben.

Die BayernLB hatte mit der HGAA bis zum Notverkauf vor einem Jahr 3,7 Milliarden Euro verloren. Sie hat deshalb Schadenersatzklagen gegen den damaligen Landesbank-Chef Werner Schmidt, Gribkowsky und alle weiteren damaligen Vorstandskollegen angekündigt. Gribkowsky kam jetzt als erster an die Reihe, damit sein in Österreich entdecktes Millionenvermögen nicht verschwindet.

Bei Schmidt und den übrigen Vorständen sieht die Bank keinen Zeitdruck, weil sie auf Verjährung möglicher Ansprüche verzichtet hatten. Weil jedes Vorstandsmitglied gesamtschuldnerisch für alle Schäden haftet, müssen aber auch sie mit einer Forderung über 200 Millionen Euro rechnen. Zahlen müsste am Ende womöglich die Manager-Haftpflichtversicherung, die die Bank für ihre Vorstände abgeschlossen hat.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat Gribkowsky in seiner Privatstiftung "Sonnenschein" noch gut 25 Millionen Euro gebunkert, die er offenbar von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone bekommen habe. Ecclestone dementierte das. Laut Münchner Staatsanwaltschaft hatte Gribkowsky die Formel-1-Anteile im Jahr 2006 "ohne eigene aktuelle Bewertung" verkauft und sich "für sein Entgegenkommen" heimlich 50 Millionen Dollar Honorar nach Österreich überweisen lassen.

Die Münchner Justiz hat ihre österreichischen Kollegen um Rechtshilfe gebeten. Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger sagte: "Die Ermittlungen laufen." Gribkowsky habe sich bis vergangene Woche nicht geäußert. Ihm wird Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen. Fahrenschon sagte, die Bank werden den Zugriff auf Gribkowskys Vermögen in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft weiter vorantreiben.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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