BayernLB und Hypo Alpe
Die teure Gier der Banker aus Bayern

Tilo Berlin, der ehemalige Chef der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria, stellt der Bayern LB vor dem Wiener Handelsgericht kein gutes Zeugnis aus. Das Alpenland zittert unterdessen um seine Bonität.
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WienTilo Berlin, ehemaliger Chef der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA), präsentiert sich am Dienstag in seinem akkuraten Nadelstreifenanzug, den blitzblanken Mokassins und eleganten Manschettenknöpfen vor dem Wiener Handelsgericht wie ein Klischee von Banker. Der 54-jährige Vermögensverwalter spielt nervös an seinem Kugelschreiber. Der Grund seiner Aufgeregtheit: Der Wahl-Kärntner muss einen detaillierten Einblick in die Übernahme der Skandalbank Hypo Alpe Adria durch die Bayerische Landesbank im Jahr 2007 geben. Berlin war Vorstandschef der HGAA vom 1. Juni 2007 bis Ende April 2009.

Die Gier seiner Münchner Partner, die den gebürtigen Hannoveraner zum Multimillionär machten, war groß. „Die Bayerische Landesbank hat neue Märkte und Kunden gesucht“, gab der Finanzmanager zu Protokoll. „Es gab einen großen Zeitdruck, denn zum gleichen Zeitpunkt stand auch die Berliner Landesbank zum Verkauf.“ Die Bayern mussten sich entscheiden. Aus heutiger Sicht haben sie sich falsch entschieden, nämlich für die HGAA mit ihrem maroden Geschäftsmodell.

In dem seit Monaten dauernden Verfahren vor dem Handelsgericht Wien klagt die Bayern LB gegen den kleinsten früheren Anteilseigner der HGAA, die Mitarbeiterstiftung der Kärntner Bank. Die Bayern sehen sich bei der 1,6 Milliarden Euro teuren Mehrheitsübernahme der HGAA vor sechs Jahren arglistig getäuscht. Wie die für das Verfahren zuständige Richterin am Dienstag mitteilte, soll bis Juni 2014 das endgültige Urteil fallen.

Bei dem Verfahren vor dem Wiener Handelsgericht geht es für die Bayerische Landesbank um viel. Sie hatte die Klage gegen den damals kleinsten Verkäufer nur angestrengt, um einen Musterfall zu schaffen. „Aus Sicht der Bayern LB haben sich bisher alle Erwartungen an das Pilotverfahren erfüllt“, sagte ein Sprecher.

Sollte die Bayern LB das Verfahren gewinnen, wäre das für die Republik Österreich eine Katastrophe. Denn die Bank beziffert den ihr entstandenen Schaden auf 3,7 Milliarden Euro. Die Bayern hatten die HGAA nach nur zwei Jahren für einen Euro an das Alpenland verkauft.

Die Bayern LB zeigte sich am Dienstag optimistisch. „Aufgrund der erdrückenden Beweislast gesteht nun auch die Mitarbeiterstiftung der HGAA die Existenz geheimer Nebenabreden zu den Vorzugsaktien“, teilte ein Sprecher der Münchner Bank mit. „Bei Kenntnis dieser Nebenabreden hätte die Bayern LB die HGAA nicht gekauft, jedenfalls nicht zu den vereinbarten Bedingungen.“ Eindeutige Zeugenaussagen von im Kaufzeitraum auf Seiten der Bayern LB verantwortlichen Personen würden dies bestätigten.

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  • Statt der 3,7 Mrd. Euro akzeptiert Bayern sicherlich auch einen Korridor, bzw. die komplette E45, nach Italien als Kompensation.

  • ..Landesbank, Hoeneß, Rummenigge usw. Steuerflüchtling gehen Austria, eine Ansammlung Wirtschaftskrimi...... in Bayern. Der Wähler in Bayern trägt das ja mit, dies kriminelle Handeln ihrer Promis. Also kein Mitleid mit dem bayerischen CSU-Wählervolk.

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