Beamte als Versicherungsvertreter
Debeka-Affäre erfasst Huk Coburg

Dürfen Finanzbeamte nebenbei Kfz-Versicherungen verkaufen? Polizeiausbilder an ihren Schülern verdienen? Solche und andere Fragen prüft gerade der Bayerische Landesdatenschutz – auch bei der Huk Coburg.
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CoburgIn der Affäre um fragwürdige Nebenbeschäftigungen deutscher Beamter für die Versicherungswirtschaft ist erstmals von offizieller Seite ein zweites Unternehmen genannt worden. Wie der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht, Thomas Kranig, bestätigte, beschäftigt sich seine Behörde mit der Vertriebsstruktur der Huk Coburg. „Uns interessiert vor allem, ob Personendaten von Beamten ohne Genehmigung weitergegeben werden“, sagte Kranig dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). „Wir haben Huk Coburg dazu einen großen Fragenkatalog übersandt.“

Unterstützung bekam Kranig aus Rheinland-Pfalz. Der dortige Landesdatenschutz ermittelt seit Wochen gegen die Debeka Versicherung und erhielt dabei auch viele Hinweise auf andere Versicherer. Einer davon: Huk Coburg.

Hier wie dort geht es darum, dass Beamte ihren dienstlichen Zugang zu Daten dazu genutzt haben sollen, um gegen Provision Versicherungen zu vermitteln. Dies wäre ein Verstoß gegen die Dienstvorschriften und könnte sogar strafrechtliche Folgen haben.

Bei Debeka ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht führt eine Untersuchung bei Debeka durch und will aus gegebenem Anlass weitere Versicherer prüfen. „Wir schauen uns die Vertriebsstrukturen und -prozesse über den Einzelfall hinaus an“, sagte der Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht, Felix Hufeld dem Handelsblatt. Welche Versicherer genau in den Fokus rücken, verriet er nicht.

Nach Angaben von Huk Coburg vermitteln rund 2000 Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes nebenberuflich Versicherungen des Unternehmens. Wie ihr Konkurrent Debeka führt auch die bayerische Versicherung jährlich Wettbewerbe durch, um den Vertrieb anzukurbeln. Und wie Huk Coburg bestätigte, werden auch hier die besten Vermittler zu Reisen eingeladen. Laut Huk Coburg „können auch Geldprämien oder Gutscheine ausgelobt werden.“

Nach Einschätzung von Huk Coburg ist dies aber alles rechtlich einwandfrei. „Wir halten unsere Vermittler zur Einhaltung von deren Dienstpflichten an und informieren Vermittler, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, über die einzuhaltenden Pflichten“, sagte Unternehmenssprecher Thomas von Mallinckrodt. „Darüber hinaus werden unsere Vermittler auf die geltenden Wettbewerbsrichtlinien hingewiesen und auf die Einhaltung des Bundesdatenschutzgesetzes verpflichtet.“ Außerdem habe Huk Coburg ein ganz besonderes Vertriebssystem: „Der Kunde muss den ersten Schritt machen, wenn er sich versichern möchte. Unsere Vermittler gehen in der Regel nicht auf den Kunden zu.“

Die Huk Coburg gehört mit mehr als 5,5 Milliarden Euro Prämieneinnahmen im Jahr 2012 zu den zwölf größten deutschen Versicherern. Der volle Unternehmensname lautet „Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands“. Das Unternehmen bietet Versicherungen aller Sparten an, zum Beispiel Autopolicen, Kranken- und Lebensversicherungen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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  • Die Signal Iduna hat nicht nur eine Koop mit der IHK, Signal Iduna Vertreter sitzen in den Kreishandwerkerschaften, so Bad Kreuznach, und haben vorbereitete Schreiben, um die Handwerksbetriebe in Ihren Versicherungsschutz zu ziehen, z.B. mit Firmen-Rechtschutz zu speziellen Konditionen bei bestimmten "Kammer-Anwälten"

  • Die vom Handelsblatt durchgeführte Hetzkampagne gegen Debeka und Co ist völlig absurd. Wer selbst für eine Abo-Empfehlung eine Prämie zahlt, sollte die Füße ganz still halten.
    Empfehlung ist legitim, Bestechung aber eine Straftat, welche unnachgiebig verfolgt werden muss.

  • Wenn die BaFin richtig ermittelt, so kommen noch mehr Versicherer nicht gut weg, wie z.B. die Signal-Iduna in Zusammenarbeit mit der IHK. Dort werden neue Gewerbetreibende von einem Signal-Mitarbeiter angerufen im Auftrag der IHK!

    Jeder Versicherer hat irgendwelche Leichen im Keller!

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