Beamte bearbeitet

Debeka will Datenhandel-Affäre mit Hotline einfangen

Eine Hotline soll es richten: Die in die Kritik geratende Debeka-Versicherung setzt zur Aufklärung ihrer Datenaffäre auf die Mithilfe ihrer Mitarbeiter. Sie sollen Hinweise an einen externen Anwalt melden.
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Informationsfluss in beide Richtungen: Die Versicherung Debeka will ihre Mitarbeiter in die Aufklärung der Datenaffäre einbeziehen. Quelle: dpa

Informationsfluss in beide Richtungen: Die Versicherung Debeka will ihre Mitarbeiter in die Aufklärung der Datenaffäre einbeziehen.

(Foto: dpa)

KoblenzNach massiven Vorwürfen des illegalen Datenhandels hat die Debeka Versicherung zur Aufklärung eine nach eigenen Angaben neutrale Hotline eingerichtet. Sie habe ihre Mitarbeiter „regelmäßig zur Mitwirkung aufgefordert“, teilte die Versicherungsgruppe am Dienstag in Koblenz mit. „Diese vertrauliche Hotline wird von einem externen erfahrenen Anwalt, der keine sonstigen Mandate für die Debeka wahrnimmt, organisiert“, hieß es weiter.

Beschäftigten, die etwas meldeten und sich dabei selbst belasteten, werde weitgehender arbeitsrechtlicher Schutz zugesichert. Dies unterstütze die Untersuchungen, mit denen die Debeka die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beauftragt hatte. Es geht um den mutmaßlichen Kauf von Adressen angehender Beamter in großem Stil, um auf diese Weise einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

Wie die Debeka Beamte beackert – alles im Original
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Der Debeka-Außendienst kann im Computer auf Knopfdruck abrufen, wie viel Provision ein Schulleiter, Polizist oder Finanzbeamter als Provision erhalten würde, wenn er eine bestimmte Versicherung vermittelt. In diesem Beispiel immerhin 310,72 Euro.

Eine Chronologie der Ereignisse im November 2013 gibt es hier.

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Hier eine Gesprächsanleitung für die Suche nach VM – also Vertrauensmitarbeitern. Sie liest sich wie eine Anleitung zur Bestechung – jedenfalls wenn der so Angesprochene ein Beamter ist.

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Die Debeka ist gut sortiert. Hier eine Übersicht aller Empfehlungsschreiben, welche die Versicherung für die verschiedenen Beamtenberufe bereithält. Werbebriefe für Gewerkschaften von Polizisten, Kriminalbeamten, Zollbeamten, Lehren und vielen anderen sind alle kodiert und schnell abrufbar.

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Bei der Debeka kümmert sich die oberste Führungsspitze sich um das VM-Geschäft, also die Motivation von Vertrauensmitarbeitern, von denen rund die Hälfte in der Beamtenschaft zu finden ist. Hier ein Vorstandsschreiben vom Januar 2013, in dem erklärt wird, was die Voraussetzungen für Teilnahme am „Club der Top-VM“ ist.

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2009 veranstalte Debeka für seine Vertrauensmitarbeiter (VM) einen Wettbewerb zum Verkauf von Riester-Versicherungen. Zitat: „Als Anreiz erhält jedes Vereinsmitglied in der 33. Kalenderwoche ein persönliches Anschreiben von Herrn Generaldirektor Uwe Laue.“ Es locken schöne Reisen: „Der VM nimmt mit der Einreichung der Postkarte automatisch an der Verlosung von fünf Reisegutscheinen für jeweils zwei Personen auf einem Clubschiff der AIDA teil.“

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Die internen Arbeitslinien für den Vertrieb zeigen, dass Debeka bei der Wortwahl für die Suche nach Vertrauensmitarbeitern nicht zimperlich ist. Zitat: „Ziel muss es sein, mindestens einen VM in jeder Behörde bzw. Firma zu installieren.“

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Wenn die Vertrauensmitarbeiter gefunden sind, werden sie säuberlich in Listen eingetragen und überwacht. Der Debeka-Außendienst soll dann den Zeitpunkt der „Aktivierung“ festhalten, sowie dessen Leistung in Euro. Dabei dürfen Beamte laut Gesetz bei ihrer Nebentätigkeit „keine Gewinnerzielungsabsicht haben“.

Stefan Brink, Mitarbeiter des rheinland-pfälzischen Datenschutzbeauftragten Edgar Wagner, sagte, die Ermittlungen seiner Behörde dauerten an. Auch die Staatsanwaltschaft Koblenz und die Finanzaufsicht Bafin untersuchen die Vorwürfe weiter. Die Debeka versicherte, eng und konzentriert mit allen drei Behörden zusammenzuarbeiten, um den Fall schnellstmöglich aufzuklären.

  • dpa
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5 Kommentare zu "Beamte bearbeitet: Debeka will Datenhandel-Affäre mit Hotline einfangen"

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  • Der Screenshot, aus dem die Höhe der VM/TG Provision hervorgeht, ist absolut populistisch und führt zu einem falschen Schluss. Kein Berater gibt seinem VM/TG 100%! Dadurch würde der Berater keine Provision verdienen. Der Standardwert für die VM/TG Provision ist ein deutlich geringerer Anteil!

  • Als ehemaliger Debeka Ma. finde ich den "plötzlichen" Skandal etwas lächerlich. Es war selbstverständlich mit Behörden sehr eng zusammenzuarbeiten. Es wurde sogar von der zuständigen Bezirksdirektion vorausgesetzt. Auch ist es selbstverständlich gewesen, die Beamten während der Dienstzeit in den Behörden zu besuchen und zu beraten. Jetzt zu erzählen, man habe davon nichts gewusst ist genauso lächerlich wie zu behaupten die Erde ist eine Scheibe! ALLE aber wikrlich ALLE Debeka Ma. sowie Beamte haben dies als selbstverständlich angesehen! Auch ist es ja nicht nur die Debeka. Die DBV und die HUK hatten ebenfalls freien Zugang zu den Behörden. Selbst auf den Gehaltsbarechnungen der Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst war Werbung der HUK! Auf den Fluren lagen Werbeprospekte der drei führenden Beamtenversicherer!
    Und jetzt sollen sich Debeka Ma. an einen externen Rechtsanwalt wenden um Verdachtsfälle zu melden! Lächerlich! Einfach nur lächerlich! Andere Versicherer wurden in den Behörden garnicht zugelassen! Das wussten alle ganz genau. Bei Einstellungen neuer Beamtenanwärter wurde sofort gesagt:" Du kannst dich am Besten bei der Debeka oder DBV versichern. Wir sind da auch. Morgen kommt der Vertreter in's Haus. Da kannst du direkt den Antrag besprechen"! Auch wurde der ganz klar bei der Debeka nicht nach Kunden-Wohnort die Betreuung der Ma. übernommen, was ja sonst eigentlich Sinn macht, sondern nach Behörden. In meinem Ort ist ein Gericht, 3 Schulen, ein Rathaus und ein Arbeitsamt. Für die Behörden war ich zuständig. Egal wo die Ma. wohnten. Spielte aber auch keine Rolle, da die Beartung ja immer in den Behörden stattgefunden hat. Da musster der Arbeitslose nochmal eine Stunde länger warten, weil der Sachbearbeiter eine Frage zu seiner Lebensversicherung bei der Debeka hatte. Dies war ganz normale Praxis! Nach 6 Monaten hatte ich die Faxen dicke und habe mir einen anständigen Arbeitgeber in der Versicherungsbranche gesucht! JA, die gibt es wirklich! ;-)

  • Wann werden entlich Fakten geliefert???
    Handelsblatt, liefernt endlich!!!

  • Beamte werden nicht gefeuert; die werden umgebettet, äääh ich meine natürlich versetzt.

  • wann werden eigentlich die bestochenen Beamten gefeuert?

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