Beihilfeverfahren: Sparkassen wollen für BayernLB zahlen

Beihilfeverfahren
Sparkassen wollen für BayernLB zahlen

Im Streit zwischen EU und den Sparkassen zeichnet sich eine teure Lösung ab. Diese planen, nachträglich 840 Millionen Euro in die Rettung der Landesbank zu stecken. Bei der Konstruktion des Deals sind sie eigensinnig.
  • 0

FrankfurtDrei Jahre nach der Rettung der Bayerischen Landesbank (BayernLB) bahnt sich im Streit zwischen den bayerischen Sparkassen und EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia eine Lösung an. Die Sparkassen wollen sich nachträglich beteiligen und favorisieren eine Kapitalerhöhung über rund 840 Millionen Euro. Außerdem wollen sie die Landesbausparkasse kaufen.

Die BayernLB war wegen Fehlspekulationen mit riskanten US-Wertpapieren und Kreditausfällen bei der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria (HGAA) in die Krise geschlittert. 2008 wurde die Landesbank vom Freistaat Bayern durch eine Kapitalspritze über zehn Milliarden Euro gerettet. Die bayerischen Sparkassen hatten sich an der Rettung nicht beteiligt und waren deshalb von einem Anteil von 50 Prozent in eine Minderheitsposition gerutscht. Heute halten die 72 bayerischen Sparkassen nur noch einen Anteil von sechs Prozent. Wegen der Angst vor einem Einbruch bei der Kreditversorgung des Mittelstands hatte die EU-Kommission dem zunächst nicht widersprochen. Jetzt will sie die Sparkassen nachträglich zur Kasse bitten. Insgesamt geht es um rund zwei Milliarden Euro.

Ursprünglich stand die Forderung Almunias im Raum, dass die Sparkassen ihre stillen Einlagen bei der BayernLB über 840 Millionen Euro in hartes Eigenkapital wandeln sollen. Doch das stellte Theo Zellner, Präsident des Bayerischen Sparkassenverbands, und seine Mitglieder vor erhebliche Probleme. Da die Sparkassen unterschiedlich hohe stille Einlagen gezeichnet haben, wären sie bei einer Wandlung auch unterschiedlich belastet worden. Getroffen hätte es insbesondere kleinere Sparkassen, die in der Vergangenheit angesichts einer attraktiven Verzinsung bei stillen Einlagen zugegriffen hatten. Die protestierten und fühlten sich benachteiligt, berichten Finanzkreise.

Die Sparkassenorganisation habe deshalb einen Plan B entwickelt, der bei ihren Mitgliedern auf große Zustimmung stoße, berichten Sparkassenkreise. Anstatt der Umwandlung der stillen Einlagen wollen die Sparkassen das Geld für eine Kapitalerhöhung der BayernLB über ebenfalls 840 Millionen Euro aufbringen, die je nach ihrer Größe und Leistungsfähigkeit von den Sparkassen getragen werden soll. Im Gegenzug sollen die Sparkassen ihre stillen Einlagen zurückbekommen. Diese werfen ohnehin seit 2008 keine Zinsen mehr ab wegen der Probleme der Bank. Brüssel würde das akzeptieren, hieß es.

Weiter fordert Almunia von den bayerischen Sparkassen, dass sie der BayernLB die Landesbausparkasse zu einem „ordentlichen Preis“ abnehmen. Dabei gehen die Preisvorstellungen der Sparkassen auf der einen Seite und des Freistaats als maßgeblicher Eigentümer der BayernLB auf der anderen sowie der EU-Wettbewerbshüter weit auseinander. Almunia und der Freistaat wollen einen möglichst hohen Preis erzielen.

Seite 1:

Sparkassen wollen für BayernLB zahlen

Seite 2:

„Eine Milliarde sollte ihnen die LBS schon wert sein“

Kommentare zu " Beihilfeverfahren: Sparkassen wollen für BayernLB zahlen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%