Beitragsrückgang möglich
GDV geht von geringem Wachstum aus

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erwartet für 2011 nur noch ein geringes Wachstum. Zuletzt hatte die Branche noch von einem Boom bei Lebensversicherungen gegen Einmalbetrag profitiert.
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Berlin

Die deutschen Versicherer erwarten für das laufende Jahr wegen eines Abebbens im Geschäft mit Lebensversicherungen insgesamt nur ein leichtes Wachstum.

Eine konkrete Prognose wagt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) aber noch nicht. "Das hängt ganz massiv von den Lebensversicherungen ab", sagte GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. Denn für Wachstum sorgte zuletzt vor allem das sogenannte Geschäft mit Leben-Policen gegen Einmalbeitrag. Dieser boomende Bereich hatte der Assekuranz 2010 zu einem Einnahmeplus von 4,3 Prozent auf 178,8 Milliarden Euro verholfen. Ohne dieses Geschäftsfeld hätte die Branche nur um 0,5 Prozent zugelegt.

Lebensversicherungen gegen Einmalbeitrag - bei denen die Beträge nicht monatlich, sondern auf einen Schlag bezahlt werden - wurden in der Krise als sichere, meist kurzfristige Geldanlage etwa nach Auslauf einer alten Lebensversicherung genutzt.

Verbraucher erzielten damit oft höhere Zinsen als bei Banken.

Das Geschäft dürfte künftig nicht mehr für soviel Schub sorgen wie zuletzt: 2009 gab es mit diesen Policen ein Plus von 60 Prozent, 2010 von knapp 30 Prozent. Insgesamt legten die Lebensversicherer 2010 um sechs Prozent zu. Dabei ging das Geschäft mit normalen Lebensversicherungen, das rund 70 Prozent ausmacht, um 1,4 Prozent zurück.

"Für die Lebensversicherung ist in diesem Jahr bei einer weiteren Normalisierung des Einmalbeitragsgeschäfts auch ein leichter Beitragsrückgang möglich", sagte Hoenen. Sollte das Geschäft mit den Einmal-Policen deutlich unter Vorjahr bleiben, dürfte auch die gesamte Versicherungswirtschaft 2011 weniger stark wachsen als 2010. Die Entwicklung des Einmalbeitragsgeschäft sei aber nur sehr schwer einzuschätzen und hänge von den Kapitalmärkten und dem Zinsniveau ab.

Die privaten Krankenversicherer dürften laut GDV etwa so stark wachsen wie 2010 mit 5,8 Prozent. In der Schaden- und Unfallversicherung werde sich die jüngste Trendwende in diesem Jahr mit einem Plus fortsetzen. 2010 waren die Prämien für die Auto-Versicherung erstmals seit sechs Jahren gestiegen.

Skeptisch sehen die Versicherer die bevorstehenden Kapitalvorschriften "Solvency II", mit denen die tatsächlichen Risiken der Anbieter ab 2013 transparenter gemacht werden sollen. "Die Solvency II"-Regeln sind aktuell zu komplex und zu volatil", kritisierte Hoenen. Dies würde es den Lebensversicherern deutlich erschweren oder teilweise unmöglich machen, langfristige Zinsgarantien anzubieten.

Wie stark das Erdbeben und die Flutwelle in Japan die deutsche Assekuranz trifft, ist noch nicht ganz klar. Der GDV verwies auf die Rückversicherer Münchner Rück und Hannover Rück, die ihre Belastungen vorläufig auf 1,5 Milliarden Euro und 250 Millionen Euro beziffern. Unter den Erstversicherern wie der Allianz sondierten derzeit vor allem Industrieversicherer, ob ihnen bei Transportversicherungen oder wegen der Unterbrechung von Lieferketten bei Kunden Kosten entstehen, sagte der GDV-Experte und Deutschland-Chef von Axa, Frank Keuper. Er betonte aber: "Ich sehe nicht, dass wir bei den Erstversicherern dramatische Auswirkungen haben werden." Dem GDV gehören Branchengrößen wie Allianz und Münchner Rück sowie deren Tochter Ergo an.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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