Bericht des Einlagenfonds
US-Banken machen Krise vergessen

Amerikas Banken geht es so gut wie seit Jahren nicht mehr. Wie der Einlagenfonds FDIC berichtet, hat die Branche im vergangenen Quartal kräftig Kasse gemacht. Selbst die kleinen Institute stehen wieder besser da.
  • 8

New YorkDer Wall Street geht es so gut wie seit 2006 nicht mehr: Die US-Banken haben das beste Vierteljahr seit der Finanzkrise hinter sich gebracht. Im dritten Quartal 2012 seien die Gewinne weiter gestiegen, die Zahl der angeschlagenen Institute habe sich verringert, teilte die staatliche Einlagensicherungsbehörde FDIC in ihrem vierteljährlichen Bericht am Dienstag mit.

FDIC-Chef Martin Gruenberg sprach von einer „schrittweisen, aber anhaltenden Erholung“ des Sektors. „Anzeichen für einen weiteren Fortschritt waren sichtbar unter anderem beim Wachstum der Kreditvergabe, der Qualität der Vermögenswerte und der Profitabilität“.

Demnach haben die mehr als 7000 bei der FDIC angeschlossenen Banken zwischen Juli und September Nettogewinne von insgesamt 37,6 Milliarden Dollar erzielt, ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Gleichzeitig war es das 13. Quartal in Folge, in dem die Gewinne im Jahresvergleich zugelegt haben. Die Gesamtumsätze kletterten um drei Prozent auf 169,6 Milliarden Dollar.

Verantwortlich für die Steigerung der Gewinne ist laut FDIC neben höheren Einnahmen aus Bankgeschäften auch der Umstand, dass die Institute ihre Rücklagen für faule Kredite weiter zurückfahren konnten. Wenn mehr Amerikaner in Lohn und Brot stehen, können sie auch ihre Raten pünktlich bezahlen. So betrugen die Rückstellungen im dritten Quartal insgesamt 14,8 Milliarden Dollar – fast ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig legten die Einnahmen durch neue Kredite weiter zu. „Mehr als 55 Prozent der Banken haben von Steigerungen bei der Kreditvergabe berichtet“, so FDIC-Chef Gruenberg. Auch kleine Banken seien darunter. Trotzdem sei das Wachstum bei der Kreditvergabe im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen – von 102 auf 64,8 Milliarden Dollar. Schuld daran sei unter anderem eine Abkühlung bei Baukrediten.

Dennoch geben die FDIC-Zahlen insgesamt Anlass zur Hoffnung. Offenbar geht es dabei nicht nur den größten Instituten immer besser: Die FDIC hat im vergangenen Quartal weitere Namen von ihrer „Problem-Liste“ gestrichen: Die Zahl der angeschlagenen Institute, zumeist kleinere Regionalbanken, sank von 732 auf 694. Es ist das erste Mal seit drei Jahren, dass weniger als 700 auf der Liste standen.

Die Vermögenswerte der Problembanken verringerten sich von 282 auf 262 Milliarden Dollar. Zwölf Banken gingen im dritten Quartal pleite, so wenige wie seit Ende 2008 nicht mehr. Im Gesamtjahr sind es 50 Bankrott-Fälle, rund die Hälfte des Vorjahreswerts.

 
Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

Kommentare zu " Bericht des Einlagenfonds: US-Banken machen Krise vergessen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Am 01.April wäre diese Überschrift durchaus passend. Doch nicht am 05. Dezember, kurz vor Weihnachten, wo man doch nicht mehr so doll flunkern soll.
    Die drei größten US-Banken haben immer noch absolut wertlose Papierschnipsel in Höhe von ca. 200 (europäische) Billionen $ in ihren Büchern. Nur die Kapitalspritzen der Fed, schon am Fliesband, verhindert den schon längst überfälligen Kollaps.
    Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel sitzen (es können auch locker doppelt so viel sein), aus den Bilanzen in Schattenbanken und Zweckgesellschaften ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf

    Mit zinslosem Geld der Fed, der EZB und der BoE werden die Aktienkurse manipuliert und die Zockergeschäfte bei Lebensmittel und Rohstoffe lassen die Preise explodieren! In den letzten 4 Jahren hat sich die Weltverschuldung von ca. 62 auf über 96 Bio. $, also um 50% erhöht. Daran sind die Bankster nicht ganz unschuldig.

    Prof. Steve Keen von der University of Western Sydney : Wir sind in der größten Finanzblase aller Zeiten.
    Ein Grund dafür ist der Bankensektor, der völlig außer Kontrolle geraten ist. Der zweite liegt in der neoklassischen Wirtschaftstheorie, die die Entwicklung theoretisch unterlegte und rechtfertigte. Um die Wiederholung zu vermeiden, müssten dogmatische Ökonomen und der Finanzsektor bluten. Stattdessen jedoch wird er wieder zum selben Verhalten ermuntert, das uns direkt in die Krise brachte.
    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/im-gespraech-steve-keen-wir-sind-in-der-groessten-finanzblase-aller-zeiten-1236141.html

    Für jedes Pfund, das in der Londoner City „erschaffen wird“, werden sieben Pfund Gemeinschaftsvermögen vernichtet. Haben englische Wissenschaftler ermittelt, nicht ich. Und in der Wall-Street dürfte es nicht anders sein.

  • 2 Worte: Geld her!

  • "US-Banken machen Krise vergessen." - was für ein Titel !

    Wenn Banken "Geld" verdienen mit denselben Methoden, die in die Krise geführt haben,
    dann ist wohl jetzt alles in Ordnung!

    Schön, dass gerade Morgan und Goldman und alle anderen mit den blumigen Namen gut verdienen.
    Dann scheinen sich die "Markteingriffe" (deutlicher möcht ich es nicht schreiben)
    u.a. in den Rohstoffmärkten ja zu lohnen.
    Auch sind die LIBOR-Zinssätze nicht zu vergessen.

    "Nettogewinne" plus 6,6 Prozent zum Vorjahresquartal...
    Das ist das leidige Problem für alle, die in Falschgeld rechnen müssen, also derzeit
    jegliches Papiergeld (Geldschein = Scheingeld) und sämtliche Anlagen, die auf Papiergeld lauten:
    Dieses Scheingeld verliert derzeit 10 Prozent pro Jahr an Kaufkraft.
    Was bedeuten da nominale Gewinne von 6,6 Prozent ?? "Nettogewinne" - netto von was ?
    So gehts den Unternehmensgewinnen, ebenso den Kapitalanlagen, die auf Scheingeld lauten:
    Alles steht im Treibsand und versinkt um 10 Prozent pro Jahr.
    Da sind selbst Aktiengewinne fraglich. Was nützen 15 Prozent Kurs"gewinn" im Jahr,
    von denen nach Steuern und Gebühren noch 8 Prozent übrig sind,
    wenn dann die Haferflocken 10 Prozent teurer sind??
    Sollte man dann nicht lieber gleich Haferflocken kaufen?
    Oder mangels langer Lagerfähigkeit dann eben andere Sachwerte?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%