Berüchtigter Ex-Barclays-Chef Bob Diamond kehrt zurück in die City of London

Der umstrittene frühere Chef der britischen Großbank Barclays, Bob Diamond, kehrt in die City of London zurück. Er übernimmt das Handelshaus Panmure und will daraus eine kleine spezialisierte Investmentbank formen.
1 Kommentar
Der frühere Chef der Großbank Barclays ist zurück in der Londoner City. Quelle: Reuters
Bob Diamond (Archivbild)

Der frühere Chef der Großbank Barclays ist zurück in der Londoner City.

(Foto: Reuters)

LondonEr ist wieder da: Bob Diamond, Ex-Chef der Großbank Barclays. Seine Firma Atlas Merchant Capital und die Investmentbank QInvest aus dem Golfemirat Qatar haben sich darauf geeinigt, das 141 Jahre alte Handelshaus Panmure Gordon & Co, zu übernehmen. Der Kaufpreis beläuft sich auf 19 Millionen Dollar in Bar. QInvest ist bereits der größte Anteilseigner von Panmure.

Diamond trat 2012 als Barclays-Chef zurück, nachdem die Manipulation des Referenzzinses Libor bekanntgeworden war, die Barclays-Händler maßgeblich mitverursachten. Der US-Amerikaner ist 65 Jahre alt und hat wiederholt signalisiert, dass er ein gesteigertes Interesse daran hat, Banken in Europa zu übernehmen. Laut Diamond gibt es „großartige“ Chancen auf dem Kontinent, wo die Dominanz der größten Finanzinstitute im Niedergang begriffen sei.

Sein Beteiligungsfonds Atlas übernimmt mit Panmure eines der traditionsreichsten Londoner Handelshäuser. Bei Panmure hat unter anderem der Vater des früheren Premierministers David Cameron einst gearbeitet. Dennoch ist Panmure klein und betreut vergleichsweise kleine Handelsgeschäfte und Investments im zweistelligen Millionenbereich auf dem hochkompetitiven Londoner Markt. Die Firma plant aber auch, übernahmeerfahrene Top-Banker anzustellen und das Produktangebot auszuweiten.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
1 von 14

Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
2 von 14

Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
3 von 14

Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
4 von 14

James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
5 von 14

Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
6 von 14

Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
7 von 14

Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

„Das letzte, was Bob Diamond will, ist Barclays 2.0 zu erschaffen“, sagte Panmure-Chef Patric Johnson. Er habe sich noch nicht mit ihm getroffen – Diamond gehe es aber um ein Investment für seinen Fonds, nicht darum, einen Schreibtisch bei Panmure zu beziehen, glaubt Johnson.

Das Übernahmeangebot liegt 68 Prozent über dem Schlusskurs der Panmure-Papiere am Donnerstag und wurde von den Panmure-Verantwortlichen einstimmig begrüßt. Atlas wird die Mehrheit an Panmure übernehmen, während QInvest seinen 43-Prozent-Anteil behält. Die Aktie sprang um 70,6 Prozent nach oben – der größte Über-Nacht-Gewinn an der Börse seit über 15 Jahren.

Diamonds Atlas-Fonds teilte mit, aus Panmure eine „größere erfolgreiche Investmentbank-Boutique zu formen“. Dies könne nicht auf dem freien Markt geschehen, sondern besser als Privatunternehmen, das nicht vom Aktienkurs abhängig ist.

In der Vergangenheit hat Bob Diamond bereits in New York, Athen und Afrika Wertpapierhändler und Banken aufgekauft. Der Ex-Chef der drittgrößten Bank Großbritanniens sieht laut eigener Aussage „unglaubliche unternehmerische Möglichkeiten“ beim Investment in kleine Finanzinstitute, die in direkter Konkurrenz zu den systemrelevante Großbanken stehen. Diese müssten verschärft unter den Augen der Aufsichtsbehörden agieren.

  • feho
  • Bloomberg
Startseite

Mehr zu: Berüchtigter Ex-Barclays-Chef - Bob Diamond kehrt zurück in die City of London

1 Kommentar zu "Berüchtigter Ex-Barclays-Chef: Bob Diamond kehrt zurück in die City of London"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%