Berufung gegen Urteil eingelegt
Deutsche Bank steckt in der Libor-Falle

Das Landgericht Frankfurt hatte Kündigungen gegen Zinshändler für unwirksam erklärt. Schlimmer war für die Deutsche Bank aber, dass ihr eine Mitschuld an Zinsmanipulationen gegeben wurde. Jetzt geht sie in Berufung.
  • 4

FrankfurtDie Deutsche Bank gibt sich nach den vernichtenden Urteilen des Arbeitsgerichts Frankfurt zur Entlassung von Zinshändlern nicht geschlagen. Wie das Handelsblatt in seiner Mittwochsausgabe berichtet (hier der vollständige Text zum Download), geht die Bank vor dem Landesarbeitsgericht Hessen in Berufung. Das bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bank. Mit einem Verhandlungstermin wird frühestens im Sommer 2014 gerechnet.

Die Deutsche Bank hatte im Februar vier Händler im Zuge der internen Ermittlungen um die Manipulation der Referenzzinsen Libor und Euribor entlassen. Ihren Klagen auf Wiedereinstellung gab das Gericht statt. Weil die Bank durch mangelnde Regeln und Kontrollen, sowie ihre Organisationsstruktur eine Mitschuld trage, hätten die Kündigungen einer Abmahnung bedurft. Daher seien sie unwirksam.

Das Urteil bringt die bisherige Argumentation der Deutschen Bank vom Fehlverhalten einzelner Händler im Zinsskandal ins Wanken. Durch die Berufung wählt das Geldhaus weiter den Weg der Aufklärung in der Öffentlichkeit. Doch das ist für die Bank und ihre Manager nicht ungefährlich. Um die Einzelfalltheorie zu beweisen, müssten die Richter nun noch tiefer in die damaligen Abläufe der Bank schauen.

„Das Verfahren vor dem Landesarbeitsgericht ist eine neue Tatsacheninstanz. Hier kann das Gericht nochmals darüber entscheiden, ob eine Zeugenvernehmung nötig ist“, sagt Peter Rölz, Anwalt des Händlerquartetts dem Handelsblatt.

Schon vor dem Arbeitsgericht kamen brisante Vorwürfe zu Tage, die damalige Manager der Bank belasten, und die auch das Interesse der Finanzaufsicht Bafin geweckt haben. Die Aufseher, die derzeit mit der Aufklärung des Libor-Skandals befasst sind, haben sich vor wenigen Tagen die gesamten Prozessunterlagen vom Arbeitsgericht kommen lassen und werden auch die Rolle der Manager untersuchen.

„Die Frage, wie weit in der Führungsstruktur von einer Manipulation Kenntnis bestand, ist jeder Prüfung immanent“, sagt ein Insider. Sollte am Ende die Erkenntnis stehen, das mittlere Management trage eine Mitschuld, würde der Skandal auch näher an Co-Vorstandschef Anshu Jain heranrücken. Er leitete zur Zeit der mutmaßlichen Manipulationen das Investmentbanking.

Kommentare zu " Berufung gegen Urteil eingelegt: Deutsche Bank steckt in der Libor-Falle"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es wird interessant sein zu erfahren welche Kontrollen die Bank aufgebaut hatte und wie die BaFin sich von der Angemessenheit dieser Kontrollen überzeugt hat.

    LIBOR-Sätze wurden seit langem ermittelt und es wird niemand behaupten wollen, dass die BaFin und davor das BAKred diesen für Kreditwirtschaft und Kunden wichtigen Index nie geprüft habe.

    Sind wir ehrlich! Nicht nur der Vorstand gehört wegen seiner Verpflichtung der Sicherstellung eines ordnungsgemäßen Geschäftsbetriebs vor den Richter gestellt. Auch die, die dem Vorstand diese Ordnungsmäßigkeit über Jahrzehnte bestätigt haben, tragen Mitverantwortung. Sie waren sogar für dessen Prüfung gesetzlich zuständig.

    Warten wir ab wie das Rechtsempfinden des kleinen Mannes ein weiteres Mal gebeugt wird.

  • Wird da an einer Übernahme der Deutschen Bank gearbeitet??

  • Viele Jahre hatte ich mein Konto bei der Deutschen Bank und hatte es schließlich aufgegeben - ich weiß sehr wohl warum..!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%