Bessere Risikoschätzung
Moody's ändert Länderrating-Methodik

Moody's sucht neue Kriterien. Das Kreditinstitut überarbeitet seine Vergabestrategie von Ratings für Staatsanleihen. Investoren hatten die Moody's-Ratings zuletzt einfach ignoriert.
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SidneyMoody's Investors Service ändert die Methodik für die Vergabe von Ratings für Staatsanleihen. Derzeit sind Investoren in mehr als der Hälfte der Fälle bei Länder-Ratings anderer Auffassung als Moody's.

Die Änderungen beinhalten mehr Details zur Moody's- Einschätzung der wirtschaftlichen, institutionellen und fiskalischen Stärke und zur Anfälligkeit für Schocks wie Banken- oder Währungskrisen, die das Ausfallrisiko erhöhen könnten. Das teilte die Ratingagentur am Freitag mit.

Die Entwicklung der weltweiten Anleiherenditen laut Bloomberg-Daten zeigt, dass die Investoren 56 Prozent der Rating- und Ausblickveränderungen von Moody's im vergangenen Jahr ignorierten, also in der Mehrzahl der Fälle anderer Auffassung waren. Bei Standard & Poor's lag die Quote bei 50 Prozent.

„Das Ziel dieser Methodik ist, Investoren, Emittenten und andere interessierte Marktteilnehmer in die Lage zu versetzen, zu verstehen, wie Moody's das Kreditrisiko in diesem Sektor bewertet“, schrieb das Unternehmen in dem Bericht.

Moody's hat in diesem Jahr zweieinhalbmal so viele Länder herab- wie heraufgestuft, wie Bloomberg-Daten zeigen. Mehrere Länder, darunter Portugal, Griechenland und Irland, sehen in Herabstufungen ihrer Bonität den Grund, warum sie Hilfspakete von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds beantragen mussten.

Moody's schrieb in der Mitteilung vom Freitag, eine Prüfung der Entwicklung ihrer Länderratings seit 1983 zeige, dass diese „Länderausfallrisiken korrekt einstufen“. In der Neuzeit sei es niemals passiert, dass ein Land innerhalb eines Jahres mit Investment-Grade-Rating zahlungsunfähig geworden sei.

Bei den Junk-Emittenten hätten Regierungen mit „B“-Rating über einen Zwölfmonatszeitraum eine 4,4mal höhere Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls gehabt als solche mit ‘„Ba“-Rating, hieß es. Die niedrigsten Stufen „Caa“ bis „C“ hätten eine 11,7mal höhere Ausfallwahrscheinlichkeit gehabt als Länder mit „B“-Ratings. Die aktuellen Anpassungen hätten zu keinen Änderungen bei den derzeitigen Länderratings geführt, teilte Moody's mit.

Ratingagenturen wurden beschuldigt, zur Finanzkrise von 2008 beigetragen zu haben, weil sie Spitzenratings an mit Hypotheken besicherte Wertpapiere und CDOs (Collateralized Debt Obligations) vergeben hatten, mit denen Investoren Milliarden Dollar verloren. Moody's, zweitgrößte Ratingagentur der Welt, stand wegen ihrer Ratingmethodik in der Kritik und wurde im Juli von den Konkursverwaltern zweier Hedgefonds von Bear Stearns Cos. verklagt, die wegen angeblich fehlerhafter Investmentgrade- Ratings mehr als eine Milliarde Dollar (750 Millionen Euro) fordern.

Im August 2011 hatte S&P das bis dahin 60 Jahre geltende „AAA“-Kreditrating für die USA auf „AA+“ mit negativem Ausblick gesenkt. Der S&P-Mutterkonzern McGraw Hill Financial Inc. hatte die darauffolgende Fünf-Milliarden-Dollar-Klage durch die US-Regierung als „Vergeltungsaktion“ bezeichnet.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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