Besserer Schutz der Verbraucher gilt als wichtiges Ziel Schwedens einflussreiche Wächterin

Zu Späßen ist Ingrid Bonde selten aufgelegt. Die Chefin der schwedischen Finansinspektionen (FI), der Allfinanzaufsicht, ist zur gefürchteten Wächterin über den schwedischen Banken- und Versicherungsmarkt geworden.

STOCKHOLM. Die resolute FI-Chefin trat ihr Amt vor zwei Jahren an, und seitdem ist kaum ein Tag vergangen, an dem nicht auch eine breitere Öffentlichkeit von der Aufsichtsbehörde hört oder liest.

Diese 1991 aus der Zusammenlegung der Banken- und Versicherungskontrollbehörden gebildete Allfinanzaufsicht gibt täglich ihre Insider-Listen heraus und schaut seit Bondes Ernennung auch den großen Versicherern und Banken genauer auf die Finger. Letztes Opfer der scharfen Augen von Bonde und ihren knapp 200 Mitarbeitern war der Unternehmer und Multimillionär Fredrik Ljungberg. Er bekam Mitte Juli Post von der Aufsicht, weil er einen Aktienkauf nicht rechtzeitig angemeldet hatte. Das Versäumnis endete mit einer deftigen Strafe: Eine Million Kronen (105 700 Euro) muss der betuchte Geschäftsmann für die Nachlässigkeit berappen.

Durch die täglich veröffentlichten Insiderlisten ist die Behörde mittlerweile auch bei Bürgern zu einem Begriff geworden, die normalerweise nichts mit dem Finanzmarkt zu tun haben. Für die Boulevardzeitungen sind die Listen zu einer Pflichtlektüre geworden, können die Blätter doch Prominente ausmachen, die nicht, zu spät oder sonst wie regelwidrig agiert haben.

FI versteht sich in Schweden als eine Verbraucherschutzbehörde, die auch nicht vor den großen Bankinstituten und Versicherungskonzernen Halt macht, wenn die gegen die Interessen ihrer Kunden zu agieren versuchen. „Es ist kein Zufall, dass diese Branche Gegenstand von Untersuchungen und Durchleuchtungen geworden ist, nutzt sie doch ihren Informationsvorsprung gegenüber den Kunden aus“, schimpfte Bonde. Sie konnte im vergangenen Jahr sechs schwedischen Versicherungskonzernen nachweisen, dass diese entweder Abgaben verlangten, die in keiner Relation zu den tatsächlichen Kosten standen oder versteckte Gebühren in Form von zu niedrigen Rückerstattungen erhoben. Es reichte, dass die Aufsicht die Versicherer öffentlich an den Pranger stellte: Die Konzerne änderten ihre Gebührenordnung.

Die Behörde legte sich auch mit den Großbanken Nordea und Handelsbanken an, weil die die Kunden nicht richtig über anfallende Gebühren bei Auslandsüberweisungen informierten. Die Androhung einer Strafe von jeweils umgerechnet mehr als 100 000 Euro hatte Erfolg: Zumindest die Information wurde verbessert.

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