Bestandsaufnahme
EU-Bankenaufsicht verschiebt Stresstests

Nur nichts überstürzen: Um Fehler zu vermeiden und mögliche Überraschungen zu umgehen, wird der geplante Stresstest für die Großbanken der Eurozone verschoben. Besonders die Bafin befürchtete sonst heillose Verwirrung.
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LondonDie EU-Bankenaufsicht EBA hat die geplanten Stresstests auf das kommende Jahr verschoben. Zunächst sollen die Großbanken der EU einer Bestandsaufnahme unterzogen werden. Dies solle sicherstellen, dass die Stresstests fehlerfrei über die Bühne gingen, teilte die EBA am Donnerstagabend mit. Vorherige Tests hätten dabei versagt, Schwachstellen in den Bilanzen der Banken aus Ländern der Euro-Zone wie Spanien, Irland und Zypern aufzuspüren, die später einen Rettungsantrag stellen mussten.

Bevor die Europäische Zentralbank (EZB) die Aufsicht über die Geldhäuser der geplanten Bankenunion übernehme, müsse sie Klarheit über mögliche Mängel haben, hieß es weiter. So soll die EZB die Bestandsaufnahme in den 17 EU-Ländern, die der Bankenunion beitreten, selbst vornehmen. In den verbleibenden zehn EU-Mitgliedsländern obliegt die Analyse den nationalen Aufsehern.

Der genaue Zeitpunkt für die Bestandsaufnahme und den nachfolgenden Stresstest soll festgelegt werden, sobald das neue Gesetz, das die EZB als Bankenaufsicht in den 17 Euro-Zonen-Ländern etabliert, in Kraft tritt. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme sollen zusammen mit denen des Stresstests im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte auf eine Verschiebung des nächsten Stresstests der EBA gedrungen, weil sie eine Verwirrung durch die verschiedenen Ergebnisse befürchtete. Zuvor war der September als Termin für die neuen Belastungsproben für die Geldhäuser ins Auge gefasst worden. Die EBA ist die europäische Bankenaufsicht, die die Finanzinstitute in den vergangenen Jahren auf ihre Kraft, Krisen zu bewältigen, abgeklopft hat. Mit dem Plan einer zentralen Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank waren zuletzt vermehrt Gerüchte aufgetaucht, die Behörde könne die Tests verschieben.

Mit der anvisierten Bankenunion soll die Aufsicht über die Großbanken in der Euro-Zone auf die EZB übergehen. Der Londoner EBA bleibt dann nur die Rolle, ein einheitliches Regelwerk für die Branche in allen 27 EU-Staaten sicherzustellen. Die beiden vorhergegangenen Stresstests 2010 und 2011 hatten in der Branche und bei Experten massive Kritik auf sich gezogen, da der Aufwand hoch war und das Ziel, die Märkte über den Zustand der Banken in Europa zu beruhigen, nicht erreicht wurde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bestandsaufnahme: EU-Bankenaufsicht verschiebt Stresstests"

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  • In beiden Kommentaren ist m.E. kein Widerspruch erkennbar.im ersten Kommentar wir lediglich die Sinnlosigkeit angeprangert und deshalb der fehlende Nutzen herausgestellt.

    Im zweiten Kommentar geht es darum, dass Stresstests sehr wohl notwendig erforderlich sind.

    Gemeinsam ist beiden, dass mit einer sorgfältig gewählten Überschrift "Stresstest" nichts gelöst, aber eine falsche Erwartungshaltung beim Leser ausgelöst wird.

    Wenn die in Stresstest eingebundenen Behörden abgeschafft würden, würde das Problem zwar keinesfalls gelöst, aber immens viel Geld gespart und die kritische Haltung der Gläubiger gegenüber den Banken stark gefördert.

    Deshalb bin ich auch für die Abschaffung von Stresstests und Bankenaufsicht in der heutigen Ausstattung bzw. Besetzung.

  • Wenn es denn die Haftung im Rahmen einer Bankenunion denn geben soll, dann ist doch jeder Stresstest obsolet.

    Viel wichtiger wäre es den Banken zu untersagen Aktiva auf ihre Bücher zu nehmen, die keiner Eingenkapitalunterlegung unterliegen.

    Konkret müsste den Banken untersagt werden, Staatsanleihen und sonstigen staatlichen Schrott in die Bücher zu nehmen. In der aktuellen Krise haben wir erfahren müssen, dass der richtige "Mist" aus den Staatsanleihen kommt, für die dann im nächsten Schritt die Sparer zur Haftung herangezogen werden sollen.

    Um Roman Herzog zu zitieren: "Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen!" Hoffentlich bald und es ist tunlichst darauf zu achten, dass kein Verbrecher ungestraft entkommt.

  • Die Wahrheit kann doch vor den Wahlen nicht auf den Tisch kommen. Sollten die Guthaben/Pensionsanlagen in Deutschland aufgrund der Probleme in Luxemburg aufgefressen werden, droent auch in Deutschland Aufstände gegen diese Eurokraten = Gegner eines friedlichen Zusammenlebens.

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