Bethmann Bank
Lehman-Anleger erstreiten Millionen wegen Falschberatung

Ein vermögendes Ehepaar hat von der Bethmann Bank mehr als sieben Millionen Euro Schadenersatz erstritten. Das Institut hatte ihnen 2008 zum Kauf von Zertifikaten der Pleitebank Lehman Brothers geraten.
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Hamburg/HannoverEin Ehepaar aus Hannover ist beim Kauf von Zertifikaten der pleitegegangenen Lehman-Bank falsch beraten worden und bekommt daher 7,4 Millionen Euro Schadenersatz. Das hat das Hamburger Oberlandesgericht (OLG) entschieden, wie Sprecher Conrad Müller-Horn am Mittwoch sagte (Az. 14 U 291/10). Die „Neue Presse Hannover“ hatte zuerst über den Fall berichtet. Die US-Investmentbank Lehman Brothers hatte im September 2008 Insolvenz beantragt. Die Pleite erschütterte die Finanzmärkte.

Das OLG bestätigte eine Entscheidung des Hamburger Landgerichts. Die Bethmann Bank hatte den vermögenden Anlegern den Angaben zufolge im April 2008 vorgeschlagen, sie sollten ihre Commerzbank-Zertifikate verkaufen und dafür Lehman-Zertifikate kaufen. Das Paar besaß bereits Lehman-Papiere, im April 2008 erwarb das Geldinstitut weitere Lehman-Zertifikate im Wert von knapp 3,7 Millionen Euro.

Das Landgericht verurteilte die Bank im September 2010 zur Zahlung von Schadenersatz wegen einer Pflichtverletzung aus dem Anlageberatungsvertrag. Die Bank hätte das Paar aufklären müssen, dass es mit Lehman bergab ging, hieß es zur Begründung. Das Geldinstitut legte Berufung gegen die Entscheidung ein. Das OLG wies die Berufung im Mai dieses Jahres zurück.

Die Bank habe ihre Beratungspflichten unter anderem deshalb verletzt, weil sie den Anlegern vor dem „Tausch“ der Commerzbank- in Lehman-Zertifikate ein falsches - schlechteres - Rating zur Commerzbank genannt habe, erklärte Müller-Horn. „Um einen Vergleich der Papiere zu ermöglichen, hätten wesentliche Informationen zu beiden Zertifikaten richtig und vollständig sein müssen.“

Auch die negative Presseberichterstattung über Lehman habe die Bank verschwiegen. Sie hätte aber über Risikofaktoren aufklären müssen - unabhängig davon, ob im April 2008 bereits ein konkretes Insolvenzrisiko für Lehman vorhersehbar war. Ende Juli 2008 habe das Institut das Paar nicht auf die Herabstufung des Ratings von Lehman hingewiesen - sondern habe vom Verkauf der Zertifikate abgeraten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Sie gehen keinerlei Risiko ein; im schlimmsten Fall erhalten Sie 100% Ihres Geldes zurück; Ihre Anlage ist VOLL kapitalgeschützt" - so hat Credit Suisse die kapitalgeschützten Lehman-Papiere verkauft - oft anstelle von Obligationen und Festgeldanlagen - und damit Tausende von Schweizern um Hunderte Millionen Franken gebracht. Die BEKB hatte ihre Kunden bereits im April 2008 mit einem Credit Default Swap gegen den Ausfall von Lehman versichert. Banken wie J.P. Morgan oder HSBC hatten den Vertrieb von Lehman-Produkten wegen des Kreditrisikos sogar schon 2007 eingestellt. Die CS liess ihre Kunden dagegen voll ins Messer laufen. Von über 1.3 Mrd. Franken hat sie gerade mal etwas mehr 150 Mio. zurückbezahlt. Dass die FINMA nach wie vor behauptet, sie sei eine unabhängige Aufsichtsbehörde, die die Anleger schütze, ist ein Zynismus, wie ihn sich normalerweise nur der Machtapparat einer totalitären Diktatur erlaubt.

  • Oder schärfer formuliert: Soviel Aufklärung/Beratung wie nötig, so viel Provision wie möglich. Die Bank lebt nicht (mehr) von der Zinsspanne allein, sondern von Porivisionen, Gebühren, Ausgabeaufschlägen, Disagios, Courtagen, Vorfälligkeitsentgelten etc. Gerade bei Produktinnovationen wie Garantie(!)-"Zertifikaten" muss man eben aufpassen. Und wer an hohe Verzinsung bei minmalem Risko glaubt, wird selig...

  • In der Praxis läuft es so: Die Dokumentation der Kundenangaben und Aufklärung nach WpHG wird immer mit dem Kunden gemacht und von diesem unterschrieben. Auf dem Papier ist der Kunde damit ausreichend aufgeklärt und die Bank aus dem Schneider. Informell kommen dann aber doch beschwichtigende Aussagen vom Berater wie "Totalausfall etc. wird schon nicht passieren." Jede Wette, dass bei Lemann damals vielen Kunden die Angst "genommen" wurde, was sollte bei so viel Tradition schon schiefgehen...

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