Betrugsaffäre: Handelsriesen stiegen rechtzeitig aus

Betrugsaffäre
Handelsriesen stiegen rechtzeitig aus

Die beiden Handelsreisen Schlecker und Lidl sollen die Betrügereien bei einer Geldbearbeitungstochter der Sicherheitsfirma Heros schon vor Monaten registriert und daraufhin die Zusammenarbeit beendet haben. Das insolvente Unternehmen berichtet unterdessen von ersten Kaufinteressenten.

HB HANNOVER. Wie der „Spiegel“ berichtet, stieg die Drogeriekette Schlecker bereits vor einem Jahr nach einer internen Untersuchung aus den Verträgen mit dem Geldtransportunternehmen aus. Ein Firmensprecher sagte dem Blatt, man habe um einen Tag verzögerte Zahlungseingänge registriert.

Der Ausstieg von Lidl bedeutete nach „Spiegel“-Recherchen das Anfang vom Ende der Heros-Betrüger: Die Discount-Kette mit ihren 2600 Filialen sei einer der größten Kunden in der Heros-Kartei gewesen. „Es kam immer häufiger vor, dass die Zahlungen verspätet verbucht wurden“, zitiert das Magazin einen „Lidl-Mann“. Ende Dezember habe Lidl die Verträge schließlich gekündigt - ohne dabei Geld einzubüßen.

Zu den Hauptgeschädigten im Heros-Skandal zählt nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ der Handelsriese Rewe. Sprecher Wolfram Schmuck bestätigte, dass sein Unternehmen zu den Geschädigten gehört, wollte sich aber nicht zu dem zeitungsbericht äußern, wonach allein ein dreistelliger Millionenbetrag der 300 Millionen Euro umfassenden Schadenssummer auf Rewe entfällt. 50 bis 60 Millionen Euro soll Rewe bereits vor dem Frankfurter Amtsgericht geltend gemacht haben.

Am Freitag vernahm die Polizei erstmals den Inhaber der Heros-Gruppe, Karl-Heinz Weis. Die Befragung des 57-Jährigen werde noch mehrere Tage dauern, sagte ein Sprecher der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft. Einzelheiten werde die Behörde aus rechtlichen Gründen nicht mitteilen. Der Anwalt des Heros-Chefs hatte am Mittwoch ein Geständnis seines Mandanten angekündigt: „Er wird den Sachverhalt aufklären. Er übernimmt dafür die Verantwortung“. Der Firmenchef und drei seiner Mitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Unterschlagungen hatte die Unternehmensgruppe mit europaweit 5000 Arbeitsplätzen Insolvenz angemeldet.

Eine Heros-Sprecherin berichtet am Freitag, es gebe erste Kontakte wegen eienr Übernahme von Teilen des Unternehmens: „Es gibt einige Interessenten, die hier angerufen haben“. Der vom Amtsgericht Hannover eingesetzte Insolvenzverwalter Manuel Sack war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch am Freitag verlief der Transportbetrieb nach Firmenangaben ohne Störungen. Wie lange der Betrieb aufrechterhalten werde, sei aber nach wie vor offen, sagte die Sprecherin. Die Bundesbank will am Samstag ihre Filialen öffnen, um möglichen Engpässen bei der Bargeldversorgung vorzubeugen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%