Betrugsskandal bei Société Générale: Zweifel an Alleingang-Version wachsen

Betrugsskandal bei Société Générale
Zweifel an Alleingang-Version wachsen

In der Betrugsaffäre bei der Société Générale verdichten sich die Zweifel daran, dass eine einzige Person das zweitgrößte Geldinstitut Frankreichs in eine Krise gestürzt habe. Experten stellen vermehrt das Kontrollsystem der Bank in Frage. Auch Skandal-Händler Nick Leeson äußert sich zum Risikomanagement – und dazu, wie es ist, Millionen in den Sand zu setzen.

HB PARIS.„Dieser Händler scheint mir nur ein Sündenbock zu sein“, sagte Alain Crouzat, Präsident der Wertpapiergesellschaft Montségur Finance in der Freitagausgabe des „Le Parisien“. Kritik am Management und am Kontrollverfahren äußerte auch die französische Tagezeitung „Libération“, die in ihrem Kommentar schrieb: „Ein Schuldiger wurde gefunden, doch wer sind die Verantwortlichen?“ Nach der Version der Société Générale soll der 31- jährige Aktienhändler Jérôme Kerviel mit betrügerischen Scheingeschäften und Milliardenspekulationen der Bank einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro zugefügt haben.

Viele Fachleute sind der Meinung, dass eine solche Summe nicht einer Einzelperson angelastet werden kann und stellen das Sicherheit- und Kontrollsystem in Fragen. „Diese Anomalie hätte doch auffallen müssen. Man muss sich fragen was die Hunderte von Kontrolleuren der Société Génerale eigentlich machen?“, sagte der Präsident der Wertpapiergesellschaft Montségur Finance weiter. Für Philippe Citerne, Vizechef der Société Générale, handelt es sich um einen „nicht zu erklärenden Akt der Böswilligkeit“.

Der Händler und vier oder fünf Vorgesetzte und Manager wurden entlassen. Kerviel war seit 2000 bei der zweitgrößten Bank Frankreichs beschäftigt. Er galt als Einzelgänger und Computergenie, der gute Kenntnisse über die Kontrollsysteme der Großbank besaß.

Gewerkschaftsvertreter hatten am Donnerstag berichtet, Kerviel habe familiäre Probleme gehabt. Der Händler habe „möglicherweise etwas den Verstand verloren“, sagte einer der Arbeitnehmervertreter, Alain Treviglio, von der Gewerkschaft CFDT.

Eine frühere Hochschullehrerin beschrieb Kerviel als „brillanten“ Studenten. „Er war ein netter Kerl“, sagte sie.

Michel Marchet von der Gewerkschaft CGT erklärte, möglicherweise sei das Bonussystem schuld an dem Vorfall. Denkbar sei, dass der Broker hochriskante Geschäfte eingegangen sei, um mit spektakulären Gewinnen seinen Bonus zu verbessern. Die Gewerkschaft wolle sich mit der Konzernführung nun über das Bonussystem unterhalten.

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