Betrugsverdacht
Ermittlungen gegen Deutsche Bank auch in London

Britische Aufsichtsbehörden verdächtigen das Institut, Kunden mit falsche Informationen beim Wertpapierkauf versorgt zu haben. Josef Ackermann bleibt gelassen: „Die sollen uns beweisen, dass da Betrug im Spiel ist."
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LondonDie Deutsche Bank ist nun auch ins Visier der britischen Behörde zur Untersuchung von Betrug und Korruption geraten: Man hole derzeit Informationen darüber ein, ob Kunden beim Kauf von durch die Bank zusammengestellten Wertpapieren falsche Informationen bekommen hätten, sagte eine Sprecherin des Serious Fraud Office (SFO) am Montag in London und bestätigte damit einen Bericht der „Financial Times“.

Es sei aber keine formale Untersuchung im Gang. Derzeit spreche man mit Kontakten in Londons Finanzdistrikt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass im Anschluss eine Untersuchung eröffnet werde, erklärte die Sprecherin. Die britische Finanzaufsicht Financial Service Authority (FSA) wollte sich zu dem Fall nicht äußern.

Die „FT“ hatte berichtet, dass von der Untersuchung mehrere Geldhäuser betroffen seien, darunter auch Goldman Sachs. Das SFO habe Zeugen dazu aufgerufen, sich zu melden. SFO-Direktor Richard Alderman sagte der Zeitung, die Ermittlungen seien schwierig, da die Behörde den Instituten eine Betrugsabsicht nachweisen müsse.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass sich die Deutsche Bank wegen missglückter Hypotheken-Geschäfte zu Zeiten der Finanzkrise in den USA verantworten muss. Die US-Aufsichtsbehörde FHFA verklagt das Frankfurter Institut auf milliardenschweren Schadenersatz. Die Deutsche Bank weist die Forderungen als haltlos zurück. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ließ am Montag durchblicken, dass er der Klagewelle in den USA und möglicherweise Großbritannien gelassen entgegensieht. „Die sollen uns beweisen, dass da Betrug im Spiel ist. Ich bin sicher, das ist nicht ganz einfach“, sagte er bei der „Handelsblatt“-Tagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt.

Die jüngste Klage der FHFA gegen die Deutsche Bank und eine Reihe weiterer Großbanken bezeichnete er als eine Art „letzten Strohhalm“, um die Folgen der eigenen Fehler der Finanzkrise zu verringern. Ackermann rechnet nicht damit, dass sich die derzeit im Raum stehenden Milliardensummen nur annähernd so im eigenen Zahlenwerk wiederfinden werden. Die Auswirkungen der bisherigen Klagen und Vergleiche auf die Gewinn- und Verlustrechnung seien überschaubar gewesen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Betrugsverdacht: Ermittlungen gegen Deutsche Bank auch in London"

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  • Ich will nicht klüger sein als der Papst, aber der Begriff "virtuell" wird nach meinem Geschmack im Zusammenhang mit "Geld, Fonds, Finanzprodukten, Medien, etc.", stets falsch gebraucht. "Virtuell" ist das Gegenteil von "real". So weit so gut. Aber "virtuell" bedeutet auch, dass das "Virtuelle" jederzeit rückgängig zu machen ist, will heißen, dass es keine Spuren in der Realität hinterlassen darf. Im Zusammenhang mit Policen, "verbrannten" Sparbüchern hege ich da meine Zweifel.

  • Was heißt denn hier eigentlich schon wieder "Erneut schlechte Nachrichten für die Deutsche Bank". Was soll diese Larmoyanz?
    Da sollen die wohl als Opfer positioniert werden und die Aufsichtsbehörden als Täter? Warum soll die Aufnahme von Ermittlungen als schlechte Nachricht gewertet werden? Für den Verbraucher und für die Ehrlichen ist sie das sicherlich nicht. Und bei der Deutschen Bank sollte man auch nicht überrascht sein, denn dort wird man schon noch wissen, welche Giftprodukte man zusammengebraut hat, zum Schaden der Kunden.

  • Wenn Gewinne gemacht werden, dann regt sich keiner auf. Aber sobald es mal rückwärst geht, dann wird die große Keule geholt und um sich geschlagen. Es geht doch nicht um das Sparbuch der Oma, das sich durch falsche Beratung in Luft aufgelöst hat.
    Es geht um professionelle Kunden, wie Fanny und Freddy, die jetzt behaupten, sie wurden getäuscht und falsch beraten. Wo bleibt denn die Pflicht zur Prüfung der Anlageprodukte, und der gesunde Menschenverstand dieser professionellen Kunden? Bevor man etwas kauft, sollte man das Produkt einer sorgfältigen Prüfung unterziehen. Das gilt für Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt, dem Gebrauchtfahrtzeug und erst recht, wenn größere Summen im Spiel sind.
    Jetzt zu behaupten die Anderen sind schuld und man wußte offensichtlich nicht was man tut, ist einfach lächerlich. Man will doch nur die Institute in Misskredit bringen und die Kurse weiter drücken und vor allem, von der eigenen Verantwortung ablenken. Das paßt doch hervorragend in die momentane Landschaft. Und wenn man Glück hat, wird man noch einen überforderten Richter finden, der einem dennoch Schadensersatz zuspricht.

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