BHF-Bank
Umbau verunsichert Kunden

Ein Umbau soll die dünne Kapitaldecke der Frankfurter BHF-Bank aufbessern. Das dürfte sie im kommenden Jahr in rote Zahlen stürzen. Der Finanzvorstand nimmt das in Kauf. Die Kunden und Aktionäre sind skeptisch.

FrankfurtDie Frankfurter BHF-Bank steht vor einem Umbau. „Wir überprüfen derzeit das Geschäftsmodell, insbesondere in kapitallastigen Bereichen”, sagte Martha Böckenfeld, Finanzvorstand der Muttergesellschaft BHF Kleinwort Benson, am 19. November in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Handlungsbedarf bestehe schon länger, Entscheidungen seien bis Ende Januar zu erwarten.

Unter der Führung des früheren Bankchefs Björn Robens habe sich das Institut zu sehr auf Einmaleffekte verlassen. Gemessen am Eigenkapital verdiene die BHF-Bank zu wenig. „Wir wollen, dass die Bank in Zukunft nachhaltige Erträge erwirtschaftet”, sagte Böckenfeld. Ob damit auch ein Stellenabbau verbunden sein wird, ließ Böckenfeld offen.

Robens war nach einem Streit mit BHF-Kleinwort-Benson-Chef Lenny Fischer als Vorstandschef abgelöst worden. Der chinesische Finanzinvestor Fosun, der sich hinter Robens gestellt hatte, kündigte daraufhin ein Übernahmeangebot für BHF Kleinwort Benson an. Es wird derzeit von der Finanzaufsicht geprüft. Auch die französische Bank Oddo - wie Fosun bereits an BHF Kleinwort Benson beteiligt - liebäugelt Insidern zufolge mit einer Übernahme. Von den unterschiedlichen Vorstellungen der potenziellen Mehrheitseigner will sich Böckenfeld nicht stören lassen: „Wir gehen davon aus, dass wir im Sinne aller Eigentümer handeln, wenn wir die Bank nachhaltig profitabel machen.”

Der Umbau werde zunächst allerdings die Geschäftszahlen des Jahres 2016 belasten, räumte BHF Kleinwort Benson im Bericht zum dritten Quartal ein. Finanzkreisen zufolge drohen dann bei der BHF-Bank rote Zahlen. Laut Böckenfeld liegen die Planungen für 2016 erst im Januar vor. Für 2017 peilt der Konzern weiter einen operativen Gewinn von mehr als 60 Millionen Euro an. Das wäre eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent. Die Finanzchefin hält das weiterhin für „durchaus realistisch, wenn das Thema mit der Eigentümerstruktur schnell gelöst ist”. Nach neun Monaten dieses Jahres standen 5,2 Millionen Euro zu Buche.

Vor allem die Kunden in Deutschland seien wegen des Tauziehens um die Bank irritiert. „Aufgrund der unsicheren Eigentümerstruktur merkt man schon, dass Kunden schwer für neues Geschäft zu gewinnen sind”, sagte Böckenfeld. Bestehende Anleger blieben aber treu. „Die extreme Hängepartie ist geschäftsschädigend und nicht im Sinne der Aktionäre.” Auch die Mitarbeiter seien verunsichert. In den ersten neun Monaten des Jahres sammelte BHF Kleinwort Benson 1,2 Milliarden Euro frisches Geld ein, zuletzt habe sich der Mittelzufluss jedoch verlangsamt. Wegen des deutlichen Abschwungs an den Börsen sei das verwaltete Vermögen im dritten Quartal um 2,5 Milliarden Euro abgeschmolzen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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