BHF-Verkauf
Erster Erfolg für das neue Deutsche-Bank-Duo

Das Deutsche-Bank-Führungsdoppel Jain und Fitschen räumt mit einer Altlast des Vorgängers auf: Sie schlagen endlich die Tochter BHF an einen Finanzinvestor los. Doch die Aufseher könnten den Deal noch torpedieren.
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Frankfurt/DüsseldorfDie Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, stehen vor einem ersten größeren Erfolg ihrer Amtszeit. Nach mehreren Jahren der vergeblichen Käufersuche und einem gescheiterten Anlauf schlägt die Deutsche Bank nun ihre Tochter BHF an den Finanzinvestor RHJ los.

Die in Belgien ansässige Finanzdienstleistungsgruppe RHJ International (RHJ) wolle 384 Millionen Euro für das Traditionsinstitut zahlen, teilte die Deutsche Bank in Frankfurt mit. RHJ kündigte an, die BHF-Bank mit seiner Investmentbank Kleinwort Benson zusammenzuführen.

Die Deutsche Bank hatte die BHF-Bank 2009 zusammen mit der Privatbank Sal. Oppenheim erworben. Damals sollte die BHF direkt wieder verkauft werden. Doch die Suche nach einem Käufer zog sich hin. Anfang 2011 war der deutsche Brancheprimus bereits mit der Liechtensteiner Bank LGT handelseinig. Die die Aufsichtsbehörde Bafin ließ dieses Geschäft aber im letzten Moment platzen. Für die Prüfung hat sie nun insgesamt 60 Tage Zeit.

Wäre der Verkauf gescheitert, hätte die Deutsche Bank einen schweren Imageschaden erlitten. Nun räumen aber Jain und Fitschen die Überbleibsel der Ära Ackermann auf. Die BHF war bereits für die interne Abwicklungsbank des deutschen Branchenprimus vorgesehen. Erst vor wenigen Tagen hatten Jain und Fitschen die Schaffung der „Bad Bank“ verkündet.

Dennoch bleiben Jain und Fitschen noch Sorgen: Der Libor-Skandal dürfte dem Führungsduo weiter Kopfschmerzen bereiten. Für die Manipulation der wichtigen Zinssätze hat die britische Barclays bereits eine hohe Strafe gezahlt. Nun wurden Verbindungen des maßgeblichen Barclays-Händlers zu vier Händlern bei anderen Geldhäusern bekannt - unter anderem der Deutschen Bank. Zudem ringt das Geldhaus weiter mit dem empfindlichen Stellenabbau im Investmentbanking und der strategischen Neupositionierung.

Ursprünglich hatte die Deutsche Bank auf einen Preis von rund einer halben Milliarde Euro gehofft. Die nun vereinbarte Summe liegt Finanzkreisen zufolge leicht unter dem Buchwert der BHF-Bank. Daher sei mit einer kleinen Abschreibung zu rechnen, sagte ein Insider. Merck-Finck-Analyst Konrad Becker rechnet hier mit weniger als 100 Millionen Euro. Der Preis sei nicht üppig. "Der Deal ist sicher kein Ruhmesblatt für die Deutsche Bank, aber die Kapitalentlastung stand im Vordergrund", sagt der Finanzexperte.

Er geht davon aus, dass durch den Verkauf Eigenkapital in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe freigesetzt wird. Die Deutsche Bank hat angekündigt, die in den nächsten Jahren geltenden schärferen Vorschriften Basel III ohne Kapitalerhöhungen zu erreichen.

Mit RHJ hatte die Deutsche Bank bereits im Juli 2011 exklusive Verhandlungen ausgenommen. Doch die Bafin beäugte den Investor, hinter dem der ehemalige Dresdner-Bank-Vorstand Lenny Fischer steht, skeptisch. Der bereits gescheiterte erste Anlauf stimmte Jain und Fitschen offenbar vorsichtig. Die Deutsche Bank betonte, dass die Aufsichtsbehörden dem Geschäft noch zustimmen müssen.

Die Aufseher hatten Zweifel angemeldet, dass die Finanzgruppe genügend Eigenkapital für den Kauf mitbringt. Da sich Deutsche Bank und RHJ nun aus der Deckung wagen, dürfte der Verkauf mit der Bafin besser ausgelotet sein als im ersten Anlauf mit der LGT. Dafür spricht auch, dass RHJ nicht alleine an den Kauf herangeht.

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  • Aha ein Erfolg ist das also gewesen ok :D

  • Liebes Handelsblatt,
    Erfolg ist wenn man mit Gewinn verkauft nicht wenn man Verluste begrenzt.

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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