Bilanz 2011: Commerzbank enttäuscht Staat und Anleger

Bilanz 2011
Commerzbank enttäuscht Staat und Anleger

Die gedämpften Erwartungen an das Schlussquartal 2011 hat die Commerzbank zwar übertroffen, im Gesamtjahr aber Federn gelassen. Die Folgen für den deutschen Staat und für Anleger sind höchst unerfreulich.
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Düsseldorf/FrankfurtDie Commerzbank hat ihren Konzerngewinn im Schlussquartal 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 316 Millionen Euro gesteigert. Die Erwartungen der Analysten von gut 200 Millionen Euro konnte sie damit deutlich übertreffen. Dabei profitierte sie von einem „positiven Einmaleffekt“ in Höhe von 735 Millionen Euro, mit dem sie weitere Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ausgleichen konnte.

Nur dank dieses Einmaleffekts gelangen Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus im Gesamtjahr schwarze Zahlen. Allerdings brach der Gewinn um mehr als die Hälfte auf 638 Millionen Euro ein. Der ausgehandelte Schuldenschnitt für Griechenland belastete die Bilanz mit rund 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt schrieb die Bank ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen um knapp 74 Prozent ab. Das ließ auch die gute Entwicklung im Kerngeschäft in den Hintergrund treten.

Diese Einschätzung teilten Anleger: Die Aktie des Instituts brach am Donnerstag zeitweise um fast zehn Prozent ein.

Ursprünglich hatte Vorstandschef Martin Blessing eine deutliche Gewinnsteigerung angekündigt. Er musste aber im Laufe des Jahres dieses Ziel angesichts der Schuldenkrise aufgeben. Blessing betonte aber, die Commerzbank habe im Jahr 2011 wichtige strategische Ziele erreicht. „Wir haben im Rahmen einer Kapitalmaßnahme die stillen Einlagen des Soffin um 14,3 Milliarden Euro zügig und weitgehend zurückgeführt.“ Der Rest soll nach bisheriger Planung bis spätestens 2014 fließen.

Doch das Versprechen, das er bei der Bilanzvorlage vor einem Jahr gegeben hatte, konnte er nicht einlösen: „Wir werden alles daran setzen, die stillen Einlagen des Bundes für das Jahr 2011 zu bedienen.“ Denn auf die noch 1,9 Milliarden Euro an stillen Einlagen in der Bilanz hätte die Commerzbank eigentlich neun Prozent Zinsen zahlen müssen, also 170 Millionen Euro. Sie wird diese aber nun das vierte Jahr in Folge nicht verzinsen, weil sie nach den Bilanzregeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) 2011 einen Verlust von 3,6 Milliarden Euro gemacht hat. Denn für die Verzinsung ist nicht das Ergebnis nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS relevant, sondern ob ein HGB-Gewinn anfällt.

Kommentare zu " Bilanz 2011: Commerzbank enttäuscht Staat und Anleger"

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  • CBK sollte auf die stille Einlage des SoFFin in 2009 und 2010 jeweils rund 1,5 Milliarden Euro Zinsen zahlen. Inklusive der Zinsen für 2011 von 170 Mio. Euro hat CBK somit einen Zinsvorteil von rund 3,2 Milliarden Euro erlangt. Und das alles nur, weil sich CBK und der SoFFin auf einen Sonderpassus geeinigt haben, wonach diese Zinsen nur dann zu zahlen sind, wenn Gewinne nach den Bilanzregeln des HGB ausgewiesen werden. Darin könne eine Pflichtverletzung der seinerzeitigen Mitglieder des SoFFin-Leitungsausschusses (Günther Merll, Christopher Pleister und Gerhard Stratthaus) zu sehen sein. Wagt es eine beherzte Kanzlei, sich dieser Sache anzunehmen?
    Zudem verstehe ich nicht, weshalb andere Banken wg. dieser offensichtlichen Wettbewerbsverzerrung nicht die Europäische Kommission anrufen.

  • An der Führung der Coba liegt das wohl nicht.

    ich nehme an, das ist kein Freibrief.

    Auch diese F-Riege war in Gedanken schneller als sie gehen konnte.Anstatt zu dämpfen, war sie schon großzügig aus aller Schuld heraus und das schon vor der Kapitalerhöhung.
    Auch diese Führungsriege hat es bitter notwendig vertrauen
    in Worte zu schaffen.

  • Das rumgealbere zwischen BIP und Verschuldungs % ist
    doch mal vorerst vor den Kuckuck gehustet.
    Es geht hier um handfeste Abschreibungen. D.h. Entschuldung. Aus 100 Euro Altschulden enstehen wahrscheinlich 40 Euro Neuschulden.
    Natürlich sehen die Mittelstandsnachrichten ROT, denn die Commerzbank ist eine Mittelstandsbank.
    Die Commerzbank wird sich das Verlustigte wiederholen und
    zwar von den Mittelständlern, aber über Jhare sogar Jahrzehnte. Jeder kann die Bank wechseln.
    Sogar Mittelständler falls die Bank doch nicht der Mittelständler an sich ist und der Mittelständler nur durch die Bank seine Berechtigung zieht. (siehe Griechenland)

    Also wie weit sich die Verschuldung zum BIP verändert zeigt
    die Zeit, nicht die jetzige, diese Zahlen sind skalierbar
    und oft nach einem Jahr gegenstandslos. Zum Schlechten oder
    zum Guten.

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