Bilanz
Commerzbank unter Druck

Harsche Kritik an der Commerzbank: Das Geldhaus zahlt trotz guter Ergebnisse erneut keine Zinsen auf ihre Staatshilfen - dafür aber dicke Boni an ihre Mitarbeiter aus. Der Druck auf Chef Martin Blessing wächst.
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Berlin, FrankfurtEs klingt paradox: Die Commerzbank schreibt endlich wieder Gewinne - und bleibt dennoch politisch unter Druck. Morgen wird das mit 18,2 Milliarden Euro vom Staat gerettete Institut erstmals seit 2007 wieder einen starken Gewinn vorlegen. Analysten gehen von rund 1,3 Milliarden Euro aus. Doch Zinsen auf die Staatshilfen wird die Bank trotzdem nicht zahlen.

Der Grund: Nur nach den internationalen Bilanzregeln schreibt die Commerzbank Gewinne. Doch die Zinszahlungen sind an die Bilanz des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) gebunden - und nach dessen Regeln fährt die Bank auch 2011 einen Verlust ein. Bilanzexperten können zwar erklären, wie es zu so einer Diskrepanz kommt - der Hauptgrund sind Abschreibung auf die Immobilientochter Eurohypo.

Kritik von CDU und Grünen

Doch politisch lässt sich das kaum verkaufen. "Mir fehlt dafür jedes Verständnis, zumal es für die Bank offenbar kein Problem ist, eine erfolgsabhängige Vergütung an ihre Mitarbeiter zu zahlen", sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU, Klaus-Peter Flosbach dem Handelsblatt. Die Bank, so viel ist durchgesickert, will einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag an ihre Mitarbeiter auszahlen. Es geht um individuelle Leistungen. Der Teil der Boni, der an das Ergebnis gekoppelt ist, wird entfallen.

Für Flosbach ist das nicht genug: "Für eine leistungsgerechte Bezahlung habe ich natürlich Verständnis", sagt er. Das Problem liege aber darin, dass die Bank erfolgsabhängige Vergütungen an Mitarbeiter zahle, nicht aber Zinsen für die Staatshilfen. "Ich erwarte eine ehrliche Buchführung ohne Tricks und doppelten Boden", schimpft daher Gerhard Schick, der finanzpolitische Sprecher der Grünen. Es sei nicht länger hinnehmbar, dass die Bank nach internationaler Rechnungslegung einen Milliardengewinn ausweise, um einer Kapitalerhöhung den Boden zu bereiten, und nach HGB Verluste einfahre, um sich vor der Bedienung der Stillen Einlage in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an den Bund "zu drücken".

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