Bilanz-Vorlage
Commerzbank macht sich schön für die Scheidung

Der Staat ist immer noch größte Aktionär der Commerzbank. Doch das Geldhaus befreit sich zunehmend aus der Krise: Commerzbank-Chef Martin Blessing macht die Scheidung für den Bund immer attraktiver.
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FrankfurtMartin Blessing wirkt geradezu gelöst, als er im 49. Stock der Commerzbank-Zentrale vor die Journalisten tritt. Er scherzt, lacht – und vor allem kann er wieder ein paar positive Nachrichten verkünden. Nach Jahren, in denen vor allem über die Staatsrettung und den Absturz des Aktienkurses geredet wurde, kann der Commerzbank-Chef endlich wieder einen Gewinn verkünden. Der beträgt zwar nur 78 Millionen Euro, was bei einer Bilanzsumme von 550 Milliarden Euro geradezu winzig erscheint. Es ist aber vor allem ein Zeichen: Trotz des massiven Umbaus kann die Commerzbank noch schwarze Zahlen schreiben.

Große Gewinne erwartet Blessing in den nächsten Jahren aber nicht. Stattdessen wolle man die Bank krisensicher machen. Bereits zum Ende des Jahres soll die Kernkapitalquote der Bank zehn Prozent betragen, das bisherige Ziel von neun Prozent habe man schon in diesem Jahr erreicht. Beobachter befürchten, dass der anstehende Bilanzcheck und Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Kapitallöcher bei der Commerzbank offenlegen könnten.

Für den größten Aktionär der Commerzbank - den Bund - ist der Gewinn daher nur bedingt beruhigend. Die Beteiligung bleibt ein milliardenschweres Verlustgeschäft. Auch eine Dividende zahlt die Commerzbank derzeit nicht. Und Blessing bremst auch die Erwartungen, dass das im nächsten Jahr der Fall sein könnte. „Zunächst einmal wollen wir unsere Kapitalausstattung komfortabler gestalten, dann können wir über eine Dividende nachdenken“, sagt er.

Der Staatsanteil an der Commerzbank beträgt derzeit noch rund 17 Prozent. Durch die 2,5 Milliarden Euro Einnahmen aus der Kapitalerhöhung im Jahr 2013 konnte die Commerzbank im vergangenen Jahr die Stillen Einlagen des staatlichen Rettungsfonds Soffin auszahlen. Auf die Frage, ob der Bund sich nun komplett von der Commerzbank verabschiede, verweist Blessing höflich an das Bundesfinanzministerium.

Doch Blessing hat auch gute Nachrichten für die Anteilseigner: Die Bank will ihre risikobehaften Geschäftsbereiche, die so genannten Non-Core Assets (NCR), schneller reduzieren als bisher geplant. Die interne „Bad Bank“ soll bis 2016 auf einen Bestand von 75 Milliarden Euro schrumpfen – bisher hatte man mit 93 Milliarden Euro geplant. Im laufenden Jahr konnten vor allem die hochriskanten Anlagen um fast 50 Prozent reduziert werden. Der Markt für solche Verkäufe scheint günstig, Investmentfonds suchen derzeit verstärkt nach Anlagen. Dennoch rechnet die Bank mit einer weiteren Belastung für den Gewinn durch den schnellen Abbau in den drei Geschäftsfeldern gewerbliche Immobilienfinanzierung, Staatspapiere und Schiffsfinanzierung.

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Kommentare zu " Bilanz-Vorlage: Commerzbank macht sich schön für die Scheidung"

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  • "Commerzbank macht sich schön für die Scheidung"

    Ich traue dem Braten nicht!

    Eine Bank mit dieser Größenordnung und einem derart "überraschend guten Ergebnis" kann nicht wirklich gut sein.

  • Das ist richtig Herr Schaarschmidt, aber vergessen Sie nicht die Verzinsung von 9 % p.a. auf die stille Einlage des SoFFin. Die Verzinsung lag deutlich über dem marktübblichem Zins.
    Ich persönlich finde es klasse, dass die Investitionen und die Strategie langsam anfangen zu fruchten. Ein Beweis für das mittlerweile sehr gut aufgestellte Privatkundengeschäft sind wohl auch die Auszeichnungen wie "Beste Bank" nach Focus Money und der Sieg im City-Contest.
    Außerdem finde ich es sehr vernünftig der Bank zunächst die Kapitalsituation zu verbessern, bevor eine Dividende ausgeschüttet wird.
    Darüberhinaus findet ich die Bonizahlungen von 300 Mio. € durchaus angemessen. Dieser Betrag ist im Vergleich zu anderen Unternehmen und vorallem anderen Banken gering. Es ist auch wichtig durch solche Zahlungen die Arbeit der Angestellten wertzuschätzen und gute Arbeitskräfte zu halten, da ohne qualifiziertes und unmotiviertes Personal die schwere Lage, in der sich Banken zur Zeit befinden, wohl kaum lösen lassen würde.

  • Herr Blessing, ein Schönredner vor dem Herrn? Wenn man etwas mit der Branche im Berufsleben zu tun hatte, und auch noch etwas davon versteht, muss man sich die Frage stellen: Glaubt dieser Mann eigentlich selbst, was er da von sich gibt? Wenn ja, müsste er eigentlich mit seiner Aufgabe überfordert sein. Das kann man wiederum nicht ernsthaft annehmen. Wenn man es aber nicht annehmen kann, ist die Alternative, dass dieser Mann vorsätzlich die Unwahrheit sagt. Diese Aussagen werden gedeckt von einem Herrn Müller, der heute Aufsichtsratsvorsitzender ist, aber wiederum auch Vorgänger von Herrn Blessing. Was von solchen Konstellationen zu halten ist, ist in der Branche bekannt. Aber, wird etwas dagegen unternommen? Eigentlich schon, wie man bei der Deutschen Bank sehen kann. Wäre, wie geplant, Herr Ackermann Aufsichtsratsvorsitzender geworden, so wäre es aus heutiger Sicht sicher noch ein topp Unternehmen ohne jeglichen Tadel. Die Vorgehensweise bei der Deutschen Bank ist beispielhaft und sollte Zukunft sein bei den nächsten Wechseln von Vorstandsvorsitzenden bei den großen Konzernen insgesamt.

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