Bilanzierung nach HGB: Commerzbank wird 2011 mit Verlust abschließen

Bilanzierung nach HGB
Commerzbank wird 2011 mit Verlust abschließen

Die Commerzbank hat in diesem Jahr mehrmals positiv überrascht, beispielsweise mit der Entwicklung ihres Aktienkurses oder mit den Plänen zur Stärkung der Kapitaldecke. Mit ihrer Bilanz dürfte ihr das nicht gelingen.
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Frankfurt/DüsseldorfCommerzbank-Chef Martin Blessing wird mit den Geschäftszahlen für das vierte Quartal nicht glänzen können. Noch Mitte Januar hatte Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro für das 4. Quartal und 1,6 Milliarden Euro für das Gesamtjahr in Aussicht gestellt. Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen waren dabei allerdings nicht berücksichtigt. Sie werden sich aber deutlich bemerkbar machen. Nun dürfte die Bank im vierten Quartal auf die Anleihen knapp 700 Millionen Euro abschreiben. Analysten rechnen mittlerweile nur noch mit einem Gewinn von gut 200 Millionen Euro im Schlussquartal.

Nach den Bilanzregeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) wird die Bank für das Gesamtjahr, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, sogar einen Verlust ausweisen. Die Folgen für den deutschen Staat sind höchst unerfreulich: Die Bank wird die stille Einlage des Bundes damit nämlich auch diese Jahr nicht verzinsen, das ist das vierte Jahr in Folge. Denn für die Verzinsung ist nicht das Ergebnis nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS relevant, sondern ob ein HGB-Gewinn anfällt. Das HGB-Ergebnis wird schon deshalb eine Milliarde Euro niedriger ausfallen als der IFRS-Gewinn, weil die Bank dem Staat im Sommer eine Abschlagszahlung von einer Milliarde Euro zahlen musste. Das wird nur im HGB-Ergebnis berücksichtigt, nicht in der IFRS-Rechnung.

Die Bank hatte den Großteil ihrer stillen Einlagen zwar im vergangenen Sommer abgelöst, doch 1,9 Milliarden Euro stehen noch immer in ihrer Bilanz. Auf die hätte sie eigentlich neun Prozent Zinsen zahlen müssen, also 170 Millionen Euro. Konzernchef Blessing wird das Versprechen also nicht einlösen können, das er bei der Bilanzvorlage vor einem Jahr gegeben hatte: „Wir werden alles daran setzen, die stillen Einlagen des Bundes für das Jahr 2011 zu bedienen.“

Den größten Teil der Staatshilfe von insgesamt 16,2 Milliarden Euro hatte die Bank im ersten Halbjahr 2011 nach einer milliardenschweren Kapitalerhöhung zurückgezahlt. Der Rest soll nach bisheriger Planung bis spätestens 2014 fließen.

Erneute Staatshilfen scheut Blessing wie der Teufel das Weihwasser. Anfang des Jahres präsentierte er einen umfassenden Plan, mit dem die Commerzbank ihr gigantisches Kapitalloch aus eigener Kraft stopfen will. Um 6,3 Milliarden Euro will der Dax-Konzern sein Kernkapital und damit seinen Risikopuffer für Krisenzeiten stärken. Das ist eine Milliarde mehr als die europäische Bankenaufsicht Eba als Folge des jüngsten Stresstests fordert.

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Wie die Bank die Anforderungen der Finanzaufsicht erfüllen will

Kommentare zu " Bilanzierung nach HGB: Commerzbank wird 2011 mit Verlust abschließen"

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  • Bei der Coba gilt das Motto, alles außer Gewinn oder Verlust ist erlaubt.

    Sollte Gewinn rauskommen, muss dieser an den Staat durch die EK-Beteiligung abgetreten werden.
    Sollte Verlust rauskommen wird die CoBa von Ratingagenturen und Analysten zerfressen.

    Also liebe Bilanzexperten der CoBa noch irgendwie ne schwarze null hinzaubern und gut ist.

  • bei jemandem, der noch Coba-Aktien hält, helfen keinerlei Argumente mehr!!

  • Langfristig ist und bleibt die CoBa eine gute Anlage. Ob sie
    uns tatsächlich positiv überrascht ist eine ganz andere
    Sache. Außerdem steht das Thema Griechenland-Pleite nach wie
    vor im Raum. Trotz allem würde ich sie halten.

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